Beschei­dungs­ur­teil – und die Auf­klä­rungs­pflicht des Finanz­ge­richts

Bei einem Beschei­dungs­ur­teil besteht kei­ne Auf­klä­rungs­pflicht des Finanz­ge­richts.

Beschei­dungs­ur­teil – und die Auf­klä­rungs­pflicht des Finanz­ge­richts

Das Finanz­ge­richt hat kei­nen Anlass, einen Anspruch der Klä­ge­rin voll­stän­dig zu prü­fen, da es ein Beschei­dungs­ur­teil nach § 101 Satz 2 FGO erlas­sen hat, das erge­hen kann, wenn die Sache nicht spruch­reif ist und es sich ‑wie hier- um eine Ver­pflich­tungs­kla­ge han­delt 1.

Nach­dem die Klä­ge­rin ent­spre­chen­de Ein­kom­men­steu­er­be­schei­de vor­ge­legt hat­te, war das Finanz­ge­richt der Auf­fas­sung, die Klä­ge­rin erfül­le die per­sön­li­chen Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen nach § 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b i.V.m. § 1 Abs. 3 EStG. Nach Ansicht des Finanz­ge­richts wäre die Streit­sa­che auch dann nicht ent­schei­dungs­reif gewe­sen, wenn die Klä­ge­rin vom Anwen­dungs­be­reich der VO Nr. 1408/​71 erfasst und die Schweiz der zustän­di­ge Staat zur Gewäh­rung von Fami­li­en­leis­tun­gen sein soll­te. Das Finanz­ge­richt hat sich dar­auf beschränkt, die Recht­mä­ßig­keit der Ableh­nungs­ent­schei­dung zu prü­fen und brauch­te die Tat­sa­chen, die für eine abschlie­ßen­de Ent­schei­dung über den Kin­der­geld­an­spruch der Klä­ge­rin von Bedeu­tung sind, nicht selbst zu ermit­teln 2. Damit hat es auch nicht sei­ne Pflicht zur Sach­auf­klä­rung ver­letzt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 9. Juni 2015 – III B 96/​14

  1. s. BFH, Beschluss vom 21.10.1999 – VII B 197/​99, BFH/​NV 2000, 221; Lan­ge in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 101 FGO Rz 10[]
  2. BFH, Urteil vom 02.06.2005 – III R 66/​04, BFHE 210, 265, BSt­Bl II 2006, 184[]