Der Gut­ach­ter im Betreu­ungs­ver­fah­ren

Gemäß § 280 Abs. 1 Satz 2 FamFG soll der in einem Betreu­ungs­ver­fah­ren mit der Erstel­lung eines Gut­ach­tens beauf­trag­te Sach­ver­stän­di­ge Arzt für Psych­ia­trie oder Arzt mit Erfah­rung auf dem Gebiet der Psych­ia­trie sein.

Der Gut­ach­ter im Betreu­ungs­ver­fah­ren

Ergibt sich die Qua­li­fi­ka­ti­on nicht ohne Wei­te­res aus der Fach­be­zeich­nung des Arz­tes, ist sei­ne Sach­kun­de vom Gericht zu prü­fen und in der Ent­schei­dung dar­zu­le­gen 1.

Die­ser Pflicht waren die Gerich­te im hier ent­schie­de­nen Fall auch nicht durch § 281 Abs. 1 Nr. 2 FamFG ent­bun­den, der grund­sätz­lich ein ärzt­li­ches Zeug­nis genü­gen lässt, wenn ein Betreu­er nur zur Gel­tend­ma­chung von Rech­ten des Betrof­fe­nen gegen­über sei­nem Bevoll­mäch­tig­ten bestellt wird. Das gilt schon des­we­gen, weil das Amts­ge­richt die Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens für erfor­der­lich gehal­ten hat. Wird aber ein sol­ches ein­ge­holt und stützt das Gericht sei­ne Ent­schei­dung dar­auf, muss das Gut­ach­ten den for­ma­len Anfor­de­run­gen des § 280 FamFG auch dann genü­gen, wenn es ver­fah­rens­recht­lich nicht obli­ga­to­risch ist 2. Im Übri­gen hat sich das Amts­ge­richt nicht auf die Errich­tung einer Kon­troll­be­treu­ung beschränkt, son­dern mit dem Beschluss vom 27.02.2015 auch die Ent­ge­gen­nah­me und das Öff­nen der Post in den Auf­ga­ben­kreis auf­ge­nom­men (§ 1896 Abs. 4 BGB). Die Vor­aus­set­zun­gen des § 281 Abs. 1 Nr. 1 FamFG, nach dem beim kumu­la­ti­ven Vor­lie­gen eines Eigen­an­trags des Betrof­fe­nen mit Ver­zicht auf die Begut­ach­tung und Unver­hält­nis­mä­ßig­keit der­sel­ben im Hin­blick auf den Umfang des Auf­ga­ben­krei­ses ein ärzt­li­ches Zeug­nis genügt, lie­gen eben­falls nicht vor.

Die mit­hin erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen zur Sach­kun­de des Sach­ver­stän­di­gen feh­len in den instanz­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen. Obgleich der Sach­ver­stän­di­ge von Amts- und Land­ge­richt ledig­lich mit "Dr. B." und damit ohne Fach­be­zeich­nung zitiert wird, haben bei­de Vor­in­stan­zen kei­ne Prü­fung und Dar­le­gun­gen zu sei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on vor­ge­nom­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2015 – XII ZB 381/​15

  1. BGH, Beschlüs­se vom 07.08.2013 – XII ZB 188/​13, Fam­RZ 2013, 1800, Rn. 6; und vom 16.05.2012 – XII ZB 454/​11, Fam­RZ 2012, 1207, Rn. 12, mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 07.08.2013 – XII ZB 188/​13, Fam­RZ 2013, 1800, Rn. 7[]