Jugend­bett statt Kin­der­git­ter­bett

Ist ein Kind zu groß für sein Kin­der­git­ter­bett gewor­den, besteht gegen den Leis­tungs­trä­ger ein Anspruch auf ein Jugend­bett als "Erst­aus­stat­tung"

Jugend­bett statt Kin­der­git­ter­bett

In dem jetzt vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall bean­trag­te der im Mai 2007 gebo­re­ne Klä­ger im Okto­ber 2010 beim beklag­ten Job­cen­ter Frei­burg Stadt ein Jugend­bett als Erst­aus­stat­tung im Sin­ne des § 23 Abs 3 Satz 1 Nr 1 SGB II (heu­te § 24 Abs 3 Satz 1 Nr 1 SGB II). Dies lehn­te das Job­cen­ter mit der Begrün­dung ab, der Klä­ger ver­fü­ge über ein Bett in Gestalt eines Kin­der­git­ter­bet­tes.

Auch das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Sozi­al­ge­richt sowie das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg haben den Anspruch des Klä­gers abge­lehnt 1. Wäh­rend des Beru­fungs­ver­fah­rens hat die Mut­ter des Klä­gers für die­sen ein Bett mit Lat­ten­rost zu einem Preis von 272,25 € erwor­ben. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt ver­trat in sei­nem Beru­fungs­ur­teil die Auf­fas­sung, bei dem ange­schaff­ten Bett han­de­le es sich um eine Ersatz­be­schaf­fung, denn es sei bereits ein Bett für den Klä­ger im Haus­halt der Mut­ter vor­han­den gewe­sen. Das neue Bett habe grund­sätz­lich die­sel­be Funk­ti­on wie das nicht mehr pas­sen­de Kin­der­git­ter­bett – bei­des die­ne zum Schla­fen. Der Bedarf nach einem neu­en Bett sei ledig­lich wegen des Wach­sens des Klä­gers ent­stan­den.

Im Revi­si­ons­ver­fah­ren vor dem Bun­des­so­zi­al­ge­richt war der Klä­ger nun inso­weit erfolg­reich, als das Bun­des­so­zi­al­ge­richt den Rechts­streit zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg zurück­ver­wie­sen hat.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat klar­ge­stellt, dass das Job­cen­ter die Bewil­li­gung von Leis­tun­gen für ein "Jugend­bett" mit Lat­ten­rost rechts­wid­rig ver­sagt hat. Bei der erst­ma­li­gen Beschaf­fung eines "Jugend­bet­tes" – nach­dem das Kind dem "Kin­der­bett" ent­wach­sen war – han­delt es sich um eine Erst­aus­stat­tung für die Woh­nung im Sin­ne von § 23 Abs 3 Satz 1 Nr 1 SGB II, die auch dem Grun­de nach ange­mes­sen ist.

Eine abschlie­ßen­de Bewer­tung der Höhe des Erstat­tungs­an­spruchs war dem Senat nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts jedoch nicht mög­lich. Unschäd­lich ist inso­weit zwar, dass das Bett für den Klä­ger bereits beschafft, sein Bedarf inso­weit also gedeckt wor­den ist, und er kei­ne Sach- oder Geld­leis­tung vom Job­cen­ter, son­dern eine Kos­ten­er­stat­tung begehrt. Nicht beur­tei­len konn­te das Bun­des­so­zi­al­ge­richt jedoch, ob die getä­tig­te Anschaf­fung der Höhe nach ange­mes­sen war. Inso­weit man­gelt es an Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 23. Mai 2013 – B 4 AS 79/​12 R

  1. LSG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 13.09.2012 – L 12 AS 639/​12[]

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