Das in der Tür­kei gebo­re­ne Kind – und die Gel­tung deut­schen Abstam­mungs­rechts

Nach Art.19 Abs. 1 Satz 1 EGBGB unter­liegt die Abstam­mung eines Kin­des dem Recht des Staa­tes, in dem das Kind sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat.

Das in der Tür­kei gebo­re­ne Kind – und die Gel­tung deut­schen Abstam­mungs­rechts

Im Ver­hält­nis zu jedem Eltern­teil kann sie nach Art.19 Abs. 1 Satz 2 EGBGB auch nach dem Recht des Staa­tes bestimmt wer­den, dem die­ser Eltern­teil ange­hört.

Ist die Mut­ter ver­hei­ra­tet, kann gemäß Art.19 Abs. 1 Satz 3 EGBGB die Abstam­mung fer­ner nach dem Recht bestimmt wer­den, dem die all­ge­mei­nen Wir­kun­gen ihrer Ehe bei der Geburt nach Art. 14 Abs. 1 EGBGB unter­la­gen.

Alle die­se Anknüp­fun­gen sind grund­sätz­lich gleich­wer­tig.

In wel­chem Ver­hält­nis die Anknüp­fungs­al­ter­na­ti­ven zuein­an­der ste­hen, wenn die­se zu unter­schied­li­chen Eltern-Kind-Zuord­nun­gen füh­ren, und wel­cher Alter­na­ti­ve im Kon­kur­renz­fall der Vor­rang gebührt, hat der Bun­des­ge­richts­hof bis­lang nicht abschlie­ßend ent­schie­den 1. Die Fra­ge bedarf auch vor­lie­gend kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung, da sich aus dem tür­ki­schen Abstam­mungs­recht vor­lie­gend im Ver­hält­nis zum deut­schen Abstam­mungs­recht kei­ne kon­kur­rie­ren­de Eltern-Kind-Zuord­nung ergibt.

So fand in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall deut­sches Recht nach Art.19 Abs. 1 Satz 1 EGBGB auf die Fra­ge der Abstam­mung des in der Tür­kei gebo­re­nen Kin­des Anwen­dung, weil das Kind eben­so wie der ver­meint­li­che Vater seit Jahr­zehn­ten sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in Deutsch­land hat und bei­de zudem zwi­schen­zeit­lich die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit erwor­ben haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Juli 2017 – XII ZB 125/​17

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se BGHZ 210, 59 = Fam­RZ 2016, 1251 Rn. 28 f.; vom 03.08.2016 – XII ZB 110/​16 Fam­RZ 2016, 1847 Rn. 8 ff. mwN; vom 19.07.2017 – XII ZB 72/​16; und BGH, Urteil BGHZ 168, 79 = Fam­RZ 2006, 1745