Eltern­geld bei der Euro­päi­schen Zen­tral­bank

Besteht ein Anspruch auf Eltern­geld nach deut­schem Recht auch für Ange­stell­te bei der Euro­päi­schen Zen­tral­bank in Frank­furt? Die­se Fra­ge hat das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt in Darm­stadt nun dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt.

Eltern­geld bei der Euro­päi­schen Zen­tral­bank

Eine bei der Euro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) in Frank­furt am Main beschäf­ti­ge Frau bean­trag­te nach der Geburt ihres Kin­des Eltern­geld. Sie ist deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge und wohnt in Frank­furt. Das hes­si­sche Lan­des­ver­sor­gungs­amt lehn­te den Antrag mit der Begrün­dung ab, dass für EZB-Mit­ar­bei­ter das euro­päi­sche Recht und nicht das deut­sche Arbeits- und Sozi­al­recht gel­te. Dies fol­ge aus einem zwi­schen Deutsch­land und der Euro­päi­schen Zen­tral­bank geschlos­se­nen Abkom­men.

Die in Deutsch­land nicht steu­er­pflich­ti­ge Frau hat hier­ge­gen Kla­ge erho­ben. Der Anspruch auf Eltern­geld nach deut­schem Recht kön­ne nur durch Gesetz, nicht aber durch ein inter­na­tio­na­les Abkom­men aus­ge­schlos­sen wer­den. Zudem sol­le das Abkom­men ledig­lich Dop­pel­leis­tun­gen ver­mei­den und die Beschäf­tig­ten der EZB von der Bei­trags­pflicht zu den deut­schen Sozi­al­ver­si­che­run­gen befrei­en. Das Eltern­geld wer­de jedoch nicht durch Bei­trä­ge finan­ziert. Auch zah­le die EZB kei­ne dem Eltern­geld ver­gleich­ba­re Leis­tung.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Sozi­al­ge­richt Frank­furt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und das Land Hes­sen zur Zah­lung des Eltern­gel­des ver­ur­teilt. Auf die Beru­fung des Lan­des Hes­sen hin hat nun das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt. Die­ser soll nun dar­über ent­schei­den, ob das Abkom­men zwi­schen Deutsch­land und der Euro­päi­schen Zen­tral­bank zum Recht der Euro­päi­schen Uni­on gehört oder ledig­lich ein völ­ker­recht­li­cher Ver­trag ist. Fer­ner sei zu klä­ren, ob das Abkom­men vor­ran­gi­ges Euro­pa­recht ver­letzt, wenn EZB-Ange­stell­te von deut­schem Eltern­geld aus­ge­schlos­sen wer­den, obwohl die EZB kei­ne ver­gleich­ba­re Leis­tung erbringt.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on muss damit nun über die recht­li­chen Fol­gen des inter­na­tio­na­len Abkom­mens auf das deut­sche Eltern­geld­ge­setz ent­schei­den.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Beschluss vom 4. Febru­ar 2011 – L 6 EG 24/​09