Teil­an­fech­tung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs

Es liegt eine im Ver­sor­gungs­aus­gleichs­ver­fah­ren wirk­sa­me Teil­an­fech­tung bezüg­lich der Ent­schei­dung des Fami­li­en­ge­richts über den Aus­gleich des Anrechts der Antrags­geg­ne­rin bei der Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se "Komm" vor, die gleich­zei­tig den Aus­spruch des Fami­li­en­ge­richts zu dem Anrecht der Antrags­geg­ne­rin Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se "Ki" erfasst.

Teil­an­fech­tung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs

Eine Teil­an­fech­tung ist mög­lich, soweit bei meh­re­ren Anrech­ten der Ehe­gat­ten die Tei­lung inner­halb der ein­zel­nen Ver­sor­gun­gen erfolgt und die Ent­schei­dung zu den jewei­li­gen Anrech­ten nicht von­ein­an­der abhän­gig sind 1. Das ist dann der Fall, wenn in der ers­ten Instanz eine Teil­ent­schei­dung hät­te getrof­fen wer­den kön­nen 2. Dies setzt wie­der­um einen aus­son­der­ba­ren Teil des Ver­fah­rens­ge­gen­stan­des vor­aus, über den selb­stän­dig ent­schie­den wer­den kann 3. Wegen des soge­nann­ten „Hin-und-Her-Aus­gleichs“ ste­hen die ein­zel­nen Anrech­te grund­sätz­lich nicht mehr in einem Abhän­gig­keits­ver­hält­nis.

Im vor­lie­gen­den Fall berührt jedoch das – an sich aus­son­der­ba­re – Anrecht der Ver­sor­gungs­kas­se "Ki" aus­nahms­wei­se den Aus­gleich auch des Ver­sor­gungs­an­rechts der Antrags­geg­ne­rin bei der Ver­sor­gungs­kas­se "Komm". Durch die Über­lei­tung des Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­ses der Antrags­geg­ne­rin bei der Ver­sor­gungs­kas­se "Ki" auf die Ver­sor­gungs­kas­se "Komm" wächst das Anrecht der Antrags­geg­ne­rin bei der Ver­sor­gungs­kas­se "Komm" an; es ent­steht dort ein ein­heit­li­ches Anrecht auf eine betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung. Die bei­den Anrech­te der Antrags­geg­ne­rin bei der Ver­sor­gungs­kas­se "Ki" und bei der Ver­sor­gungs­kas­se "Komm" sind des­halb durch die (im lau­fen­den Beschwer­de­ver­fah­ren erfolg­te) Über­lei­tung der Pflicht­ver­si­che­rung der Antrags­geg­ne­rin untrenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den.

Hät­te das Fami­li­en­ge­richt von der bevor­ste­hen­den Über­lei­tung des Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­ses betref­fend die betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung Kennt­nis erlangt, wäre eine Teil­ent­schei­dung bezüg­lich des einen oder ande­ren Anrechts nicht mög­lich gewe­sen. Vor die­sem Hin­ter­grund erfasst die Teil­an­fech­tung der Ver­sor­gungs­kas­se "Ki" gleich­zei­tig die Ent­schei­dung des Fami­li­en­ge­richts über den Aus­gleich des Anrechts der Antrags­geg­ne­rin bei der Ver­sor­gungs­kas­se "Komm".

Somit unter­liegt der Aus­spruch des Fami­li­en­ge­richts betref­fend die betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung der Antrags­geg­ne­rin, nament­lich Zif­fer 5 und Zif­fer 6 des ange­foch­te­nen Beschlus­ses vom 29.7.2010, auf­grund der zuläs­si­gen Teil­an­fech­tung der umfas­sen­den Über­prü­fung im Beschwer­de­ver­fah­ren 4.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 10. Juni 2011 – 18 UF 202/​10

  1. BGH Fam­RZ 2011, 547; zur Zuläs­sig­keit der Teil­an­fech­tung auch OLG Nürn­berg MDR 2011, 607; OLG Düs­sel­dorf Beschluss vom 27.12.2010 – 7 UF 182/​10; OLG Stutt­gart Beschluss vom 27.10.2010 – 15 UF 196/​10; OLG Zwei­brü­cken, Beschluss vom 24.1.2011 – 2 UF 43/​10[]
  2. Borth, Ver­sor­gungs­aus­gleich, 5. Auf­la­ge 2010, Rz. 1106; Musielak/​Borth, FamFG, 2009, § 64 Rz. 4[]
  3. Borth, a.a.O., Rz. 1066; Schwab/​Streicher, Hand­buch des Schei­dungs­rechts, 6. Auf­la­ge 2010, Teil I Rz. 673[]
  4. vgl. BGH Fam­RZ 2011, 549[]