Abän­de­rung eines Unter­halts­ver­gleichs

Bei einem Pro­zess­ver­gleich erfolgt die nach § 323 Abs. 4 aF i.V.m. § 794 Abs. 1 Nr. 1 ZPO vor­ge­se­he­ne Anpas­sung an ver­än­der­te tat­säch­li­che Ver­hält­nis­se nach den Regeln des mate­ri­el­len Rechts, mit­hin in ers­ter Linie nach den Ver­ein­ba­run­gen der Par­tei­en über die Abän­der­bar­keit und im Übri­gen nach den gesetz­li­chen Regeln über den Weg­fall oder die Stö­rung der Geschäfts­grund­la­ge gemäß § 313 BGB 1.

Abän­de­rung eines Unter­halts­ver­gleichs

Die Par­tei­en kön­nen eine Abän­de­rung des Ver­glei­ches erleich­tern oder erschwe­ren. Aus der Ver­ein­ba­rung selbst oder aus dem zugrun­de­lie­gen­den Par­tei­wil­len kann sich des­halb erge­ben, dass der Ver­gleich jeder­zeit, d.h. ohne einen Zusam­men­hang mit einer Ände­rung der bei Ver­gleichs­schluss obwal­ten­den Ver­hält­nis­se, abge­än­dert wer­den kann. Zwar wird eine sol­che Aus­le­gung von Unter­halts­ver­ein­ba­run­gen mit Rück­sicht auf die von den Ver­trags­par­tei­en beim Ver­gleichs­schluss typi­scher­wei­se erstreb­te Rechts­si­cher­heit oft­mals nicht in Betracht kom­men; aus­ge­schlos­sen ist ein sol­cher Par­tei­wil­le aller­dings nicht 2. Er kann ins­be­son­de­re dann zu erwä­gen sein, wenn die Par­tei­en wesent­li­che Streit­punk­te des durch Ver­gleichs­schluss been­de­ten Ver­fah­rens nicht bei­le­gen konn­ten und sich für die Zukunft nur im Sin­ne einer einst­wei­li­gen Rege­lung an den Ver­gleich bin­den wol­len.

Wenn sich die Ver­trags­par­tei­en alle Streit­punk­te eines Ver­fah­rens bewusst offen­hal­ten woll­ten ("Unter Auf­recht­erhal­tung ihrer Rechts­stand­punkt"), ent­spricht es regel­mä­ßig ihrem Wil­len, den Ver­gleich nach Ablauf einer nach Treu und Glau­ben bemes­se­nen oder aus­drück­lich ver­ein­bar­ten Still­hal­te­frist zur Über­prü­fung in einem Abän­de­rungs­ver­fah­ren stel­len zu kön­nen, ohne dass es dazu einer zwi­schen­zeit­li­chen Ände­rung der Ver­hält­nis­se bedarf.

Fer­ner kön­nen die Par­tei­en im Rah­men ihrer ver­trag­li­chen Gestal­tungs­frei­heit auch das Aus­maß der Abän­de­rung bestim­men. Es kann daher dem Par­tei­wil­len ent­spre­chen, dass der Unter­halt im Fal­le einer Abän­de­rung von vorn­her­ein ohne jede Bin­dung an Ver­gleichs­grund­la­gen in frei­er Neu­be­rech­nung bemes­sen wer­den soll 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Juli 2012 – XII ZR 72/​10

  1. BGH, Urtei­le vom 21.09.2011 – XII ZR 173/​09, Fam­RZ 2012, 699 Rn. 28; und vom 19.03.1997 – XII ZR 277/​95, Fam­RZ 1997, 811, 813[]
  2. vgl. auch BGH, Urteil BGHZ 186, 1 = Fam­RZ 2010, 1238 Rn. 23 ff.[]
  3. OLG Zwei­brü­cken Fam­RZ 2004, 1884, 1885; Keidel/​MeyerHolz FamFG 17. Aufl. § 239 Rn. 54; Münch­Komm-ZPO/Gott­wald 3. Aufl. § 323 Rn. 102; Johannsen/​Henrich/​Brudermüller Fami­li­en­recht 5. Aufl. § 239 FamFG Rn. 15; Haußleiter/​Fest FamFG § 239 Rn. 30[]