Gerichts­kos­ten bei der Vater­schafts­fest­stel­lung

Es ent­spricht in der Regel nicht bil­li­gem Ermes­sen, im Fal­le einer erfolg­rei­chen Vater­schafts­fest­stel­lung der betei­lig­ten Mut­ter Gerichts­kos­ten auf­zu­er­le­gen.

Gerichts­kos­ten bei der Vater­schafts­fest­stel­lung

In Ver­fah­ren auf Fest­stel­lung der Vater­schaft nach § 1600 d BGB gel­ten die all­ge­mei­nen Kos­ten­be­stim­mun­gen nach §§ 80 ff FamFG 1. Nach § 81 Abs. 1 S. 1 FamFG kann das Gericht die Kos­ten des Ver­fah­rens nach bil­li­gem Ermes­sen den Betei­lig­ten ganz oder zum Teil auf­er­le­gen. Kos­ten des Ver­fah­rens sind nach § 80 FamFG die Gerichts­kos­ten (Gebüh­ren und Aus­la­gen) und die zur Durch­füh­rung des Ver­fah­rens ent­stan­de­nen not­wen­di­gen Aus­la­gen der Betei­lig­ten.

Betei­lig­ter im Sin­ne des § 81 FamFG kann nur sein, wer nach § 7 FamFG for­mell am Ver­fah­ren betei­ligt ist 2. Dies trifft im vor­lie­gen­den Fall gemäß § 172 Abs. 1 FamFG nur auf die Betei­lig­ten Ziff. 1 (Kind) und 2 (Mut­ter) zu, wobei strei­tig ist, ob nach § 81 Abs. 3 FamFG dem Kind auch in Abstam­mungs­ver­fah­ren kei­ne Kos­ten auf­er­legt wer­den dür­fen 3. Wes­sen Recht dage­gen durch das Ver­fah­ren nur mate­ri­ell betrof­fen sein kann (§ 7 Abs. 2 Nr. 1 FamFG), dem kön­nen grund­sätz­lich kei­ne Ver­fah­rens­kos­ten auf­er­legt wer­den, wenn er sich nicht selbst am Ver­fah­ren betei­ligt hat oder vom Gericht nicht als Betei­lig­ter hin­zu­ge­zo­gen wor­den ist 4. Hier­nach kommt eine Kos­ten­be­las­tung der Betei­lig­ten Ziff. 3 und 4 nicht in Betracht. Bei­de Beschwer­de­füh­rer wur­den vom Fami­li­en­ge­richt nicht als for­mell Betei­lig­te behan­delt; sie wur­den ledig­lich durch den vom Gericht mit der Erstel­lung eines Gut­ach­tens beauf­trag­ten Sach­ver­stän­di­gen zur Ent­nah­me von Blut­pro­ben im Rah­men der Fest­stel­lung der Abstam­mung (nach § 178 FamFG) her­an­ge­zo­gen. Wäh­rend der Bru­der des Ver­stor­be­nen sei­ne Mit­wir­kung an einer Abstam­mungs­fest­stel­lung abge­lehnt hat, hat sich die Mut­ter des Ver­stor­be­nen bereit erklärt, beim Gesund­heits­amt ihres Wohn­orts eine Blut­ab­nah­me vor­neh­men zu las­sen, ohne eine ver­fah­rens­recht­li­che Stel­lung ein­zu­neh­men.

Ist der Vater – wie vor­lie­gend – bereits ver­stor­ben, so waren im sog. post­mor­ta­len Abstam­mungs­ver­fah­ren nach § 55 b FGG (in Kraft bis ein­schließ­lich 31.08.2009) anstel­le des ver­stor­be­nen Vaters wei­te­re Per­so­nen (soweit vor­han­den) anzu­hö­ren bzw. am Ver­fah­ren zu betei­li­gen, näm­lich des­sen Ehe­frau, Lebens­part­ner, Eltern und Kin­der. Ob dar­über hin­aus wei­te­re Per­so­nen im Ver­fah­ren anzu­hö­ren oder zu betei­li­gen sind, hat der Bun­des­ge­richts­hof in sei­ner Ent­schei­dung vom 27.04.2005 5 zur Beschwer­de­be­rech­ti­gung nach § 55 b Abs. 3 FGG aus­drück­lich offen gelas­sen. In dem zum 01.09.2009 in Kraft getre­te­nen Gesetz über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit fehlt es inso­weit an einer spe­zi­el­len Rege­lung. Nach § 7 Abs. 2 Nr. 1 FamFG wird man jedoch wei­ter­hin die oben genann­ten Per­so­nen, deren Recht durch das Ver­fah­ren unmit­tel­bar betrof­fen sein kann, hin­zu­zie­hen 6.

