"Ein­kaufs­fuchs" für Blin­de auf Kas­sen­kos­ten

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men hat eine gesetz­li­che Kran­ken­kas­se dazu ver­pflich­tet, eine blin­de Klä­ge­rin mit einem Bar­code-Lese­ge­rät mit digi­ta­ler Sprach­aus­ga­be (sog. Ein­kaufs­fuchs) aus­zu­stat­ten.

<span class="dquo">"</span>Ein­kaufs­fuchs" für Blin­de auf Kas­sen­kos­ten

Die haus­wirt­schaft­li­che Ver­sor­gung des eige­nen Haus­halts ein­schließ­lich des Ein­kau­fens gehört zu den mensch­li­chen Grund­be­dürf­nis­sen.

Ein Bar­code-Lese­ge­rät mit digi­ta­ler Sprach­aus­ga­be (sog. Ein­kaufs­fuchs), der es einer erblin­de­ten Ver­si­cher­ten ermög­licht, die haus­wirt­schaft­li­che Ver­sor­gung des eige­nen Haus­halts ein­schließ­lich des Ein­kau­fens weit­ge­hend selb­stän­dig aus­zu­füh­ren, ist ein Hilfs­mit­tel im Sin­ne des § 33 SGB V.

In dem vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men ent­schie­de­nen Rechts­steit ist die mit ihrem Ehe­mann zusam­men woh­nen­de Klä­ge­rin mit einem Blin­den­langstock und einem Blin­den­vor­le­se­ge­rät mit Braille­zei­le und Farb­er­ken­nungs­sys­tem ver­sorgt. Ihre Augen­ärz­tin hat­te ihr den Ein­kaufs­fuchs ver­ord­net, mit dem ein Blin­der oder Seh­be­hin­der­ter selbst­stän­dig Ein­käu­fe täti­gen und bei der häus­li­chen Vor­rats­hal­tung erken­nen kann, wel­che Lebens­mit­tel zum Ver­brauch anste­hen.

Die zustän­di­ge gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung hat­te die Kos­ten­über­nah­me abge­lehnt, da der Ein­kaufs­fuchs der Klä­ge­rin nur in beson­de­ren Lebens­si­tua­tio­nen hel­fe, ihre Seh­fä­hig­keit zu erset­zen, und die zu erwar­ten­den Kos­ten in Höhe von etwa 2.500,- Euro nicht in einem ange­mes­se­nen Ver­hält­nis zu des­sen Nut­zen stün­den. Sie kön­ne als Kran­ken­kas­se daher unter Beach­tung des Wirt­schaft­lich­keits­ge­bo­tes nicht ver­pflich­tet wer­den, die Klä­ge­rin mit die­sem Hilfs­mit­tel zu ver­sor­gen.

Sowohl das erst­in­stanz­lich mit die­sem Rechts­streit befass­te Sozi­al­ge­richt Han­no­ver 1 wie auf die Beru­fung der Kran­ken­kas­se hin das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men haben die­ser Auf­fas­sung der Kran­ken­kas­se wider­spro­chen und die gesetz­li­che Kran­ken­kas­se zur Leis­tung eines Ein­kaufs­fuch­ses an die blin­de Klä­ge­rin ver­ur­teilt:

Die Ver­si­cher­te habe, so das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, einen Anspruch auf Ver­sor­gung mit die­sem Hilfs­mit­tel, denn der Ein­kaufs­fuchs die­ne der Wahr­neh­mung eines Grund­be­dürf­nis­ses im Bereich der haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung. Zwar muss nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung zwi­schen den Kos­ten und dem Gebrauchs­vor­teil eines Hilfs­mit­tels eine begründ­ba­re Rela­ti­on bestehen. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat jedoch betont, dass damit kei­ne zusätz­li­che Kos­ten-Nut­zen-Erwä­gung gemeint ist, die zusätz­lich zum Erfor­der­nis der umfas­sen­den Ein­setz­bar­keit des Hilfs­mit­tels bzw. des Gebrauchs­vor­teils bei einem Grund­be­dürf­nis anzu­stel­len sei. Dies kön­ne allen­falls in Aus­nah­me­fäl­len in Betracht kom­men. Da der Ein­kaufs­fuchs es der Klä­ge­rin aber über­haupt erst ermög­licht, selbst­stän­dig ein­zu­kau­fen bzw. sich im eige­nen Haus­halt zu ori­en­tie­ren, hat die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung die Klä­ge­rin mit die­sem Hilfs­mit­tel zu ver­sor­gen.

Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nie­der­sach­sen-Bre­men vom 11. Novem­ber 2009 – L 4 KR 17/​08 (rechts­kräf­tig)
Such­wor­te: Bar­code-Lese­ge­rät, Blind­heit, Ein­kaufs­fuchs, Erblin­dung, Grund­be­dürf­nis, Hilfs­mit­tel, Seh­be­hin­de­rung, blin­de Ver­si­cher­te, digi­ta­le Ein­kaufs­hil­fe
nicht­amt­li­che Leit­sät­ze:

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Urteil vom 11. Novem­ber 2009 – L 4 KR 17/​08

  1. SG Han­no­ver – S 44 KR 1219/​04[]