Eltern­un­ter­halt – Taschen­geld­an­spruch und Taschen­geld­selbst­be­halt

Es ist für den Bun­des­ge­richts­hof nicht zu bean­stan­den, wenn der Tatrich­ter für die Berech­nung der Höhe des – auch für den Eltern­un­ter­halt ein­zu­set­zen­den – Taschen­geld­an­spruchs im Regel­fall eine Quo­te von 5 % des berei­nig­ten Fami­li­en­ein­kom­mens zugrun­de legt.

Eltern­un­ter­halt – Taschen­geld­an­spruch und Taschen­geld­selbst­be­halt

Eben­so wenig ist es für den Bun­des­ge­richts­hof zu bean­stan­den, wenn der Tatrich­ter beim Eltern­un­ter­halt als Taschen­geld­selbst­be­halt im Regel­fall einen Anteil in Höhe von eben­falls 5 % vom Fami­li­en­selbst­be­halt ansetzt und dem Unter­halts­pflich­ti­gen zusätz­lich die Hälf­te des dar­über hin­aus­ge­hen­den Taschen­gel­des belässt 1.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in sei­nem Urteil vom 12.12 2012 2, mit dem er die dem jetzt ange­grif­fe­nen Urteil vor­aus­ge­gan­ge­ne Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Braun­schweig auf­ge­ho­ben hat, aus­ge­führt, dass in den Fäl­len, in denen der Unter­halts­pflich­ti­ge nicht über eige­ne bare Mit­tel ver­fügt, allein der Taschen­geld­an­spruch für die Unter­halts­leis­tung zu ver­wen­den ist. Das Taschen­geld eines Ehe­gat­ten ist grund­sätz­lich unter­halts­pflich­ti­ges Ein­kom­men und des­halb für Unter­halts­zwe­cke ein­zu­set­zen, soweit der jeweils zu beach­ten­de Selbst­be­halt des Unter­halts­pflich­ti­gen gewahrt bleibt. Das gilt auch bei Inan­spruch­nah­me auf Eltern­un­ter­halt 3. Das Taschen­geld rich­tet sich als Teil des Fami­li­en­un­ter­halts hin­sicht­lich sei­ner Höhe nach dem berei­nig­ten Gesamt­net­to­ein­kom­men bei­der Ehe­gat­ten 4. Das dem Unter­halts­pflich­ti­gen zuste­hen­de Taschen­geld braucht jedoch nicht voll­stän­dig für den Eltern­un­ter­halt ein­ge­setzt zu wer­den 5.

Zutref­fend weist das Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig dar­auf hin 6, dass die wei­te­ren Aus­füh­run­gen in dem vor­ge­nann­ten BGH, Urteil, wonach sich der geschütz­te Anteil des Taschen­gel­des auf einen Betrag von 5 bis 7 % des (sei­ner­zeit gel­ten­den) Selbst­be­hal­tes von 1.400 € beläuft, auf einem offen­sicht­li­chen Ver­se­hen beru­hen 7. Wie der Bun­des­ge­richts­hof im Nach­gang zu dem BGH, Urteil klar­stel­lend ent­schie­den hat, muss dem unter­halts­pflich­ti­gen Ehe­gat­ten ein Betrag in Höhe von 5 bis 7 % des Fami­li­en­selbst­be­halts ver­blei­ben; zudem ist ihm ein wei­te­rer Teil in Höhe der Hälf­te des dar­über hin­aus­ge­hen­den Taschen­gelds zu belas­sen 8.

Das Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig hat im vor­lie­gen­den Fall hat die Höhe des Taschen­gelds ermit­telt, indem es eine Quo­te von 5 % des der Fami­lie zur Ver­fü­gung ste­hen­den Net­to­ein­kom­mens zugrun­de gelegt hat. Unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass das Beru­fungs­ge­richt im Ein­zel­nen begrün­det hat, war­um es bei der Berech­nung des Taschen­gel­des eine Quo­te von genau 5 % zugrun­de gelegt hat, bestehen auch sonst kei­ne Beden­ken dage­gen, wenn der Tatrich­ter im Regel­fall von einer Quo­te von 5 % aus­geht. Dies ent­spricht vor allem den Belan­gen der Pra­xis nach einer ein­heit­li­chen Berech­nungs­wei­se und damit auch dem Bedürf­nis nach Rechts­si­cher­heit.

Dabei ist es kon­se­quent, wenn das Ober­lan­des­ge­richt den­sel­ben Pro­zent­satz, näm­lich 5 %, bei der Bil­dung des Selbst­be­hal­tes ange­setzt hat. Auch inso­fern erscheint es aus Rechts­grün­den unbe­denk­lich, wenn der Tatrich­ter im Regel­fall von einem Pro­zent­satz von 5 % des Fami­li­en­selbst­be­halts aus­geht.

Eben­so wenig ist es zu bean­stan­den, dass das Beru­fungs­ge­richt den Fami­li­en­selbst­be­halt durch die Addi­ti­on der indi­vi­du­el­len Selbst­be­hal­te ermit­telt und von der Sum­me im Hin­blick auf den Syn­er­gie­ef­fekt 10 % abge­zo­gen hat 9.

Schließ­lich hat das Ober­lan­des­ge­richt – dem Rechen­weg des Bun­des­ge­richts­hofs fol­gend – von dem ober­halb des Selbst­be­halts lie­gen­den Taschen­geld die Hälf­te für den gel­tend gemach­ten Unter­halts­an­spruch her­an­ge­zo­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. Okto­ber 2014 – XII ZR 133/​13

  1. im Anschluss an BGH, Urteil BGHZ 196, 21 = Fam­RZ 2013, 363 und BGH, Beschluss vom 05.02.2014 – XII ZB 25/​13 , Fam­RZ 2014, 538[]
  2. BGH, Urteil vom 12.12.2012, BGHZ 196, 21 = Fam­RZ 2013, 363[]
  3. BGH, Urteil in BGHZ 196, 21 = Fam­RZ 2013, 363 Rn. 27 mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil in BGHZ 196, 21 = Fam­RZ 2013, 363 Rn. 26[]
  5. BGH, Urteil in BGHZ 196, 21 = Fam­RZ 2013, 363 Rn. 49[]
  6. OLG Braun­schweig, Urteil vom 16.07.2013 – 2 UF 161/​09[]
  7. vgl. Dose Fam­RZ 2013, 993, 1000[]
  8. BGH, Beschluss vom 05.02.2014 – XII ZB 25/​13 , Fam­RZ 2014, 538 Rn.20[]
  9. vgl. dazu auch BGH, Beschluss vom 05.02.2014 – XII ZB 25/​13 , Fam­RZ 2014, 538 Rn. 38[]
  10. BGH, Urteil vom 12.12.2012 – XII ZR 43/​11[]