Ver­zin­sung des Aus­gleichs­wer­tes im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Die Ver­zin­sung des Aus­gleichs­wer­tes ist für den Zeit­raum seit dem Ende der Ehe­zeit bis zur Rechts­kraft der Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich anzu­ord­nen. Soweit dem­ge­gen­über die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, dass die Ver­zin­sung des Aus­gleichs­wer­tes grund­sätz­lich bis zum tat­säch­li­chen Ein­gang der Zah­lung beim Ziel­ver­sor­gungs­trä­ger erfol­gen müs­se, ver­mag der Bun­des­ge­richts­hof dem nicht zu fol­gen1.

Ver­zin­sung des Aus­gleichs­wer­tes im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Die Anord­nung der exter­nen Tei­lung ist ein rich­ter­li­cher Gestal­tungs­akt. Mit der Rechts­kraft der Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich wird zwi­schen der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son und dem Trä­ger der Ziel­ver­sor­gung unmit­tel­bar ein Rechts­ver­hält­nis begrün­det bzw. ein bestehen­des Rechts­ver­hält­nis aus­ge­baut. Der aus­gleichs­be­rech­tig­te Ehe­gat­te erwirbt des­halb bereits mit Rechts­kraft der Ent­schei­dung im Umfang des zu sei­nen Guns­ten zu begrün­den­den Anrechts einen Anspruch auf die von der Ziel­ver­sor­gung nach sei­ner Ver­sor­gungs­ord­nung gewähr­ten Leis­tun­gen, und zwar unab­hän­gig davon, ob und gege­be­nen­falls zu wel­chem Zeit­punkt es zu einem Kapi­tal­trans­fer zwi­schen dem Trä­ger der Ziel­ver­sor­gung und dem zah­lungs­pflich­ti­gen Ver­sor­gungs­trä­ger kommt. Das Risi­ko der Bei­trei­bung des vom Gericht nach § 222 Abs. 3 FamFG i.V.m. § 14 Abs. 4 VersAus­glG fest­ge­setz­ten Kapi­tal­be­tra­ges trägt somit der Trä­ger der Ziel­ver­sor­gung2. Die­se Risi­ko­ver­tei­lung ent­spricht erkenn­bar den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers3, was sich auch dar­aus erschließt, dass für die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung als Auf­fang­ver­sor­gung (§ 15 Abs. 5 Satz 1 VersAus­glG) mit § 120 g SGB VI eine vom Gesetz­ge­ber aus­drück­lich als "Son­der­be­stim­mung"4 bezeich­ne­te Vor­schrift geschaf­fen wur­de, durch die an sich sys­tem­wid­rig die Begrün­dung des Anrechts zuguns­ten der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son auf den Zeit­punkt des tat­säch­li­chen Kapi­tal­trans­fers hin­aus­ge­scho­ben wor­den ist.

Vor die­sem Hin­ter­grund besteht kein Bedürf­nis für die Anord­nung einer Ver­zin­sung des Aus­gleichs­wer­tes über den Zeit­punkt der Rechts­kraft der Ent­schei­dung zum Ver­sor­gungs­aus­gleich hin­aus. Der aus­gleichs­be­rech­tig­te Ehe­gat­te erwirbt auf­grund der Gestal­tungs­wir­kung der gericht­li­chen Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich mit deren Rechts­kraft beim Trä­ger der Ziel­ver­sor­gung ein Anrecht in einer kon­kret bestimm­ba­ren Höhe. Selbst wenn man was aller­dings zwei­fel­haft erscheint davon aus­ge­hen woll­te, dass der Ver­zin­sungs­vor­gang im Ver­sor­gungs­sys­tem des Ziel­ver­sor­gungs­trä­gers erst nach Ein­gang des zu trans­fe­rie­ren­den Betra­ges beginnt5, gebie­ten weder die Inter­es­sen der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son noch die Inter­es­sen des Ziel­ver­sor­gungs­trä­gers die Anord­nung einer über die Rechts­kraft der Ent­schei­dung hin­aus­ge­hen­den Ver­zin­sung. Leis­tet der zah­lungs­pflich­ti­ge Ver­sor­gungs­trä­ger auf eine Zah­lungs­auf­for­de­rung nicht, kann der Trä­ger der Ziel­ver­sor­gung nach den all­ge­mei­nen Regeln über den Ver­zug mit einer Geld­schuld (§§ 288 ff. BGB) sei­nen Ver­zö­ge­rungs­scha­den gel­tend machen; die­ser Scha­den kann sich auch auf die kapi­ta­li­sier­ten Zin­sen bezie­hen und den im Ver­sor­gungs­sys­tem des zah­lungs­pflich­ti­gen Ver­sor­gungs­trä­gers ver­wen­de­ten Rech­nungs­zins durch­aus über­stei­gen6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Febru­ar 2013 – XII ZB 631/​12

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 06.02.2013 – XII ZB 204/​11 []
  2. BGH, Beschluss vom 06.02.2013 – XII ZB 204/​11 zur Ver­öf­fent­li­chung bestimmt; vgl. auch Johannsen/​Henrich/​Holzwarth Fami­li­en­recht 5. Aufl. § 14 VersAus­glG Rn. 29; Münch­Komm-BGB/Gräper 6. Aufl. § 14 VersAus­glG Rn. 30; FAKommFamR/​Wick 5. Aufl. § 14 VersAus­glG Rn. 24; Häu­ßer­mann BetrAV 2008, 428, 431; kri­tisch hier­zu Münch­Komm-BGB/­Dörr 6. Aufl. § 222 FamFG Rn. 9 []
  3. vgl. BT-Drucks. 16/​10444 S. 95 []
  4. BT-Drucks. 16/​10444 S. 101 []
  5. so Borth Ver­sor­gungs­aus­gleich 6. Aufl. Rn. 1139 []
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 06.02.2013 – XII ZB 204/​11 []