Eine Hün­din namens Bab­si – Zuwei­sung und Her­aus­ga­be eines Hun­des wäh­rend des Getrennt­le­bens

Bei den Bil­lig­keits­er­wä­gun­gen im Sin­ne des § 1361 a Abs. 2 BGB dürf­te es sich weni­ger um sol­che han­deln, die das Wohl des Hun­des betref­fen, als viel­mehr um sol­che, die eine sinn­vol­le Teil­ha­be der getrennt­le­ben­den Ehe­leu­te an den zur Dis­po­si­ti­on ste­hen­den "Haus­halts­ge­gen­stän­den" und damit auch Tie­ren ermög­li­chen.

Eine Hün­din namens Bab­si – Zuwei­sung und Her­aus­ga­be eines Hun­des wäh­rend des Getrennt­le­bens

Auf Tie­re sind gemäß § 90 a Satz 3 BGB die für Sachen gel­ten­den Vor­schrif­ten anzu­wen­den. Somit rich­tet sich die Zuwei­sung eines Hun­des nach den Regeln des § 1361a BGB über die Haus­rats­ver­tei­lung bei Getrennt­le­ben. Haus­halts­ge­gen­stän­de sind alle Gegen­stän­de, die nach den Ver­mö­gens- und Lebens­ver­hält­nis­sen der Ehe­gat­ten für die Wohn- und Haus­wirt­schaft oder sonst für ihr Zusam­men­le­ben bestimmt sind, so dass für Haus­tie­re eine sinn­ge­mä­ße Anwen­dung des § 1361a BGB ange­zeigt sein kann 1.

Je nach den Eigen­tums­ver­hält­nis­sen rich­tet sich die Zuwei­sung – der vier­jäh­ri­gen Mal­te­s­er­hün­ding Bab­si – nach § 1361a Abs. 1 BGB bzw. 1361 Abs. 2 BGB.

Kann kei­ner der Ehe­leu­te ein Allein­ei­gen­tum an Bab­si bewei­sen, so gilt die Hün­din für die Haus­rats­ver­tei­lung als gemein­sa­mes Eigen­tum der Ehe­gat­ten 2.

Hier kann nicht vom Allein­ei­gen­tum der Antrag­stel­le­rin an der Mal­te­s­er­hün­din aus­ge­gan­gen wer­den. Viel­mehr konn­te sie ihr Allein­ei­gen­tum gera­de nicht bewei­sen. Dazu wür­de nicht ein­mal ein durch die Antrag­stel­le­rin erfolg­ter Abschluss des Kauf­ver­tra­ges rei­chen 3 und zwar auch nicht unter Berück­sich­ti­gung der offen­sicht­lich unstrei­ti­gen Tat­sa­che, dass die Antrag­stel­le­rin die Hun­de­steu­er der Hün­din trägt und sowohl deren Heim­tier- als auch Impf­aus­weis auf sie läuft. Hin­sicht­lich der Tier­arzt­kos­ten hat die Antrag­stel­le­rin die­se offen­sicht­lich in der Ver­gan­gen­heit über­wie­gend getra­gen, jedoch die wäh­rend des Besit­zes des Antrags­geg­ners auf­grund der unge­woll­ten Schwan­ger­schaft ein­ge­tre­te­nen Tier­arzt­for­de­run­gen hat offen­sicht­lich der Antrags­geg­ner begli­chen.

Im vor­lie­gen­den Fall beruh­te nach dem bei­der­sei­ti­gen Vor­trag die Anschaf­fung der Hün­din auf einer gemein­sa­men Ent­schei­dung, auch die Aus­wahl der­sel­ben und die Betreu­ung und Für­sor­ge für den Hund wur­de wäh­rend des Zusam­men­le­bens von bei­den über­nom­men. Dafür spricht auch, dass Bab­si nach über einem Jahr "Kon­takt­sper­re" in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 21.01.2014 die Antrag­stel­le­rin offen­sicht­lich sofort wie­der als bekann­tes "Frau­chen" iden­ti­fi­zier­te.

Eine Allein­ei­gen­tü­merstel­lung der Antrag­stel­le­rin konn­te somit nicht nach­ge­wie­sen wer­den, zumal für die Eigen­tums­ver­hält­nis­se die Ver­mu­tung gemäß § 1568b Abs. 2 BGB ana­log 4gilt, so dass die Zuwei­sung von Bab­si allein auf § 1361a Abs. 2 BGB gestützt wer­den kann.

Maß­geb­lich für die Zuwei­sung der Hün­din waren somit allein Grund­sät­ze der Bil­lig­keit, wobei gemäß § 1361a Abs. 4 BGB eine Ver­än­de­rung der Eigen­tums­ver­hält­nis­se oder Über­eig­nung gera­de nicht statt­fin­det.

