Die Aus­schluss­frist bei der Betreu­er­ver­gü­tung

Die Aus­schluss­frist des § 2 VBVG zur Gel­tend­ma­chung der Betreu­er­ver­gü­tung beginnt für den Anspruch auf pau­scha­le Ver­gü­tung zu dem Zeit­punkt, in dem der Anspruch gemäß § 9 VBVG erst­mals gel­tend gemacht wer­den kann.

Die Aus­schluss­frist bei der Betreu­er­ver­gü­tung

Mit der herr­schen­den Mei­nung ist zu Recht davon aus­zu­ge­hen, dass die Fünf­zehn-Monats­frist des § 2 VBVG erst nach Ablauf der Drei-Monats­frist des § 9 VBVG beginnt [1].

Nach § 2 VBVG erlischt der Ver­gü­tungs­an­spruch, wenn er nicht bin­nen fünf­zehn Mona­ten nach sei­ner Ent­ste­hung beim Gericht gel­tend gemacht wird. Der pau­scha­le Ver­gü­tungs­an­spruch kann gemäß § 9 VBVG frü­hes­tens nach Ablauf von jeweils drei Mona­ten für die­sen Zeit­raum gel­tend gemacht wer­den.

Aus dem Zweck des § 2 VBVG und dem Zusam­men­hang mit der Fäl­lig­keits­re­ge­lung in § 9 VBVG folgt, dass der pau­scha­le Ver­gü­tungs­an­spruch des Berufs­be­treu­ers im Sin­ne von § 2 VBVG zu dem Zeit­punkt ent­steht, in dem er gemäß § 9 VBVG erst­mals gel­tend gemacht wer­den kann.

Grund­sätz­lich ent­steht der Ver­gü­tungs­an­spruch zwar mit der ver­gü­tungs­pflich­ti­gen Tätig­keit [2] und kann ab die­sem Zeit­punkt auch gel­tend gemacht wer­den. Das gilt jedoch nicht für den mit dem zwei­ten Betreu­ungs­rechts­än­de­rungs­ge­setz zum 1. Juli 2005 ein­ge­führ­ten pau­scha­len Ver­gü­tungs­an­spruch des Berufs­be­treu­ers nach § 5 VBVG, der nicht an eine bestimm­te Tätig­keit des Betreu­ers anknüpft, son­dern ihm eine von sei­nem kon­kre­ten Arbeits­ein­satz los­ge­lös­te nur von dem Bestehen der Betreu­ung abhän­gi­ge pau­scha­le monat­li­che Ver­gü­tung zubil­ligt. Die­ser Ver­gü­tungs­an­spruch, der anknüp­fend an die pau­scha­le monat­li­che Ver­gü­tung frü­hes­tens am Ende des jewei­li­gen Betreu- ungs­mo­nats ent­ste­hen könn­te [3], ist anders als der Ver­gü­tungs­an­spruch nach Zeit­auf­wand nicht sofort fäl­lig, son­dern kann gemäß § 9 VBVG erst­mals nach Ablauf von jeweils drei Betreu­ungs­mo­na­ten für die­sen Zeit­raum gel­tend gemacht wer­den.

Zweck der mit § 2 VBVG über­nom­me­nen, bis dahin in § 1836 Abs. 2 Satz 4 BGB gere­gel­ten, fünf­zehn­mo­na­ti­gen Aus­schluss­frist für die Gel­tend­ma­chung des Ver­gü­tungs­an­spruchs ab des­sen Ent­ste­hung ist es, den Betreu­er zur zügi­gen Gel­tend­ma­chung sei­ner Ansprü­che anzu­hal­ten, um zu ver­hin­dern, dass Ansprü­che in einer Höhe auf­lau­fen, die die Leis­tungs­fä­hig­keit des Betreu­ten über­for­dert, des­sen Mit­tel­lo­sig­keit begrün­det und damit eine Ein­tritts­pflicht der Staats­kas­se aus­löst, die bei recht­zei­ti­ger Inan­spruch­nah­me des Betreu­ten nicht begrün­det gewe­sen wäre [4].

