Die eine Betreu­ung ableh­nen­de Beschwer­de­ent­schei­dung

Gegen eine die Ein­rich­tung einer Betreu­ung ableh­nen­de Beschwer­de­ent­schei­dung ist gemäß § 70 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FamFG die zulas­sungs­freie Rechts­be­schwer­de statt­haft.

Die eine Betreu­ung ableh­nen­de Beschwer­de­ent­schei­dung

Die Rechts­be­schwer­de der Betrof­fe­nen ist gemäß § 70 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FamFG auch ohne Zulas­sung durch das Beschwer­de­ge­richt statt­haft, obwohl vor­lie­gend die Ein­rich­tung einer Betreu­ung abge­lehnt wor­den ist 1. Der Gesetz­ge­ber woll­te zwar mit der Rege­lung des § 70 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FamFG eine wei­te­re Über­prü­fungs­in­stanz ohne Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen für die Fäl­le zur Ver­fü­gung stel­len, bei denen in höchst­per­sön­li­che Rech­te der Betei­lig­ten ein­ge­grif­fen wird 2.

Die Vor­schrift, die für alle von § 271 Nr. 1 und 2 FamFG erfass­ten Ver­fah­ren gilt 3 und neben Betreu­ungs­sa­chen zur Bestel­lung eines Betreu­ers auch sol­che zur Auf­he­bung einer Betreu­ung nennt, ord­net die zulas­sungs­freie Statt­haf­tig­keit der Rechts­be­schwer­de aber gleich­wohl unab­hän­gig davon an, ob nach der Beschwer­de­ent­schei­dung eine Betreu­ung besteht. Dies belegt auch der Umkehr­schluss aus § 70 Abs. 3 Satz 2 FamFG, der nur für Unter­brin­gungs- und Frei­heits­ent­zie­hungs­sa­chen die Statt­haf­tig­keit davon abhän­gig macht, dass eine (posi­ti­ve) Anord­nung erfolgt ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Janu­ar 2014 – XII ZB 519/​13

  1. vgl. Münch­Komm-FamFG/­Fi­scher 2. Aufl. § 70 Rn. 30; Joa­chim in Bah­ren­fuss FamFG 2. Aufl. § 70 Rn. 11; Bork/​Jacoby/​Schwab/​Müther FamFG 2. Aufl. § 70 Rn. 25.1[]
  2. vgl. BT-Drs. 16/​9733 S. 290[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 18.05.2011 – XII ZB 671/​10 Fam­RZ 2011, 1143 Rn. 7 f.; und vom 29.06.2011 – XII ZB 65/​11 Fam­RZ 2011, 1393 Rn. 6 f.[]
  4. BVerfG, NJW 2014, 3504 f.[]