Das Wer­be­schrei­ben des Steu­er­be­ra­ters

Mit­tel der Auf­merk­sam­keits­wer­bung sind einem Steu­er­be­ra­ter in einem Wer­be­schrei­ben, das ins­ge­samt sach­li­cher Unter­rich­tung über die beruf­li­che Tätig­keit dient, nur dann ver­bo­ten, wenn sie Gemein­wohl­be­lan­ge beein­träch­ti­gen. Es über­schrei­tet nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs jedoch den berufs­recht­lich zuläs­si­gen Rah­men sach­be­zo­ge­ner Wer­bung und ver­stößt gegen § 4 Nr. 11 UWG i.V. mit § 57a StBerG, wenn in der Wer­bung eines Steu­er­be­ra­ters die Preis­wür­dig­keit und die fach­li­che Qua­li­tät der Leis­tung von Wett­be­wer­bern in unlau­te­rer Wei­se pau­schal her­ab­ge­setzt wer­den.

Das Wer­be­schrei­ben des Steu­er­be­ra­ters

Nach § 57a StBerG ist dem Steu­er­be­ra­ter Wer­bung erlaubt, soweit sie über die beruf­li­che Tätig­keit in Form und Inhalt sach­lich unter­rich­tet und nicht auf die Ertei­lung eines Auf­trags im Ein­zel­fall gerich­tet ist. Die Bestim­mung wird inhalt­lich teil­wei­se kon­kre­ti­siert durch § 10 BOStB. Danach darf der Steu­er­be­ra­ter über sei­ne beruf­li­che Tätig­keit infor­mie­ren, soweit die Unter­rich­tung sach­lich zutref­fend, objek­tiv nach­prüf­bar und nicht rekla­me­haft ist.

Die Vor­schrift des § 57a StBerG eröff­net nicht eine ansons­ten ver­schlos­se­ne Wer­be­mög­lich­keit, son­dern kon­kre­ti­siert die ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te Wer­be­frei­heit. Des­halb bedarf nicht die Gestat­tung der Steu­er­be­ra­ter­wer­bung der Recht­fer­ti­gung, son­dern ihre Ein­schrän­kung. Sie ist nur dann mit Art. 12 Abs. 1 GG ver­ein­bar, wenn sie im Ein­zel­fall durch aus­rei­chen­de Grün­de des Gemein­wohls gerecht­fer­tigt ist sowie dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ent­spricht 1. Das von den Ange­hö­ri­gen eines frei­en Berufs zu beach­ten­de Sach­lich­keits­ge­bot ver­langt kei­ne auf die Mit­tei­lung nüch­ter­ner Fak­ten beschränk­te Wer­bung 2. Zudem ist es gera­de legi­ti­mer Zweck der auch Steu­er­be­ra­tern grund­sätz­lich erlaub­ten Wer­bung, Kun­den zulas­ten der Kon­kur­renz zu gewin­nen 3. Soweit § 10 BOStB gene­rell Steu­er­be­ra­tern rekla­me­haf­te Dar­stel­lun­gen in der Wer­bung unter­sagt, bedarf dies vor dem Hin­ter­grund der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts einer ein­schrän­ken­den Aus­le­gung.

Die Anlock­wir­kung ist jeder Wer­bung imma­nent. Das Sach­lich­keits­ge­bot ver­langt weder eine auf die Mit­tei­lung nüch­ter­ner Fak­ten beschränk­te Wer­bung 4 noch einen Über­schuss der Sach­in­for­ma­ti­on gegen­über der Anlock­wir­kung 5. Ver­bo­ten und ein­ge­schränkt wer­den kann die Wer­bung eines Steu­er­be­ra­ters nur, um das Ver­trau­en der steu­er­li­che Bera­tung suchen-den Per­so­nen dar­auf zu erhal­ten, dass der Steu­er­be­ra­ter sei­ne Diens­te nicht rein gewerb­lich und gewinn­ori­en­tiert anbie­tet und sei­ne Leis­tun­gen an den Inter­es­sen des Man­dan­ten, nicht aber am eige­nen wirt­schaft­li­chen Vor­teil aus­rich­tet 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Juli 2009 – I ZR 77/​07 – "EKW-Steu­er­be­ra­ter"

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 12.09.2001 – 1 BvR 2265/​00, WRP 2001, 1284, 1285; Beschluss vom 04.08.2003 – 1 BvR 2108/​02, GRUR 2003, 965 f. = WRP 2003, 1213; BGHZ 147, 71, 74 f. – Anwalts­wer­bung II; BGH, Urteil vom 27.01.2005 – I ZR 202/​02, GRUR 2005, 521 – Opti­ma­le Inter­es­sen­ver­tre­tung[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 26.08.2003 – 1 BvR 1003/​02, GRUR 2003, 966, 968 = WRP 2003, 1209; BVerfGE 111, 366, 379 f.; BGH GRUR 2005, 520, 521 – Opti­ma­le Inter­es­sen­ver­tre­tung[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 26.09.2003 – 1 BvR 1608/​02, GRUR 2004, 68, 69; BVerfGE 111, 366, 378[]
  4. BGH GRUR 2005, 520, 521 – Opti­ma­le Inter­es­sen­ver­tre­tung[]
  5. vgl. BVerfG GRUR 2004, 68, 69[]
  6. vgl. BVerfGE 111, 366, 379[]