Das Zwi­schen­ur­teil des Finanzgerichts

Nach § 99 Abs. 2 FGO kann das Finanz­ge­richt durch Zwi­schen­ur­teil über eine oder meh­re­re1 ent­schei­dungs­er­heb­li­che Sach- oder Rechts­fra­gen vor­ab ent­schei­den, wenn dies sach­dien­lich ist und weder der Klä­ger noch der Beklag­te widersprechen.

Das Zwi­schen­ur­teil des Finanzgerichts

Ent­schei­dungs­er­heb­lich sind sol­che Vor­fra­gen, ohne deren Beant­wor­tung ein Urteil über die gel­tend gemach­te Rechts­be­ein­träch­ti­gung nicht mög­lich ist. Ein Zwi­schen­ur­teil kommt des­halb nur zu sol­chen Vor­fra­gen in Betracht, über die mit Sicher­heit auch in einem End­ur­teil zu ent­schei­den wäre2.

Die danach erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Erlass eines Zwi­schen­ur­teils lie­gen im Streit­fall vor. Die vom Finanz­ge­richt ent­schie­de­ne Rechts­fra­ge ist für den vor­lie­gen­den Rechts­streit ent­schei­dungs­er­heb­lich, weil der von den Klä­gern begehr­te steu­er­min­dern­de Ansatz der gezahl­ten Zwi­schen­ge­win­ne vor­aus­setzt, dass die Zwi­schen­ge­win­ne als nega­ti­ve Ein­nah­men bei den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen anzu­se­hen sind. Die Klä­ger und das Finanz­amt haben dem Erlass eines Zwi­schen­ur­teils zudem nicht wider­spro­chen. Der Erlass eines Zwi­schen­ur­teils war auch sach­dien­lich. Denn die mit dem Zwi­schen­ur­teil ent­schie­de­ne Rechts­fra­ge ist logisch vor­ran­gig gegen­über der Fra­ge, ob die nega­ti­ven Ein­nah­men zu ledig­lich beschränkt ver­re­chen­ba­ren Ver­lus­ten aus einem Steu­er­stun­dungs­mo­dell i.S. des § 20 Abs. 2b i.V.m. § 15b Abs. 2 EStG füh­ren. Wäre näm­lich das Vor­lie­gen nega­ti­ver Ein­nah­men zu ver­nei­nen, stell­te sich die Fra­ge nach deren Aus­gleichs­fä­hig­keit bzw. blo­ßer Ver­re­chen­bar­keit nicht mehr.

Zwi­schen­ur­tei­le i.S. des § 99 Abs. 2 FGO sind selb­stän­dig mit der Revi­si­on anfecht­bar3. § 115 Abs. 1 FGO, wonach die Revi­si­on gegen Urtei­le des Finanz­ge­richts gege­ben ist, sieht kei­ne Ein­schrän­kung hin­sicht­lich der Urteils­art vor.

Weiterlesen:
Zwischenurteil - und die gleichzeitige Verfahrensaussetzung

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 4. August 2020 – VIII R 13/​17

  1. vgl. BFH, Urteil vom 19.04.1994 – VIII R 48/​93, BFH/​NV 1995, 84[]
  2. BFH, Urteil vom 01.03.2001 – IV R 90/​99, BFH/​NV 2001, 904, m.w.N.[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 04.02.1999 – IV R 54/​97, BFHE 187, 418, BStBl II 2000, 139, m.w.N.[]