Selbst wenn hier­nach zumin­dest die Mut­ter des Ver­stor­be­nen als Betei­lig­te im Sin­ne des § 81 FamFG anzu­se­hen sein soll­te, wäre ihre Belas­tung mit den Kos­ten des Ver­fah­rens unbil­lig. Zwar mag es auch in ihrem Inter­es­se sein, dass die väter­li­che Abstam­mung des Kin­des geklärt wird. Die­ser Gesichts­punkt ist jedoch für sich allein nicht aus­rei­chend, sie mit den durch das Ver­fah­ren ent­stan­de­nen Kos­ten zu belas­ten. Eine ande­re Beur­tei­lung könn­te sich nur dann erge­ben, wenn die Beschwer­de­füh­re­rin (Mit-) Erbin nach dem ver­stor­be­nen Vater des Betei­lig­ten Ziff. 1 gewor­den wäre und aus der Erb­mas­se die Kos­ten des Ver­fah­rens ohne wei­te­res erstat­tet wer­den könn­ten. Dies trifft jedoch nicht zu. Der Nach­lass des ver­stor­be­nen Vaters des Betei­lig­ten Ziff. 1 war, wie die vor­ge­leg­ten Unter­la­gen des Bezirks­ge­richts Vil­lach bele­gen, über­schul­det, im Übri­gen war auf­grund einer letzt­wil­li­gen Anord­nung des Ver­stor­be­nen eine ande­re Per­son als die Beschwer­de­füh­re­rin tes­ta­men­ta­ri­sche Erbin, die im Übri­gen im Hin­blick auf die Über­schul­dung des Nach­las­ses kei­ne Erb­an­tritts­er­klä­rung abge­ge­ben hat.

Auf die Beschwer­den war die vom Fami­li­en­ge­richt aus­ge­spro­che­ne Belas­tung der Beschwer­de­füh­rer mit den Ver­fah­rens­kos­ten auf­zu­he­ben. Aller­dings fin­det kei­ne Erstat­tung der den Beschwer­de­füh­rern ent­stan­de­nen Aus­la­gen statt, son­dern die­se sind von ihnen selbst zu tra­gen.

Nach dem Weg­fall der Kos­ten­tra­gungs­pflicht der Beschwer­de­füh­rer ist auch die vom Fami­li­en­ge­richt getrof­fe­ne Kos­ten­be­las­tung der Mut­ter, die hier­nach allein die gesam­ten Gerichts­kos­ten des Ver­fah­rens zu tra­gen hät­te, von Amts wegen zu ändern; eine Bin­dung besteht inso­weit nicht 7. Die Regel­bei­spie­le des § 81 Abs. 2 FamFG, bei deren Vor­lie­gen es der Bil­lig­keit ent­spricht, einem Betei­lig­ten die Kos­ten des Ver­fah­rens ganz oder teil­wei­se auf­zu­er­le­gen, lie­gen in der Per­son der Mut­ter nicht vor. Nach dem Tod des Vaters des Kin­des stand der Mut­ter kei­ne ande­re Mög­lich­keit zur Ver­fü­gung, als im Wege des post­mor­ta­len Abstam­mungs­ver­fah­rens nach §§ 169 ff. FamFG die Vater­schaft des Kin­des zu klä­ren. Da sie hier­mit in ers­ter Linie das Inter­es­se ihres Kin­des an der Kennt­nis sei­ner Abstam­mung wahr­ge­nom­men hat, ent­spricht es nicht bil­li­gem Ermes­sen, ihr die Ver­fah­rens­kos­ten auf­zu­er­le­gen; gemäß § 81 Abs. 1 Satz 2 FamFG ist daher ihr gegen­über von der Erhe­bung der Kos­ten abzu­se­hen 8.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 1. März 2011 – 11 UF 286/​10

  1. Schul­te-Bun­er­t/Wein­reich/Kes­ke, § 183 FamFG, Rn. 2[]
  2. KG Fam­RZ 1968, 472 zu § 13 a FGG; Fes­korn in Prüt­ting /​Helms, § 81 FamFG Rn. 3[]
  3. vgl. Rechts­gut­ach­ten des DIJuF vom 01.04.2010, JAmt 2010, 284[]
  4. Keidel/​Zimmermann, 16. Aufl., § 81 FamFG, Rn. 30[]
  5. BGH Fam­RZ 2005, 1067[]
  6. Stö­ßer in Prüt­ting /​Helms, § 172 FamFG Rn. 11; Schul­te-Bun­er­t/Wein­reich/­Schwon­berg, § 172 FamFG, Rn. 27; Löh­nig, Fam­RZ 2009, 1798[]
  7. BGH MDR 1981, 928[]
  8. inso­weit über­ein­stim­mend Fin­ke, Die Kos­ten­ent­schei­dung in Fami­li­en­sa­chen nach dem FamFG im Über­blick, FPR 2010, 331, 333; Anmer­kung Knit­tel zu einer Ent­schei­dung des OLG Düs­sel­dorf vom 11.10.2010, Jugend­amt 2010, 497, 499[]