Kein Bonus für Ver­zicht auf medi­zi­ni­sche Leistungen

Die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen dür­fen ihre Ver­si­cher­ten mit einer Bonus­re­ge­lung nur für gesund­heits­be­wuss­tes Ver­hal­ten finan­zi­ell ent­las­ten. Der Ver­zicht auf medi­zi­ni­sche Leis­tun­gen hin­ge­gen darf in die­sem Rah­men nicht belohnt wer­den. Dies ent­schied in einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil das Hes­si­sche Landessozialgericht.

Kein Bonus für Ver­zicht auf medi­zi­ni­sche Leistungen

Eine Betriebs­kran­ken­kas­se woll­te Ende 2007 den Bonus für gesund­heits­be­wuss­tes Ver­hal­ten um eine Gesund­heits­prä­mie erhö­hen. Hier­von soll­ten Ver­si­cher­te pro­fi­tie­ren, die Prä­ven­ti­ons­leis­tun­gen in Anspruch neh­men, auf wei­te­re Leis­tun­gen aber ver­zich­ten. Das Bun­des­ver­si­che­rungs­amt hielt die­se Rege­lung für unzu­läs­sig und geneh­mig­te die Sat­zungs­än­de­rung nicht.

Die Darm­städ­ter Lan­des­so­zi­al­rich­ter folg­ten die­ser Auf­fas­sung und wie­sen die Kla­ge der Kran­ken­kas­se ab. Zuläs­sig sei­en Bonus­re­ge­lun­gen, die gesund­heits­be­wuss­tes Ver­hal­ten för­dern. Hier­zu gehör­ten ins­be­son­de­re Ver­güns­ti­gun­gen bei der Inan­spruch­nah­me von Prä­ven­ti­ons­leis­tun­gen. Anders sei dies beim Ver­zicht auf medi­zi­ni­sche Leis­tun­gen. Auf­grund der indi­vi­du­el­len Fehl­ein­schät­zung von Ver­si­cher­ten könn­ten hier­durch lang­fris­tig höhe­re Kos­ten ent­ste­hen. Damit die­ne die Gesund­heits­prä­mie nicht dem gesetz­ge­be­ri­schen Ziel, die Gesund­heits­vor­sor­ge effi­zi­en­ter zu machen.

Dar­über hin­aus durch­bre­che eine Gesund­heits­prä­mie das Prin­zip der soli­da­ri­schen Finan­zie­rung. Danach wür­den in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung Mit­glie­der grund­sätz­lich ent­spre­chend ihrer Leis­tungs­fä­hig­keit belas­tet. Unab­hän­gig von der Höhe der Bei­trä­ge wer­de vol­ler Ver­si­che­rungs­schutz gewährt. Die Gesund­heits­prä­mie bewir­ke hin­ge­gen fak­tisch eine Bei­trags­rück­erstat­tung, die nicht zu Las­ten der Soli­dar­ge­mein­schaft fal­len darf.

Die Gesund­heits­prä­mie sei daher ledig­lich unter den stren­gen Vor­aus­set­zun­gen eines Wahl­ta­rifs mög­lich, inner­halb des­sen sie gegen­fi­nan­ziert wer­den müsse.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 28. Janu­ar 2008 – L 1 KR 150/​08 KL