Die Vor­ab­ent­schei­dung des EuGH erspart den Gro­ßen Senat

Ein Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs kann unge­ach­tet frü­he­rer abwei­chen­der Ent­schei­dung eines ande­ren Senats zu einer bestimm­ten Rechts­fra­ge ohne Anfra­ge bei die­sem Senat oder Anru­fung des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs nach § 11 Abs. 2 und 3 FGO und damit ohne Ver­stoß gegen das Gebot des gesetz­li­chen Rich­ters in der Sache abwei­chend ent­schei­den, wenn die­sel­be Rechts­fra­ge zwi­schen­zeit­lich durch den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ent­schie­den wor­den ist und sich der spä­ter erken­nen­de Senat die­ser Rechts­an­sicht anschließt.

Die Vor­ab­ent­schei­dung des EuGH erspart den Gro­ßen Senat

Wird der Ent­zug des gesetz­li­chen Rich­ters gerügt, weil ein Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs ent­schie­den habe, ohne zuvor den Gro­ßen Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs ange­ru­fen zu haben, liegt ein Wie­der­auf­nah­me­grund nach stän­di­ger BFH-Recht­spre­chung dann vor, wenn nicht nur die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 2 oder 3 FGO erfüllt sind, son­dern in der Nicht­an­ru­fung oder Nicht­vor­la­ge ein will­kür­li­ches Ver­hal­ten des Gerichts liegt 1.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall waren nach sei­ner Ansicht schon die Vor­aus­set­zun­gen nach § 11 Abs. 2 und 3 FGO nicht erfüllt:

Danach ent­schei­det der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs, wenn ein Senat in einer Rechts­fra­ge von der Ent­schei­dung eines ande­ren Senats abwei­chen will (§ 11 Abs. 2 FGO) und der Senat, von des­sen Ent­schei­dung abge­wi­chen wer­den soll, auf Anfra­ge des erken­nen­den Senats erklärt hat, dass er an sei­ner Rechts­auf­fas­sung fest­hält (§ 11 Abs. 3 Satz 1 FGO).

Aller­dings Wird der Ent­zug des gesetz­li­chen Rich­ters gerügt, weil ein Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs ent­schie­den habe, ohne zuvor den Gro­ßen Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs ange­ru­fen zu haben, liegt ein Wie­der­auf­nah­me­grund nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs dann vor, wenn nicht nur die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 2 oder 3 FGO erfüllt sind, son­dern in der Nicht­an­ru­fung oder Nicht­vor­la­ge ein will­kür­li­ches Ver­hal­ten des Gerichts liegt 1.

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits in sei­nem Urteil in BFHE 226, 296, BSt­Bl II 2016, 438 aus­ge­führt hat, bedarf es einer sol­chen Anfra­ge bei dem ande­ren Senat und damit auch einer Ent­schei­dung des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht, wenn die­sel­be Rechts­fra­ge zwi­schen­zeit­lich durch den Uni­ons­ge­richts­hof ent­schie­den wor­den ist und sich der spä­ter erken­nen­de Senat die­ser Rechts­an­sicht anschlie­ßen will 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 13. Juli 2016 – VIII K 1/​16

  1. BFH, Urteil vom 12.01.2011 – I K 1/​10, BFH/​NV 2011, 1159; vgl. auch BFH, Beschluss vom 29.01.1992 – VIII K 4/​91, BFHE 165, 569, BSt­Bl II 1992, 252; BFH, Urteil vom 05.11.1993 – VI K 2/​92, BFH/​NV 1994, 395[][]
  2. vgl. Gräber/​Herbert, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 11 Rz 18, m.w.N.[]