Die Beschä­dig­ten-Grund­ren­te und die Asyl­be­wer­ber­leis­tun­gen

Die Beschä­dig­ten-Grund­ren­te nach dem Opferent­schädigungsgesetz ist nicht dem Ein­kom­men im Sin­ne des Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­set­zes zuzu­rech­nen.

Die Beschä­dig­ten-Grund­ren­te und die Asyl­be­wer­ber­leis­tun­gen

So die Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Kla­ge des Lan­de­krei­ses Schwein­furt auf Erstat­tung zuviel­ge­zahl­ter Asyl­be­wer­ber­leis­tun­gen. Die bei­gela­de­ne Bezie­he­rin von Grund­leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz wur­de im Dezem­ber 2001 Opfer von Gewalt­ta­ten. Auf ihren Antrag gewähr­te ihr der beklag­te Frei­staat unter ande­rem eine Beschä­dig­ten-Grund­ren­te. Dar­auf­hin for­der­te der kla­gen­de Land­kreis, von dem die Bei­gela­de­ne lau­fend Asyl­be­wer­ber­leis­tun­gen erhal­ten hat­te, vom Beklag­ten für die Zeit von Dezem­ber 2003 bis Mai 2004 eine Erstat­tung in Höhe der inso­weit noch nicht an die Bei­gela­de­ne aus­ge­zahl­ten Grund­ren­te.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts steht der gel­tend gemach­te Erstat­tungs­an­spruch nicht zu. Viel­mehr hat die Bei­gela­de­ne Anspruch dar­auf, die Beschä­dig­ten-Grund­ren­te nach dem Opfer­ent­schä­di­gungs­ge­setz in Ver­bin­dung mit dem Bundesver­sorgungsgesetz zusätz­lich zu den bereits erhal­te­nen Grund­leis­tun­gen nach dem Asylbewerberleis­tungsgesetz aus­ge­zahlt zu bekom­men. Die Grund­ren­te wäre nicht vor dem Ein­tritt von Leis­tun­gen nach die­sem Gesetz auf­zu­brau­chen gewe­sen, weil sie inso­weit nicht als Ein­kom­men anzu­se­hen ist. Da das Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz den Begriff des Ein­kom­mens nicht selbst regelt, ist inso­weit auf ande­re gesetz­li­che Bestim­mun­gen zurück­zu­grei­fen. Nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts ist es sach­ge­recht, für den strei­ti­gen Zeit­raum den Ein­kom­mens­be­griff des § 76 Absatz 1 Bundessozialhil­fegesetz her­an­zu­zie­hen, der die Grund­ren­te aus­drück­lich aus­nimmt. Zwar sol­len Asylbewerberleis­tungen, anders als Sozi­al­hil­fe, nicht das sozio-kul­tu­rel­le, son­dern nur das abso­lu­te Exis­tenz­mi­ni­mum sichern. Die­ser Unter­schied ist hier jedoch uner­heb­lich, weil die Beschä­dig­ten-Grund­ren­te nicht der sozio-kul­tu­rel­len Teil­ha­be, son­dern der Reha­bi­li­ta­ti­on dient.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 24. Mai 2012 – B 9 V 2/​11 R