Die unter­blie­be­ne Beschwer­de­zu­las­sung in Familiensachen

Hat das erst­in­stanz­li­che Gericht kei­ne Ver­an­las­sung gese­hen, nach § 61 Abs. 2 und 3 FamFG eine Ent­schei­dung über die Zulas­sung der Beschwer­de zu tref­fen, weil es von einer Beschwer über 600 € aus­ge­gan­gen ist, und hat das OLG Frank­furt die­se Ent­schei­dung nicht nach­ge­holt, obwohl es von einer gerin­ge­ren Beschwer aus­ge­gan­gen ist, kann das Rechts­be­schwer­de­ge­richt im Rah­men der Erheb­lich­keit die­ses Ver­fah­rens­feh­lers prü­fen, ob eine Zulas­sung der Beschwer­de gebo­ten gewe­sen wäre1.

Die unter­blie­be­ne Beschwer­de­zu­las­sung in Familiensachen

Inso­weit führ­te im dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall auch der Umstand, dass das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main eine nach­träg­li­che Zulas­sung der Beschwer­de gemäß § 61 Abs. 2 FamFG nicht in Betracht gezo­gen hat2, zu kei­nem Zulas­sungs­grund nach §§ 117 Abs. 1 Satz 4 FamFG, 574 Abs. 2 ZPO:

Im Aus­gangs­punkt zutref­fend ist aller­dings, dass nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs das OLG Frank­furt eine Ent­schei­dung über die Zulas­sung der Beschwer­de nach­ho­len muss, wenn das erst­in­stanz­li­che Gericht zu einer sol­chen Ent­schei­dung kei­ne Ver­an­las­sung gese­hen hat, weil es erkenn­bar davon aus­ge­gan­gen ist, dass die Beschwer des unter­le­ge­nen Betei­lig­ten 600 € über­steigt, wäh­rend das OLG Frank­furt eine aus­rei­chen­de Beschwer nicht für erreicht hält3.

Zurei­chen­de Anhalts­punk­te für ihre Annah­me, das Amts­ge­richt sei von einer die Wert­gren­ze von 600 € über­stei­gen­den Beschwer des Antrag­stel­lers aus­ge­gan­gen, sah der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall jedoch nicht. Ohne Erfolg blieb inso­weit auch die Rüge, dass das Amts­ge­richt den Ver­fah­rens­wert ledig­lich für die Ehe­schei­dung, nicht aber für die Zuge­winn­aus­gleichs­sa­che fest­ge­setzt hat. Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, lässt selbst die vor­läu­fi­ge Fest­set­zung eines Ver­fah­rens­werts von über 600 € für einen Stu­fen­an­trag in ver­mö­gens­recht­li­chen Fami­li­en­streit­sa­chen für sich genom­men noch nicht dar­auf schlie­ßen, dass das Amts­ge­richt auch von einer ent­spre­chend hohen Beschwer des Aus­kunfts­ver­pflich­te­ten aus­ge­gan­gen ist4. Danach lässt der blo­ße Umstand, dass eine vor­läu­fi­ge Wert­fest­set­zung ganz unter­blie­ben ist, erst recht nicht auf eine vom Amts­ge­richt ange­nom­me­ne Beschwer schließen.

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Hin­zu kommt, dass im hier ent­schie­de­nen Fall eine Zulas­sung der Beschwer­de auf der Grund­la­ge des Vor­brin­gens der Rechts­be­schwer­de ohne­hin nicht in Betracht gekom­men wäre. Die Erheb­lich­keit der feh­len­den Zulas­sungs­ent­schei­dung durch die Instanz­ge­rich­te kann der Bun­des­ge­richts­hof im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren selbst prü­fen5. Ein Grund für die Zulas­sung der Beschwer­de ist hier weder vor­ge­tra­gen noch sonst ersichtlich.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2020 – XII ZB 26/​20

  1. im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 09.04.2014 – XII ZB 565/​13 , FamRZ 2014, 1100; und vom 23.09.2020 – XII ZB 490/​18 – MDR 2020, 1461[]
  2. OLG Frank­furt am Main, Beschluss vom 30.12.2019 – 3 UF 213/​19[]
  3. vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 23.09.2020 – XII ZB 490/​18 – MDR 2020, 1461 Rn. 17; und vom 02.07.2014 – XII ZB 219/​13 , FamRZ 2014, 1445 Rn. 10 mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 02.07.2014 – XII ZB 219/​13 , FamRZ 2014, 1445 Rn. 12 mwN; und vom 16.11.2016 – XII ZB 550/​15 , FamRZ 2017, 227 Rn.19[]
  5. vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 09.04.2014 – XII ZB 565/​13 , FamRZ 2014, 1100 Rn. 23 mwN; und vom 23.09.2020 – XII ZB 490/​18 – MDR 2020, 1461 Rn.19[]

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