Fami­li­en­mit­glie­der als Arbeit­neh­mer in der Ltd.

Kenn­zeich­nend für den Arbeit­neh­mer ist die per­sön­li­che Abhän­gig­keit von einem Drit­ten, dem Arbeit­ge­ber [1]. Per­sön­li­che Abhän­gig­keit erfor­dert Ein­glie­de­rung in den Betrieb und Unter­ord­nung unter das Wei­sungs­recht des Arbeit­ge­bers in Bezug auf Zeit, Dau­er, Ort und Art der Arbeits­füh­rung [2]. Zwar kann das Wei­sungs­recht erheb­lich ein­ge­schränkt sein, wie das ins­be­son­de­re bei Diens­ten höhe­rer Art der Fall ist, voll­stän­dig ent­fal­len darf es jedoch nicht; es muss eine fremd bestimm­te Leis­tung ver­blei­ben, die Dienst­leis­tung also zumin­dest in einer von der ande­ren Sei­te vor­ge­ge­be­nen Ord­nung des Betriebs auf­ge­hen [3]. Ist ein Wei­sungs­recht nicht vor­han­den, kann der Betref­fen­de sei­ne Tätig­keit also wesent­lich frei gestal­ten, ins­be­son­de­re über die eige­ne Arbeits­kraft, über Arbeits­ort und Arbeits­zeit frei ver­fü­gen oder fügt er sich nur in die von ihm selbst gege­be­ne Ord­nung des Betriebs ein, liegt kei­ne abhän­gi­ge, son­dern eine selb­stän­di­ge Tätig­keit vor, die zusätz­lich durch ein Unter­neh­mer­ri­si­ko gekenn­zeich­net zu sein pflegt [4].

Fami­li­en­mit­glie­der als Arbeit­neh­mer in der Ltd.

Auch Ehe­gat­ten, Lebens­part­ner und Ver­wand­te kön­nen als abhän­gig Beschäf­tig­te ver­si­chert sein. In die­sem Fall stellt sich die Fra­ge, ob der Ehe­gat­te oder Ver­wand­te – hier der Vater der Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­re­rin – auf­grund eines ech­ten Anstel­lungs­ver­hält­nis­ses oder aus fami­liä­ren Grün­den tätig gewor­den ist. Die Abgren­zung hat weni­ger anhand der ver­trag­li­chen Abma­chun­gen zu erfol­gen als viel­mehr auf­grund der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se. Indi­zi­en für die Annah­me eines ech­ten Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses sind ins­be­son­de­re die Ein­glie­de­rung in den Betrieb in einer Wei­se, die dazu führt, dass kei­ne frem­de Arbeits­kraft ein­ge­stellt wird, die Rege­lung der Höhe der Bezü­ge, die Ange­mes­sen­heit der Bezü­ge in Rela­ti­on zu dem Ent­gelt, das an frem­de Arbeits­kräf­te gezahlt wird, die Ein­be­hal­tung und Abfüh­rung von Steu­ern und Sozi­al­ab­ga­ben sowie die ord­nungs­ge­mä­ße Ver­bu­chung des gezahl­ten Ent­gelts oder Gehalts als Betriebs­aus­ga­be [5].

Sozi­al­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 25. März 2010 – S 4 U 172/​09

  1. vgl. BSGE 8, 278; 10, 41; 13, 130[]
  2. vgl. BSGE 13, 196, 201 f.; 20, 6, 8; 58, 53, 57 und 51, 164, 167[]
  3. vgl. BSGE 38, 53, 57[]
  4. vgl. LSG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 11.06.1997, HVBG-Info 1998, 918 ff.[]
  5. vgl. BSG Breith 1974, 102 und SozR 2200 § 539 Nr. 32; Schmitt, SGB VII, Kom­men­tar, 4. Aufl. 2009, § 2 Rn. 7 m. w. N.[]