Nach­ehe­li­cher Unter­halt und die fik­ti­ve Erwerbs­un­fä­hig­keits­ren­te

Gibt der aus dem Aus­land stam­men­de Unter­halts­be­rech­tig­te ehe­be­dingt sei­ne Erwerbs­tä­tig­keit auf und wird er spä­ter erwerbs­un­fä­hig, so ist die fik­ti­ve Ren­te wegen Erwerbs­un­fä­hig­keit nach Rück­kehr in sein Hei­mat­land so zu bemes­sen, als hät­te er dort bis zum Ein­tritt der Erwerbs­un­fä­hig­keit durch­ge­hend gear­bei­tet und einen ent­spre­chen­den Ren­ten­an­spruch erwor­ben 1.

Nach­ehe­li­cher Unter­halt und die fik­ti­ve Erwerbs­un­fä­hig­keits­ren­te

Gemäß § 1578 b BGB ist auf die tat­säch­li­che Gestal­tung von Kin­der­be­treu­ung und Haus­halts­füh­rung abzu­stel­len. Bei den dort auf­ge­führ­ten Kri­te­ri­en han­delt es sich um objek­ti­ve Umstän­de, denen kein Unwert­ur­teil und kei­ne sub­jek­ti­ve Vor­werf­bar­keit anhaf­ten, wes­halb im Rah­men der Abwä­gung nach § 1578 b BGB nicht etwa eine Auf­ar­bei­tung ehe­li­chen Fehl­ver­hal­tens statt­fin­det. Daher kann der unter­halts­pflich­ti­ge Ehe­gat­te nicht ein­wen­den, dass er den Unter­halts­be­rech­tig­ten wäh­rend der Ehe zur Berufs­tä­tig­keit ange­hal­ten habe 2.

Bei fort­be­stehen­den ehe­be­ding­ten Nach­tei­len ist eine Befris­tung des nach­ehe­li­chen Unter­halts regel­mä­ßig nicht aus­zu­spre­chen. Eine Befris­tung kommt dann nur unter außer­ge­wöhn­li­chen Umstän­den in Betracht 3.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs besteht der Maß­stab des ange­mes­se­nen Lebens­be­darfs, der nach § 1578 b BGB regel­mä­ßig die Gren­ze für die Her­ab­set­zung des nach­ehe­li­chen Unter­halts bil­det, in dem Ein­kom­men, das der unter­halts­be­rech­tig­te Ehe­gat­te ohne die Ehe und Kin­der­er­zie­hung aus eige­nen Ein­künf­ten zur Ver­fü­gung hät­te 4. Maß­geb­lich ist danach die (fik­ti­ve) Inva­li­den­ren­te, die die Antrags­geg­ne­rin bei fort­dau­ern­der Beschäf­ti­gung in der Schweiz erzie­len wür­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Juni 2013 – XII ZR 133/​11

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 16.01.2013 – XII ZR 39/​10, Fam­RZ 2013, 534 Rn. 24[]
  2. BGH, Urtei­le vom 16.02.2011 – XII ZR 108/​09, Fam­RZ 2011, 628 Rn.20; und vom 20.10.2010 – XII ZR 53/​09, Fam­RZ 2010, 2059 Rn. 27[]
  3. BGH, Urteil vom 16.02.2011 – XII ZR 108/​09, Fam­RZ 2011, 628 Rn. 24[]
  4. s. etwa BGH, Urteil vom 04.08.2010 – XII ZR 7/​09, Fam­RZ 2010, 1633 Rn. 32[]