Betreu­ung zur Ver­tre­tung in behörd­li­chen und gericht­li­chen Ver­fah­ren

Mit der Ein­rich­tung einer Betreu­ung mit dem Auf­ga­ben­kreis der Ver­tre­tung in behörd­li­chen und gericht­li­chen Ver­fah­ren hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Betreu­ung zur Ver­tre­tung in behörd­li­chen und gericht­li­chen Ver­fah­ren

Soweit mit der Bestim­mung eines sol­chen Auf­ga­ben­krei­ses der „Ver­tre­tung gegen­über Behör­den, Ver­si­che­run­gen, Ren­ten- und Sozi­al­leis­tungs­trä­gern” sowie der „Ver­tre­tung in gericht­li­chen Ver­fah­ren” nicht ledig­lich eine an sich ent­behr­li­che, aber nicht schäd­li­che Klar­stel­lung der sich aus § 1902 Abs. 1 BGB erge­ben­den Ver­tre­tungs­be­rech­ti­gung des Betreu­ers im Rah­men eines wei­te­ren ihm über­tra­ge­nen Auf­ga­ben­krei­ses hier der Ver­mö­gens­sor­ge beab­sich­tigt ist, muss regel­mä­ßig ein kon­kre­ter Bezug zu einer bestimm­ten Ange­le­gen­heit oder einem bestimm­ten behörd­li­chen oder gericht­li­chen Ver­fah­ren her­ge­stellt wer­den, für den die Not­wen­dig­keit der Bestel­lung eines Betreu­ers besteht.

Etwas ande­res gilt nur dann, wenn der Betreu­te krank­heits­be­dingt dazu neigt, sich durch das Betrei­ben einer Viel­zahl von sinn­lo­sen Ver­fah­ren zu schä­di­gen1.

Hat das Beschwer­de­ge­richt hier­nach die Vor­aus­set­zun­gen für die Bestel­lung eines Betreu­ers mit dem Auf­ga­ben­kreis Ver­mö­gens­sor­ge oder dem (iso­lier­ten) Auf­ga­ben­kreis der „Ver­tre­tung gegen­über Behör­den, Ver­si­che­run­gen, Ren­ten- und Sozi­al­leis­tungs­trä­gern” bzw. der „Ver­tre­tung in gericht­li­chen Ver­fah­ren” nicht aus­rei­chend fest­ge­stellt, kann die Anord­nung des Ein­wil­li­gungs­vor­be­halts nach § 1903 Abs. 1 BGB schon des­halb nicht bestehen blei­ben, weil die­ser die wirk­sa­me Ein­rich­tung einer Betreu­ung im betref­fen­den Auf­ga­ben­kreis vor­aus­setzt2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Janu­ar 2015 – XII ZB 324/​14

  1. KG Fam­RZ 2008, 919, 920; OLG Bran­den­burg Fam­RZ 2012, 1166, 1167; Münch­Komm-BGB/­Schwab 6. Aufl. § 1896 Rn. 116; Jür­gens Betreu­ungs­recht 5. Aufl. § 1896 Rn. 26
  2. BGH, Beschluss vom 06.07.2011 XII ZB 80/​11 Fam­RZ 2011, 1391 Rn. 15