Meh­re­re Betriebs­ren­ten – und der Frei­be­trag

Wer­den gleich­zei­tig meh­re­re Betriebs­ren­ten bezo­gen, ist der Frei­be­trag ver­hält­nis­mä­ßig auf­zu­tei­len.

Meh­re­re Betriebs­ren­ten – und der Frei­be­trag

So hat das Sozi­al­ge­richt Karls­ru­he in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den, dass beim Bezug von zwei Betriebs­ren­ten die Bei­trags­er­he­bung recht­mä­ßig ist. Aller­dings hat der Frei­be­trag ver­hält­nis­mä­ßig auf die bei­den Betriebs­ren­ten auf­ge­teilt zu wer­den. Die Kla­ge vor dem Sozi­al­ge­richt Karls­ru­he hat­te teil­wei­se Erfolg.

Im Jahr 2016 zahl­te ein Lebens­ver­si­che­rer auf der Grund­la­ge eines von dem Arbeit­ge­ber abge­schlos­se­nen Direkt­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges ca. 14.000 € an die Klä­ge­rin aus. Mit Wir­kung ab Juli 2017 – seit die­sem Zeit­punkt bezieht die Klä­ge­rin zusätz­lich eine Hin­ter­blie­be­nen-Betriebs­ren­te – setz­ten die Kran­ken- und die Pfle­ge­kas­se der Klä­ge­rin, die Beklag­ten, monat­li­che Bei­trä­ge aus der Kapi­tal­leis­tung fest. Die Klä­ge­rin wen­det sich gegen die Erhe­bung von Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen aus der Kapi­tal­leis­tung einer Lebens­ver­si­che­rung.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Karls­ru­he aus­ge­führt, dass die Bei­trags­pflicht von Leis­tun­gen aus Direkt­ver­si­che­run­gen höchst­rich­ter­lich geklärt. Außer­dem grif­fen die Ein­wän­de der Klä­ge­rin, die Ver­be­bei­tra­gung sei unver­hält­nis­mä­ßig und sie sei unvor­her­seh­bar gewe­sen, nicht durch.

Teil­wei­se begrün­det sei die Kla­ge aber, soweit sie sich gegen die Erhe­bung von Bei­trä­gen zur GKV für die Zeit ab dem 1. Janu­ar 2020 rich­te. Da es sich bei Bei­trags­be­schei­den um sog. Dau­er­ver­wal­tungs­ak­te hand­le, sei­en auch nach Beschei­der­lass ein­tre­ten­de Rechts­än­de­run­gen bei der gericht­li­chen Ent­schei­dung zu berück­sich­ti­gen. Vor­lie­gend sei dies die Rege­lung des § 226 Abs. 2 Satz 2 SGB V, die seit dem 1. Janu­ar 2020 für Ren­ten der betrieb­li­chen Alters­vor­sor­ge, wozu auch die Kapi­tal­leis­tung zäh­le, einen Frei­be­trag von 1/​20 der monat­li­chen Bezugs­grö­ße vor­se­he.

Wie der Frei­be­trag zu ver­tei­len sei, wenn ein Ver­si­cher­ter wie die Klä­ge­rin meh­re­re Betriebs­ren­ten gleich­zei­tig bezie­he, sei gesetz­lich nicht aus­drück­lich gere­gelt. Daher sei die Vor­schrift des § 22 Abs. 2 Satz 1 SGB IV ent­spre­chend anzu­wen­den, die bei Über­schrei­tung der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze wegen des Zusam­men­tref­fens von Ein­kom­men aus ver­schie­de­nen Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­sen die ver­hält­nis­mä­ßi­ge Min­de­rung der ein­zel­nen Ein­künf­te anord­ne. Nach die­sem Maß­stab sei der Frei­be­trag ver­hält­nis­mä­ßig auf die bei­den Betriebs­ren­ten auf­zu­tei­len. Aus der Kapi­tal­leis­tung sei­en daher ab dem 1. Janu­ar 2020 GKV-Bei­trä­ge nur noch in Höhe von 8,66 € statt wie bis­her knapp 17 € geschul­det. Ob die ver­hält­nis­mä­ßi­ge Anrech­nung des Frei­be­tra­ges auf meh­re­re Betriebs­ren­ten kraft Geset­zes ein­tre­te oder einen vor­he­ri­gen Antrag vor­aus­set­ze, kön­ne dahin­ste­hen, weil die Klä­ge­rin in der münd­li­chen Ver­hand­lung jeden­falls einen ent­spre­chen­den Antrag gestellt habe.

Sozi­al­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 29. Janu­ar 2020 – S 6 KR 2676/​18