Kür­zung der Grund­leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz

Die Kür­zung der Grund­leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz kann nicht auf die Wei­ge­rung zur Abga­be einer soge­nann­ten "Ehren­er­klä­rung" gestützt wer­den.

Kür­zung der Grund­leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz

In dem jetzt vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall war die 1964 gebo­re­ne Klä­ge­rin, eine mali­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge, im Novem­ber 1997 in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­ge­reist; ihr Asyl­an­trag blieb erfolg­los, und ihr Auf­ent­halt war danach ledig­lich gedul­det. Ab Febru­ar 1999 erhielt sie Grund­leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach § 3 Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz, die unter ande­rem im streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum monat­lich um 40,90 Euro "gekürzt" wur­den, weil sich die Klä­ge­rin im Rah­men von Vor­füh­run­gen an die Bot­schaft von Mali gewei­gert hat­te, eine soge­nann­te "Ehren­er­klä­rung" abzu­ge­ben. Die­se hat­te fol­gen­den Inhalt:

"Ehren­er­klä­rung

Ich bin mali­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger, und ich möch­te frei­wil­lig in mein Hei­mat­land zurück­keh­ren. Ich ver­si­che­re hier­mit, nicht nach Deutsch­land zurück­zu­keh­ren, es sei denn unter den Bedin­gun­gen der deut­schen Ein­wan­de­rungs­ge­set­ze.

Erklärt gegen­über der Bot­schaft Mali und dem Bun­des­grenz­schutz

Name, Vor­na­me, Geburts­da­tum, Unter­schrift."

Weder die Gewäh­rung nied­ri­ge­rer Grund­leis­tun­gen nach § 3 Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz noch die Ableh­nung von Analog?Leistungen nach § 2 Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz (Leis­tun­gen ent­spre­chend dem Zwölf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch ? Sozi­al­hil­fe ? bei Vor­be­zug von min­des­tens 36 Mona­ten Grund­leis­tun­gen) kann mit der Wei­ge­rung zur Abga­be der gefor­der­ten Ehren­er­klä­rung begrün­det wer­den, wenn der Hil­fe­be­dürf­ti­ge die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land eigent­lich nicht ver­las­sen möch­te; nie­mand kann gezwun­gen wer­den, eine in der Sache fal­sche Erklä­rung abzu­ge­ben, selbst wenn er ver­pflich­tet ist aus­zu­rei­sen.

Der Hil­fe­be­dürf­ti­ge han­delt weder rechts­miss­bräuch­lich im Sin­ne des § 2 Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz, noch hat er im Sin­ne des § 1a Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz zu ver­tre­ten, dass auf­ent­halts­be­en­den­de Maß­nah­men nicht voll­zo­gen wer­den kön­nen.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 30. Okto­ber 2013 – B 7 AY 7/​12 R