Drei­mo­nats­ver­hü­tungs­sprit­zen auf Sozi­al­hil­fe

Es besteht regel­mä­ßig kein Anspruch einer Sozi­al­hil­fe­emp­fän­ge­rin auf Über­nah­me der Kos­ten für eine Drei­mo­nats­ver­hü­tungs­sprit­zen durch den Sozi­al­hil­fe­trä­ger.

Drei­mo­nats­ver­hü­tungs­sprit­zen auf Sozi­al­hil­fe

Die Rege­lung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, dass vom Amt ver­ord­ne­te emp­fäng­nis­ver­hü­ten­de Mit­tel nur bis zum 20. Lebens­jahr finan­ziert wer­den (§ 24a SGB V), begrenzt in glei­cher Wei­se die Hil­fen zur Gesund­heit im Sozi­al­hil­fe­recht (SGB XII); die Kos­ten dafür wer­den vom Regel­satz als Leis­tun­gen der Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt erfasst.

In dem jetzt vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat­te die 1966 gebo­re­ne geis­tig behin­der­te Klä­ge­rin ver­geb­lich bei der für sie zustän­di­gen gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se und dem Sozi­al­hil­fe­trä­ger die Über­nah­me der Kos­ten für Depot-Kon­tra­zep­ti­va (sog Drei­mo­nats­sprit­zen zur Emp­fäng­nis­ver­hü­tung) in Höhe von vier­tel­jähr­lich 24,60 € gel­tend gemacht.

Wäh­rend das Sozi­al­ge­richt den beklag­ten Sozi­al­hil­fe­trä­ger zur Kos­ten­über­nah­me ver­ur­teilt hat, hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen. Wegen feh­len­der tat­säch­li­cher Fest­stel­lun­gen für eine end­gül­ti­ge Ent­schei­dung über den gel­tend gemach­ten Anspruch hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt die Sache an das Lan­des­so­zi­al­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Zwar waren Ein­glie­de­rungs­hil­fe­leis­tun­gen man­gels behin­de­rungs­be­ding­ten Bedarfs und Hil­fen zur Gesund­heit im Hin­blick auf die auch im Sozi­al­hil­fe­recht gel­ten­de Beschrän­kung des § 24a SGB V nicht zu erbrin­gen; jedoch ist zu prü­fen, ob nicht die Regel­satz­leis­tung (Hil­fe für den Lebens­un­ter­halt) unter Berück­sich­ti­gung der Gesamt­be­las­tung der Klä­ge­rin im Gesund­heits­be­reich (Zuzah­lun­gen zu Leis­tun­gen der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung; von der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung nicht umfass­te Leis­tun­gen) unab­weis­bar ihrer Höhe nach erheb­lich von einem durch­schnitt­li­chen Bedarf abweicht. Die der Klä­ge­rin gezahl­te Regel­satz­leis­tung wäre dann zu erhö­hen, wenn die sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen für eine Leis­tungs­ge­wäh­rung vor­lä­gen.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 15. Novem­ber 2012 – B 8 SO 6/​11 R