Licht­si­gnal­an­la­ge bei hoch­gra­di­ger Schwer­hö­rig­keit

Behin­der­te Men­schen haben einen Anspruch gegen ihre Kran­ken­kas­se auf Ver­sor­gung mit Hilfs­mitteln, die geeig­net und im Ein­zel­fall erfor­der­lich sind, ihre Behin­de­rung und deren Fol­gen auszu­gleichen (§ 33 SGB V, § 31 SGB IX). Dazu hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt jetzt ent­schie­den, dass Ver­sicherte, die wegen einer an Taub­heit gren­zen­den Schwer­hö­rig­keit die Klin­gel ihrer Woh­nung auch mit den vor­han­de­nen Hör­ge­rä­ten nicht wahr­neh­men kön­nen, grund­sätz­lich Anspruch auf Ver­sorgung mit einer Licht­si­gnal­an­la­ge haben, durch die die akus­ti­schen Signa­le der Tür­klin­gel in opti­sche Sig­nale umge­wan­delt wer­den. Eine Licht­si­gnal­an­la­ge besteht aus einem Sen­der und min­des­tens einem Emp­fän­ger. Der Sen­der muss mit der Tür­klin­gel durch ein spe­zi­el­les Kabel ver­bun­den wer­den. Er nimmt die akus­ti­schen Signa­le auf und wan­delt die­se in Funk­im­pul­se um, die über die nor­ma­le Steck­dose und das vor­han­de­ne Strom­netz zum Emp­fän­ger über­tra­gen wer­den. Der Emp­fän­ger, eine Blitz­lampe, wan­delt die Funk­im­pul­se in Licht­si­gna­le um. Dabei wird zweck­mä­ßi­ger­wei­se jeder Raum der Woh­nung mit einer Blitz­lam­pe aus­ge­stat­tet.

Licht­si­gnal­an­la­ge bei hoch­gra­di­ger Schwer­hö­rig­keit

Bei einer sol­chen Licht­si­gnal­an­la­ge han­delt es sich um ein Hilfs­mit­tel der gesetz­li­chen Krankenver­sicherung, weil die Bestand­tei­le nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts nicht fest mit dem Gebäu­de ver­bun­den sind und die Anla­ge in jeder ande­ren Woh­nung im Wesent­li­chen unver­än­dert ein­ge­setzt wer­den kann. Es han­delt sich bei dem Ein­bau der Licht­si­gnal­an­la­ge also nicht um eine Maß­nah­me zur Ver­bes­se­rung des indi­vi­du­el­len Wohn­umfeldes; die­se Maß­nah­men fal­len in die Zu­ständigkeit der Pfle­ge­kas­sen (§ 40 SGB XI) und kön­nen nur nach vor­he­ri­ger Fest­stel­lung der Pfle­ge­bedürf­tig­keit bezu­schusst wer­den.

Es geht auch nicht um einen – von der Leis­tungs­pflicht der Kran­ken­kas­sen aus­ge­nom­me­nen – all­gemeinen Gebrauchs­ge­gen­stand des täg­li­chen Lebens (§ 33 Abs 1 SGB V). Ähn­li­che Lichtsignalan­lagen wer­den zwar auch an bestimm­ten Arbeits­plät­zen ein­ge­setzt (z.B. Ton­stu­dio, Call-Cen­ter), regel­mäßig aber nicht von Men­schen mit intak­tem Hör­sinn in ihrem All­tag ver­wen­det.

Der Rechts­streit muss­te jedoch an das Lan­des­so­zi­al­ge­richt zurück­ver­wie­sen wer­den, weil noch ge­klärt wer­den muss, ob der von der Klä­ge­rin ein­ge­reich­te Kos­ten­vor­anschlag hin­sicht­lich aller dort auf­geführten Kom­po­nen­ten und Prei­se dem Grund­satz der Not­wen­dig­keit und Wirt­schaft­lich­keit ent­spricht.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 29. April 2010 – B 3 KR 5/​09 R