Die Aus­schluss­frist knüpft somit dar­an an, dass der Betreu­er es über einen Zeit­raum von fünf­zehn Mona­ten ver­säumt hat, sei­nen Ver­gü­tungs­an­spruch gel­tend zu machen. Vor­aus­set­zung für die Ent­ste­hung des pau­scha­len Ver­gü­tungs­an­spruchs des Betreu­ers nach § 2 VBVG ist des­halb, eben­so wie für die den Ver­jäh­rungs­be­ginn gemäß § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB aus­lö­sen­de Ent­ste­hung des Anspruchs, dass der Anspruch gel­tend gemacht wer­den kann [5]. Da der pau­scha­le Ver­gü­tungs­an­spruch des Berufs­be­treu­ers gemäß § 9 VBVG erst nach Ablauf eines Abrech­nungs­quar­tals gel­tend gemacht wer­den kann, beginnt die Aus­schluss­frist des § 2 VBVG erst nach Ablauf die­ses Zeit­raums.

Für die­se Aus­le­gung von § 2 VBVG spricht auch das Ziel des Gesetz­ge­bers, mit der Ein­füh­rung der pau­scha­len Ver­gü­tung ein Abrech­nungs­sys­tem zu schaf­fen, das ein­fach und streit­ver­mei­dend ist [6]. Die­ses Ziel wird dadurch erreicht, dass der Beginn der Aus­schluss­frist stets mit dem Ende des jewei­li­gen Abrech­nungs­quar­tals beginnt. Durch den Gleich­lauf der Fris­ten wird ver­mie­den, dass das Fami­li­en­ge­richt bei der Berech­nung der Ver­gü­tung für jeden Betreu­ungs­mo­nat geson­dert über­prü­fen muss, ob der Anspruch noch besteht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. März 2013 – XII ZB 26/​12

  1. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 12.03.2010 – 25 Wx 82/​09; OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 08.06.2009 – 11 Wx 84/​08; KG FamRZ 2009, 456; OLG Köln BtPrax 2009, 80; OLG Dres­den FamRZ 2008, 1285; OLG Mün­chen NJW 2008, 1895; LG Göt­tin­gen FamRZ 2008, 92; Münch­Komm-BGB/­Wa­genitz 6. Aufl. § 2 VBVG Rn. 2; Münch­Komm-BGB/­Frösch­le 6. Aufl. § 9 VBVG Rn. 8; Knit­tel Betreu­ungs­recht Stand 1.09.2012 § 2 VBVG Rn. 17 ff.; Jurgeleit/​Maier Betreu­ungs­recht 2. Aufl. § 2 VBVG Rn. 2; Deinert/​Lütgens Die Ver­gü­tung des Betreu­ers 6. Aufl. Rn. 1724 ff.; Damrau/​Zimmermann Betreu­ungs­recht 4. Aufl. § 9 VBVG Rn. 5; Palandt/​Götz BGB 72. Aufl. § 2 VBVG Rn. 7; offen gelas­sen im BGH, Beschluss vom 28.05.2008 XII ZB 53/​08 FamRZ 2008, 1611 Rn. 32; aA OLG Frank­furt FamRZ 2008, 304; Jürgens/​Jürgens Betreu­ungs­recht 4. Aufl. § 2 VBVG Rn. 1[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 28.05.2008 – XII ZB 53/​08 FamRZ 2008, 1611 Rn. 29; und vom 25.01.2012 – XII ZB 461/​11 FamRZ 2012, 627 Rn. 15[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 28.05.2008 – XII ZB 53/​08, FamRZ 2008, 1611 Rn. 30[]
  4. BT-Drucks. 13/​7158 S. 23, 27[]
  5. für die Ver­jäh­rung: BGHZ 55, 340 = WM 1971, 385; 73, 363 = NJW 1979, 1550; 79, 176 = NJW 1981, 814; BGH, Beschluss vom 25.01.2012 XII ZB 461/​11 FamRZ 2012, 627 Rn. 14 ff.[]
  6. BT-Drucks. 15/​2494 S. 31[]