Der auf dem Post­weg ver­lo­ren­ge­gan­ge­ne frist­wah­ren­de Schrift­satz

Gemäß § 56 Abs. 1 FGO ist dem­je­ni­gen, der ohne Ver­schul­den ver­hin­dert war, eine gesetz­li­che Frist ein­zu­hal­ten, auf Antrag Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zu gewäh­ren. Der Antrag ist bei Ver­säu­mung der Frist zur Begrün­dung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de bin­nen eines Monats nach Weg­fall des Hin­der­nis­ses zu stel­len (§ 56 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 2 FGO).

Der auf dem Post­weg ver­lo­ren­ge­gan­ge­ne frist­wah­ren­de Schrift­satz

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH ist aus § 56 Abs. 2 FGO zu fol­gern, dass die Tat­sa­chen, die eine Wie­der­ein­set­zung recht­fer­ti­gen kön­nen, inner­halb der Frist des § 56 Abs. 2 Satz 1 FGO voll­stän­dig, sub­stan­ti­iert und in sich schlüs­sig dar­zu­le­gen sind 1. Beruft sich der Klä­ger dar­auf, dass das maß­geb­li­che Schrei­ben auf dem Post­we­ge ver­lo­ren­ge­gan­gen sei, sind ins­be­son­de­re Anga­ben dazu erfor­der­lich, zu wel­chem Zeit­punkt (Tag und Uhr­zeit) der Brief­um­schlag von wel­cher Per­son und auf wel­che Wei­se (Ein­wurf in einen bestimm­ten Post­brief­kas­ten) zur Post auf­ge­ge­ben wor­den ist 2. Außer­dem ist eine Schil­de­rung der Fris­ten­kon­trol­le nach Art und Umfang erfor­der­lich 3. Ist dies nicht gesche­hen, kann Wie­der­ein­set­zung nur gewährt wer­den, wenn ein Wie­der­ein­set­zungs­grund offen­kun­dig, gerichts­be­kannt oder akten­kun­dig ist.

Im vor­lie­gen­den Fall, in dem der Bun­des­fi­nanz­hof eine Wie­der­ein­set­zung ver­sagt hat, hat der Klä­ger nur mit­ge­teilt, dass die Begrün­dung am 21.04.2014 per Post ver­sandt wor­den sei. Wei­te­re Anga­ben zu den nähe­ren Umstän­den der Auf­ga­be des Schrei­bens zur Post hat der Klä­ger weder inner­halb der Wie­der­ein­set­zungs­frist gemacht noch kön­nen sol­che Umstän­de aus Unter­la­gen ent­nom­men wer­den, die dem BFH inner­halb der Wie­der­ein­set­zungs­frist vor­ge­le­gen haben. Eben­so feh­len Anga­ben zu Art und Umfang der Fris­ten­kon­trol­le. Um sei­nen Vor­trag schlüs­sig zu machen, wären ins­be­son­de­re Erläu­te­run­gen zur Fra­ge erfor­der­lich gewe­sen, wie­so der Klä­ger am 9.05.2014 eine Beschwer­de­be­grün­dung "vor­ab per Tele­fax" ver­sandt hat, obwohl er den Hin­weis des Bun­des­fi­nanz­hofs­vor­sit­zen­den zu die­sem Zeit­punkt noch gar nicht erhal­ten hat­te (Zugang 10.05.2014) und des­halb ‑nach sei­nem Vor­trag- davon aus­ge­hen hät­te müs­sen, dass die am 21.04.2014 ver­sand­te Beschwer­de­be­grün­dung bereits beim Bun­des­fi­nanz­hof ein­ge­gan­gen war. Damit hat der Klä­ger inner­halb der Wie­der­ein­set­zungs­frist den Kern des Wie­der­ein­set­zungs­grun­des nicht hin­rei­chend voll­stän­dig, sub­stan­ti­iert und in sich schlüs­sig dar­ge­legt.

Über­dies hat der Klä­ger den Wie­der­ein­set­zungs­grund auch nicht hin­rei­chend glaub­haft gemacht.

Gemäß § 56 Abs. 2 Satz 2 FGO sind die Tat­sa­chen zur Begrün­dung des Wie­der­ein­set­zungs­an­trags bei der Antrag­stel­lung oder im Ver­fah­ren über den Antrag glaub­haft zu machen.

Der Klä­ger hat nur eine teil­wei­se Kopie einer Sei­te aus einem Post­aus­gangs­buch vor­ge­legt, aus der eine Ein­tra­gung für den 21.04.2014 her­vor­geht, wonach eine Beschwer­de­be­grün­dung in Sachen einer Prü­fungs­an­ord­nung an den BFH gesen­det wor­den sei. Hier­aus lässt sich ins­be­son­de­re nicht mit hin­rei­chen­der Wahr­schein­lich­keit ent­neh­men, dass in der Kanz­lei des Klä­gers eine wirk­sa­me Fris­ten­kon­trol­le statt­ge­fun­den hat. Über den oben dar­ge­leg­ten Schlüs­sig­keits­man­gel hin­aus erge­ben sich erheb­li­che Zwei­fel an einer sol­chen Fris­ten­kon­trol­le dar­aus, dass die Schrift­sät­ze über die Ein­le­gung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de, über den Antrag auf Wie­der­ein­set­zung und über die Nach­rei­chung der Beschwer­de­be­grün­dung nicht auf der über­mit­tel­ten Kopie des Post­aus­gangs­buchs ver­zeich­net sind, obwohl sie in den dort auf­ge­zeich­ne­ten Zeit­rah­men fal­len. Die blo­ße Behaup­tung des Klä­gers, er habe im Post­aus­gangs­buch nur Schrift­stü­cke ein­ge­tra­gen, bei wel­chen der Ver­sand nicht durch ande­re Bele­ge (z.B. Fax­pro­to­koll) glaub­haft gemacht wer­den kön­ne, genügt für eine Glaub­haft­ma­chung der wirk­sa­men Fris­ten­kon­trol­le nicht, zumal etwa der Wie­der­ein­set­zungs­an­trag dem BFH nicht per Tele­fax über­mit­telt wur­de. Dies gilt umso mehr als der Klä­ger sehr unge­wöhn­li­che Umstän­de behaup­tet, wenn er dar­legt, dass an dem betref­fen­den Absen­de­tag (21.04.2014) sowohl sein Tele­fax­ge­rät nicht funk­ti­ons­fä­hig gewe­sen, als auch die Brief­sen­dung auf dem Post­weg ver­lo­ren gegan­gen sei.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 2. Dezem­ber 2014 – III B 36/​14

  1. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 24.04.2008 – IX B 164/​07, BFH/​NV 2008, 1349, m.w.N.; BFH, Beschluss vom 23.09.2010 – III R 64/​09, BFH/​NV 2011, 54[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 12.04.1989 – II B 197/​88, BFH/​NV 1990, 298; vom 13.07.1989 – VIII R 64/​88, BFH/​NV 1990, 577; und vom 20.05.2011 – V S 10/​11, BFH/​NV 2011, 1526[]
  3. BFH, Beschluss vom 10.03.1994 – IX R 43/​90, BFH/​NV 1994, 813; BFH, Urteil vom 20.11.1987 – III R 208/​84, – III R 210 – 211/​84, BFH/​NV 1989, 370[]