Der Ver­fah­rens­pfle­ger in einer Unter­brin­gungs­sa­che – und sei­ne pro­zes­sua­le Stel­lung

Der in einer Unter­brin­gungs­sa­che bestell­te Ver­fah­rens­pfle­ger ist nicht gesetz­li­cher Ver­tre­ter des Betrof­fe­nen; er kann in Ver­tre­tung des Betrof­fe­nen kei­ne wirk­sa­men Ver­fah­rens­hand­lun­gen vor­neh­men und ist ins­be­son­de­re nicht zur Ein­le­gung eines Rechts­mit­tels im Namen des Betrof­fe­nen befugt 1.

Der Ver­fah­rens­pfle­ger in einer Unter­brin­gungs­sa­che – und sei­ne pro­zes­sua­le Stel­lung

Etwas ande­res ist nur dann mög­lich, wenn sich der Ver­fah­rens­pfle­ger aus­drück­lich dar­auf beruft, sei­ne bis­he­ri­ge Rol­le im Ver­fah­ren auf­ge­ben und auf­grund eines ihm von dem Betrof­fe­nen erteil­ten Auf­trags als Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ter für den Betrof­fe­nen han­deln zu wol­len 2.

Eine vom Ver­fah­rens­pfle­ger "im Namen des Betrof­fe­nen" ein­ge­leg­te Erst­be­schwer­de ist mit­hin unzu­läs­sig.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits wie­der­holt ent­schie­den, dass der in einer Unter­brin­gungs­sa­che bestell­te Ver­fah­rens­pfle­ger nicht befugt ist, im Namen des Betrof­fe­nen ein Rechts­mit­tel ein­zu­le­gen 3.

Die Bestel­lung eines Ver­fah­rens­pfle­gers in einer Unter­brin­gungs­sa­che soll die Wah­rung der Belan­ge des Betrof­fe­nen in dem Ver­fah­ren gewähr­leis­ten. Der Ver­fah­rens­pfle­ger hat daher in ers­ter Linie die Pflicht, dem Anspruch des Betrof­fe­nen auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) Gel­tung zu ver­schaf­fen; außer­dem hat er den tat­säch­li­chen oder mut­maß­li­chen Wil­len des Betreu­ten zu erkun­den und in das Ver­fah­ren ein­zu­brin­gen. Anders als der Betreu­er in dem jewei­li­gen Auf­ga­ben­kreis ist er jedoch nicht gesetz­li­cher Ver­tre­ter des Betrof­fe­nen. Dar­aus folgt, dass eine vom Ver­fah­rens­pfle­ger aus­drück­lich im Namen des Betrof­fe­nen vor­ge­nom­me­ne Ver­fah­rens­hand­lung unzu­läs­sig und der Ver­fah­rens­pfle­ger ins­be­son­de­re zur Ein­le­gung der Beschwer­de im Namen der Betrof­fe­nen nicht befugt ist 4.

Etwas ande­res ist nur dann mög­lich, wenn sich der Ver­fah­rens­pfle­ger nicht auf sein Amt, son­dern aus­drück­lich dar­auf beruft; vom Betrof­fe­nen mit der Ein­le­gung einer Beschwer­de beauf­tragt wor­den zu sein. In die­sen Fäl­len muss sich aus der Beschwer­de­schrift aber hin­rei­chend deut­lich erge­ben, dass der Ver­fah­rens­pfle­ger mit der Fol­ge der Auf­he­bung sei­ner Bestel­lung (vgl. § 317 Abs. 4 FamFG) sei­ne bis­he­ri­ge Rol­le im Ver­fah­ren auf­ge­ben und als Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ter für den Betrof­fe­nen han­deln will 5.

Das in der Beschwer­de­schrift aus­drück­lich "im Namen des Betrof­fe­nen" ein­ge­leg­te Rechts­mit­tel lässt sich auch nicht in eine Beschwer­de im eige­nen Namen des Ver­fah­rens­pfle­gers umdeu­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Febru­ar 2019 – XII ZB 244/​18

  1. im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 31.10.2018 – XII ZB 288/​18, Fam­RZ 2019, 231; und vom 15.08.2018 – XII ZB 370/​17, Fam­RZ 2018, 1777[]
  2. im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 31.10.2018 XII ZB 288/​18 Fam­RZ 2019, 231; und vom 15.08.2018 XII ZB 370/​17 Fam­RZ 2018, 1777[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 31.10.2018 – XII ZB 288/​18, Fam­RZ 2019, 231 Rn. 6 f.; und vom 15.08.2018 – XII ZB 370/​17, Fam­RZ 2018, 1777, Rn. 5 f.[]
  4. BGH, Beschluss vom 15.08.2018 – XII ZB 370/​17, Fam­RZ 2018, 1777 Rn. 5 mwN[]
  5. BGH, Beschluss vom 15.08.2018 – XII ZB 370/​17, Fam­RZ 2018, 1777, Rn. 6 mwN[]