Stun­den­satz eines Berufs­vor­munds

Zur Höhe des dem Berufs­vor­mund gemäß § 3 Abs. 1 VBVG zu erstat­ten­den Stun­den­sat­zes hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof Stel­lung genom­men:

Stun­den­satz eines Berufs­vor­munds

Die Ver­gü­tung des Berufs­vor­munds erfolgt gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 VBVG nach Zeit­auf­wand zu einem Min­dest­stun­den­satz von 19,50 €. Der Stun­den­satz erhöht sich auf 25 €, wenn der Vor­mund über beson­de­re für die Vor­mund­schaft nutz­ba­re Kennt­nis­se ver­fügt, die er durch eine abge­schlos­se­ne Leh­re oder eine ver­gleich­ba­re abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung erwor­ben hat (§ 3 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 VBVG) und auf 33,50 €, wenn er sol­che Kennt­nis­se durch eine abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung an einer Hoch­schu­le oder eine ver­gleich­ba­re abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung erwor­ben hat (§ 3 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG).

Die Höhe der Ver­gü­tung des Berufs­vor­munds ist daher nicht allein davon abhän­gig, ob er über beson­de­re für die Vor­mund­schaft nutz­ba­re Kennt­nis­se ver­fügt. Sei­ne Qua­li­fi­ka­ti­on wird im Inter­es­se pro­blem­lo­ser Hand­hab­bar­keit auch von der Art sei­ner Aus­bil­dung abhän­gig gemacht [1].

Abge­schlos­sen ist eine Aus­bil­dung mit der erfolg­rei­chen Able­gung der hier­für vor einer staat­li­chen oder staat­lich aner­kann­ten Stel­le vor­ge­se­he­nen Prü­fung [2].

Auch dar­aus, dass in Ber­lin und den ande­ren Bun­des­län­dern eine Prü­fung zur Nach­qua­li­fi­zie­rung gemäß § 11 VBVG inzwi­schen nicht mehr ange­bo­ten wird, ergibt sich kein Anspruch des Berufs­vor­munds auf einen höhe­ren Stun­den­satz. Die Lan­des­ge­setz­ge­ber sind nicht dazu ver­pflich­tet, ent­spre­chen­de Aus­füh­rungs­ge­set­ze zu erlas­sen.

Die Ver­trau­ens­schutz­grün­de aus denen das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Lan­des­ge­setz­ge­ber auf­grund der inhalts­glei­chen Vor­schrift des § 2 Berufs­vor­mün­der­ver­gü­tungs­ge­setz (BVormVG) für ver­pflich­tet gehal­ten hat, Nach­qua­li­fi­zie­run­gen zu ermög­li­chen [3] gel­ten für § 11 VBVG nicht. Denn § 3 VBVG hat an der bereits am 1. Janu­ar 1999 durch § 1 BVormVG ein­ge­führ­ten Bemes­sungs­grund­la­ge nichts geän­dert, son­dern die­se bei­be­hal­ten [4].

Auch das Argu­ment, eine Ver­gü­tung mit einem Stun­den­satz von 19,50 € ermög­li­che kei­ne wirt­schaft­li­che Exis­tenz und grei­fe damit in das Recht des Berufs­vor­munds auf Berufs­frei­heit (Art. 12 GG)) ein, lässt der Bun­des­ge­richts­hof nicht gel­ten:

Zwar kön­nen Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen und hier­auf grün­den­de Ent­schei­dun­gen, die auf die Ein­nah­men, wel­che durch eine beruf­li­che Tätig­keit erzielt wer­den kön­nen, und damit auch auf die Exis­tenz­er­hal­tung von nicht uner­heb­li­chem Ein­fluss sind, in die Frei­heit der Berufs­aus­übung ein­grei­fen und dür­fen nicht dazu füh­ren, dass eine wirt­schaft­li­che Exis­tenz nicht mög­lich ist [5]. Dabei ist aber eine gene­ra­li­sie­ren­de Betrach­tungs­wei­se gebo­ten, die auf den gesam­ten Berufs­zweig abstellt [6]. Dafür, dass durch die in § 3 Abs. 1 VBVG fest­ge­leg­ten Stun­den­sät­ze den Vor­mün­dern gene­rell unan­ge­mes­sen nied­ri­ge Ein­künf­te zuge­mu­tet wer­den, gibt es kei­ne hin­rei­chen­den Anhalts­punk­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Febru­ar 2013 – XII ZB 610/​11

  1. vgl. BT-Drucks. 13/​7158 S. 14, 28[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 26.10.2011 – XII ZB 312/​11FamRZ 2012, 113 Rn 13[]
  3. BVerfG FamRZ 2000, 1277[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 08.02.2012 XII ZB 231/​11 juris Rn. 17 ff[]
  5. vgl. BVerfGE 101, 331, 347, 350 ff.[]
  6. vgl. BVerfGE 70, 1, 30[]