Akten­ein­sicht beim Finanz­ge­richt – und ihre Pro­ble­me

Ent­schei­dun­gen des Finanz­ge­richt über die Art und Wei­se der Gewäh­rung von Akten­ein­sicht sind nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH kei­ne unan­fecht­ba­ren pro­zess­lei­ten­den Ver­fü­gun­gen [1]. Eine Beschwer­de ist daher grund­sätz­lich statt­haft.

Akten­ein­sicht beim Finanz­ge­richt – und ihre Pro­ble­me

Obwohl der Klä­ger for­mell beschwert ist, wenn sein Antrag auf Akten­ein­sicht in den Kanz­lei­räu­men und sein Hilfs­an­trag auf Anfer­ti­gung voll­stän­di­ger Aus­fer­ti­gun­gen, Abschrif­ten oder Kopien abge­lehnt wor­den sind [2], fehlt es ihm am Rechts­schutz­be­dürf­nis, wenn die Rechts­ver­wirk­li­chung im maß­geb­li­chen Zeit­punkt der Ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts bereits auf ande­re Wei­se erreicht wor­den ist [3]. So hat­te im vor­lie­gen­den Fall hat der Klä­ger sein Ziel, gemäß § 78 Abs. 1 FGO die dem Finanz­ge­richt vor­ge­leg­ten Akten ein­se­hen zu kön­nen, durch die Akten­ein­sicht bei dem AG A am 24.01.2013 und am 27.02.2013 voll­stän­dig erreicht [4].

Ob der Vor­trag des Klä­gers, die vom Finanz­amt über­sand­ten Akten sei­en unvoll­stän­dig, zutref­fend ist, kann dahin­ste­hen. Selbst wenn dies der Fall wäre, stün­de dies dem Weg­fall sei­nes Rechts­schutz­be­dürf­nis­ses nicht ent­ge­gen. Das Recht der Betei­lig­ten auf Akten­ein­sicht nach § 78 Abs. 1 FGO besteht zunächst ein­mal nur hin­sicht­lich der Gerichts­ak­ten und der dem Gericht vor­ge­leg­ten Akten. Bei letz­te­ren han­delt es sich um die­je­ni­gen Akten, wel­che dem Gericht tat­säch­lich vor­lie­gen [5]. Ein Recht auf Ein­sicht in die dem Gericht nicht vor­ge­leg­ten Akten besteht dem­ge­gen­über nicht [6].

Fällt dem Betei­lig­ten bei Ein­sicht der vor­ge­leg­ten Ver­wal­tungs­vor­gän­ge auf, dass Akten oder Akten­tei­le feh­len, mag er dar­auf unter kon­kre­ter Benen­nung der feh­len­den Akten und einer Erläu­te­rung ihrer Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit hin­wei­sen und dem Finanz­ge­richt hier­durch die Mög­lich­keit geben, sich die­se Akten vom Finanz­amt im Rah­men sei­ner Sach­auf­klä­rungs­pflicht (§ 76 Abs. 1 FGO) vor­le­gen zu las­sen. Soll­te das Finanz­ge­richt die Akten auf­grund ihrer Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit bei­zie­hen, ist es dem Klä­ger unbe­nom­men, auch in die­se Akten Ein­sicht zu neh­men. Einen der­ge­stalt kon­kre­ti­sier­ten Antrag hat der Klä­ger im Streit­fall aber bis­lang weder beim Finanz­ge­richt gestellt noch hat ihn das Finanz­ge­richt abge­lehnt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. Sep­tem­ber 2013 – I B 179/​12

  1. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 24.03.1981 – VII B 64/​80, BFHE 133, 8, BStBl II 1981, 475; vom 05.02.2003 – V B 239/​02, BFH/​NV 2003, 800; vom 17.03.2008 – IV B 100, 101/​07, BFH/​NV 2008, 1177[]
  2. zur for­mel­len Beschwer s. Beer­mann in Beermann/​Gosch, FGO § 115 Rz 37 ff.[]
  3. BFH, Beschluss vom 30.07.2009 – VIII B 61/​09[]
  4. vgl. hier­zu BFH, Beschlüs­se vom 12.07.1991 – III B 152/​87, BFH/​NV 1992, 49, und vom 19.05.1995 – III B 40/​92, BFH/​NV 1996, 411; Bran­dis in Tipke/​Kruse, a.a.O., § 78 FGO Rz 21, und Stal­bold in Beermann/​Gosch, FGO § 78 Rz 47, jeweils m.w.N.[]
  5. BFH, Beschlüs­se vom 09.12.2004 – VII B 41/​04; und vom 28.11.2005 – VII B 54/​05, BFH/​NV 2006, 758[]
  6. BFH, Beschlüs­se vom 16.08.1999 – VII B 131/​99, BFH/​NV 2000, 78; vom 08.10.2003 – VII B 321/​02, BFH/​NV 2004, 499; vom 08.12.2006 – XI B 59/​06, BFH/​NV 2007, 737; vom 16.07.2012 – IX B 67/​12, BFH/​NV 2012, 1637; vom 12.12.2012 – XI B 70/​11, BFH/​NV 2013, 705[]