Bei der Bewer­tung der Bil­lig­keit war die neue Tat­sa­che im Sin­ne des § 65 Abs. 3 FamFG, dass die Schwan­ger­schaft für Bab­si – abge­se­hen von der Total­ope­ra­ti­on – fol­gen­los war, zu berück­sich­ti­gen und fiel damit im Gegen­satz zur erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung nicht mehr zu Las­ten des Antrags­geg­ners ins Gewicht.

Dem­ge­gen­über wird die Bil­lig­keits­prü­fung domi­niert von der Tat­sa­che, dass der Antrag­stel­le­rin der Antrag­stel­le­rin den gemein­sa­men Hund seit rund 1 1/​2 Jah­ren vor­ent­hal­ten hat und sie offen­sicht­lich trotz Mit­ei­gen­tums über wesent­li­che, den Hund betref­fen­de Din­ge, wie die Schwan­ger­schaft und deren Fol­gen nur über das Gerichts­ver­fah­ren infor­miert wird.

Für eine man­geln­de "Bin­dungs­to­le­ranz" des Antrags­geg­ners spricht auch, dass er sich dem von der Fami­li­en­rich­te­rin nach­voll­zieh­bar vor­ge­schla­ge­nen wöchent­li­chen Wech­sel­mo­dell gegen­über und auch jeg­li­chen Vor­schlä­gen, die eine aus­ge­wo­ge­ne Teil­ha­be der Betei­lig­ten am Hund beinhal­ten, ver­schließt. Soweit er sich mit der Beschwer­de­be­grün­dung dar­auf beruft, dass er der Antrag­stel­le­rin einen gemein­sa­men Spa­zier­gang mit der Hün­din und meh­re­re gemein­sa­me Tref­fen in einem Café ermög­lich­te, so zeigt dies gera­de, dass er offen­sicht­lich unter kei­nen Umstän­den möch­te, dass die Antrag­stel­le­rin mit dem Hund auch Zeit allei­ne ver­bringt.

Bei den Bil­lig­keits­er­wä­gun­gen im Sin­ne des § 1361a Abs. 2 BGB dürf­te sich es sich auch weni­ger um sol­che han­deln, die das Wohl des Hun­des betref­fen, als viel­mehr um sol­che, die eine sinn­vol­le Teil­ha­be der getrennt­le­ben­den Ehe­leu­te an den zur Dis­po­si­ti­on ste­hen­den "Haus­halts­ge­gen­stän­den" und damit auch Tie­ren ermög­li­chen. Dabei hat der Antrags­geg­ner durch sein Ver­hal­ten in der Ver­gan­gen­heit und das Vor­ent­hal­ten der Hün­din bei der Tren­nung jedoch gezeigt, dass er an einer aus­ge­wo­ge­nen Teil­ha­be an dem im Mit­ei­gen­tum ste­hen­den Hund unter Berück­sich­ti­gung der Bedürf­nis­se sowohl des Hun­des als auch bei­der Ehe­leu­te nicht inter­es­siert ist. Dem­ge­gen­über geht der Beschwer­de­se­nat wie auch das Fami­li­en­ge­richt davon aus, dass die Antrag­stel­le­rin, der die gemein­sa­me Hün­din mitt­ler­wei­le rund 1 1/​2 Jah­re vor­ent­hal­ten wur­de, das Mit­ei­gen­tum ihres Ehe­man­nes an Bab­si respek­tie­ren wird.

Kei­ne Zwei­fel bestehen dar­an, dass vor­lie­gend bei­de Ehe­leu­te durch­aus geeig­net sind, die Betreu­ung einer Mal­te­s­er­hün­din zu über­neh­men, der Antrags­geg­ner auf­grund sei­ner bereits früh­kind­li­chen Sozia­li­sa­ti­on mit Hun­den und die Antrag­stel­le­rin auf­grund ent­spre­chen­der Lite­ra­tur­re­cher­che und Wei­ter­bil­dung.

Auf­grund des nicht bil­li­gens­wer­ten Ver­hal­tens des Antrags­geg­ners in der Ver­gan­gen­heit ent­spricht jedoch nur eine Zuwei­sung der Hün­din an die Antrag­stel­le­rin den Grund­sät­zen der Bil­lig­keit.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 7. April 2014 – 18 UF 62/​14

  1. OLG Zwei­brü­cken Fam­RZ 1998, 1432; OLG Bam­berg Fam­RZ 2004, 559; Palandt-Bru­der­mül­ler, BGB, 73. Aufl., § 1361 a RZ 10[]
  2. OLG Schles­wig Fam­RZ 2013, 1984 zu § 1568b Abs. 1 BGB[]
  3. vgl. OLG Schles­wig a.a.O.[]
  4. vgl. Palandt-Bru­der­mül­ler a.a.O. RZ 16[]