Ver­zicht auf Tren­nungs­un­ter­halt

Das gesetz­li­che Ver­bot des Ver­zichts auf Tren­nungs­un­ter­halt kann durch ein pac­tum de non peten­do nicht umgan­gen wer­den.

Ver­zicht auf Tren­nungs­un­ter­halt

Nach §§ 1361 Abs. 4 Satz 4, 1360 a Abs. 3 iVm § 1614 BGB ist ein Ver­zicht auf künf­ti­gen Tren­nungs­un­ter­halt unwirk­sam und daher nach § 134 BGB nich­tig. Die Vor­schrift hat sowohl indi­vi­du­el­le als auch öffent­li­che Inter­es­sen im Blick und will ver­hin­dern, dass sich der Unter­halts­be­rech­tig­te wäh­rend der Tren­nungs­zeit durch Dis­po­si­tio­nen über den Bestand des Unter­halts­an­spru­ches sei­ner Lebens­grund­la­ge begibt und dadurch gege­be­nen­falls öffent­li­cher Hil­fe anheim­zu­fal­len droht.

Ein soge­nann­tes pac­tum de non peten­do, d.h. die Ver­pflich­tung oder das Ver­spre­chen des unter­halts­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten, Tren­nungs­un­ter­halt nicht gel­tend zu machen, berührt zwar den Bestand des Unter­halts­an­spru­ches nicht, doch begrün­det die­ses eine Ein­re­de gegen den Unter­halts­an­spruch, die wirt­schaft­lich zu dem glei­chen Ergeb­nis führt wie ein Unter­halts­ver­zicht. Die ganz herr­schen­de Mei­nung sieht daher in einem pac­tum de non peten­do zu Recht ein unzu­läs­si­ges und daher unwirk­sa­mes Umge­hungs­ge­schäft1.

Auch ergän­zen­de "Fest­stel­lun­gen" der Ehe­gat­ten zum Nicht­be­stehen eines unge­deck­ten Unter­halts­be­darfs oder zum Vor­lie­gen eines Ver­wir­kungs­grun­des kön­nen einem pac­tum de non peten­do nicht zur Wirk­sam­keit ver­hel­fen. Denn der Schutz­zweck von § 1614 BGB ver­bie­tet es gene­rell, der unter­halts­be­rech­tig­ten Per­son unter Hin­weis auf den Par­tei­wil­len den Unter­halts­an­spruch ganz zu ver­sa­gen2. Damit wäre es nicht in Ein­klang zu brin­gen, wenn die Ehe­gat­ten durch eine Par­tei­ver­ein­ba­rung, der im Übri­gen das Risi­ko einer unrich­ti­gen Tat­sa­chen­er­mitt­lung oder fal­schen Ein­schät­zung der Rechts­la­ge anhaf­tet, eine den Tren­nungs­un­ter­halts­an­spruch aus­schlie­ßen­de Situa­ti­on dar­stel­len und die­se anschlie­ßend durch ein pac­tum de non peten­do unan­greif­bar machen könn­ten3.

Soll­te die Aus­le­gung der in dem Ehe­ver­trag ent­hal­te­nen Bestim­mun­gen zum Tren­nungs­un­ter­halt erge­ben, dass sie ein unwirk­sa­mes pac­tum de non peten­do ent­hal­ten, ist im Hin­blick auf den dann vor­lie­gen­den Ver­stoß gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot (§ 134 BGB) wei­ter zu prü­fen, ob die Teil­nich­tig­keit gemäß § 139 BGB auch die wei­te­ren Bestim­mun­gen in der nota­ri­el­len Ver­ein­ba­rung erfasst.

Dabei kommt es zunächst dar­auf an, ob und inwie­weit ein enger Zusam­men­hang zwi­schen den ein­zel­nen Ver­ein­ba­run­gen besteht und nach dem Wil­len der Par­tei­en bestehen soll. Ob es sich bei gemein­sam beur­kun­de­ten Tren­nungs- und Schei­dungs­fol­gen­ver­ein­ba­run­gen auf­grund eines Ein­heit­lich­keits­wil­lens der Ver­trags­par­tei­en um ein ein­heit­li­ches Rechts­ge­schäft han­delt, ist durch Ermitt­lung und Aus­le­gung des Par­tei­wil­lens fest­zu­stel­len, wobei nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bei gemein­sa­mer Auf­nah­me meh­re­rer Ver­ein­ba­run­gen in eine Urkun­de eine tat­säch­li­che Ver­mu­tung für einen Ein­heit­lich­keits­wil­len besteht4.

Ist von einem ein­heit­li­chen Rechts­ge­schäft aus­zu­ge­hen, muss nach den für die ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung gel­ten­den Grund­sät­zen wei­ter ermit­telt wer­den, ob die betei­lig­ten Ehe­leu­te die glei­chen Ver­ein­ba­run­gen zu den Schei­dungs­fol­gen auch getrof­fen hät­ten, wenn ihnen bewusst gewe­sen wäre, dass ein Ver­zicht auf Tren­nungs­un­ter­halt oder eine ihm gleich­ste­hen­de Beschrän­kung der Rech­te auf Gel­tend­ma­chung von Tren­nungs­un­ter­halt für die Zukunft nicht wirk­sam ver­ein­bart wer­den kann5.

Dage­gen könn­te es unter Umstän­den spre­chen, wenn der unwirk­sa­me Aus­schluss von Tren­nungs­un­ter­halt durch Leis­tun­gen aus­ge­gli­chen wer­den soll­te, die dem berech­tig­ten Ehe­gat­ten im Rah­men der Aus­ein­an­der­set­zung über die Schei­dungs­fol­gen zuge­sagt wor­den sind6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Janu­ar 2014 – XII ZB 303/​13

  1. OLG Karls­ru­he Fam­RZ 1992, 316, 317; Münch­Komm-BGB/We­ber-Mon­ecke 6. Aufl. § 1361 Rn. 49; Büte in Büte/​Poppen/​Menne Unter­halts­recht 2. Aufl. § 1614 BGB Rn. 2; Kilger/​Pfeil in Göppinger/​Börger Ver- ein­ba­run­gen anläss­lich der Ehe­schei­dung 10. Aufl.05. Teil Rn. 140; Niepmann/​Schwamb Die Recht­spre­chung zur Höhe des Unter­halts 12. Aufl. Rn. 153; Erman/​Hammermann BGB 13. Aufl. § 1614 Rn. 5; juris­PK-BGB/­Vief­hu­es [Stand: 1.10.2012] § 1614 Rn. 11; Deisen­ho­fer Fam­RZ 2000, 1368 f.; Schwa­cken­berg FPR 2001, 107, 108; Huhn RNotZ 2007, 177, 187; aA OLG Köln Fam­RZ 2000, 609 []
  2. Deisen­ho­fer Fam­RZ 2000, 1368, 1369 []
  3. vgl. auch Huhn RNotZ 2007, 177, 187 []
  4. vgl. BGHZ 157, 168, 173 f. = NVwZ 2005, 484, 485; BGHZ 54, 71, 72 = NJW 1970, 1414, 1415 []
  5. vgl. OLG Bran­den­burg Fam­RZ 2003, 764, 765; Huhn RNotZ 2007, 177, 184 []
  6. vgl. auch Lan­gen­feld in Heiß/​Born Unter­halts­recht [Bear­bei­tungs­stand: 2013] 15. Kap. Rn. 14 []