(Doppel-)Vergabe von Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern

Obwohl jedem Steu­er­pflich­ti­gen laut Abga­ben­ord­nung nur eine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zuge­ord­net wer­den darf, ist es seit 2010 in 106.029 Fäl­len zur Ver­ga­be meh­re­rer Num­mern gekom­men. Die­se Mehr­fach­zu­wei­sun­gen müs­sen nun durch Still­le­gung der über­zäh­li­gen Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern wie­der berei­nigt wer­den.

(Doppel-)Vergabe von Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern

Die Ver­wal­tung der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer obliegt nach § 139a ff. AO und nach § 5 Absatz 1 Num­mer 22 des Finanz­ver­wal­tungs­ge­set­zes dem Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern.

Die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer ist neben dem Geburts­da­tum, den Anga­ben zum Dienst­ver­hält­nis (§ 39e Absatz 4 Satz 1 Num­mer 1 und 2 EStG) und dem ggf. nach § 39a Absatz 1 Satz 1 Num­mer 7 EStG fest­ge­stell­ten Frei­be­trag nur ein Bestand­teil zum Abruf der ELS­tAM (Elek­tro­ni­sche Lohn­steu­er­ab­zugs­merk­ma­le). Die ELS­tAM wer­den aus von Mel­de­be­hör­den und Finanz­äm­tern gelie­fer­ten Daten gebil­det, nicht aus der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer.

Erstel­lung einer Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer[↑]

Im lau­fen­den Pro­zess erfolgt im Fal­le einer Geburt oder eines Zuzugs eines mel­de­pflich­ti­gen Bür­gers aus dem Aus­land – sowie in Fäl­len, in denen der Bür­ger aus ande­ren Grün­den erst­mals mel­de­pflich­tig wird – die Erfas­sung die­ses Bür­gers im Mel­de­re­gis­ter. Damit ist auto­ma­ti­siert die elek­tro­ni­sche Über­mitt­lung einer Nach­richt an das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern zur Ver­ga­be einer Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer ver­bun­den. Eben­so tritt der Sach­ver­halt auf, dass ein Steu­er­pflich­ti­ger nach zwi­schen­zeit­lich nicht bestehen­der Mel­de­pflicht erneut mel­de­pflich­tig wird oder wie­der aus dem Aus­land zuzieht (z. B. Ern­te­hel­fer), so dass schon eine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zuge­ord­net wor­den sein müss­te. Die hier­zu von den Mel­de­be­hör­den an das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern auto­ma­ti­siert über­mit­tel­te Nach­richt ist ver­kenn­zif­fert, so dass erkenn­bar wird, ob die Zuord­nung der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer auf­grund eines Wie­der­zu­zugs oder tat­säch­lich auf­grund einer erst­ma­li­gen Zuord­nung benö­tigt wird. Die Qua­li­tät der in die­ser Nach­richt über­mit­tel­ten per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten des Bür­gers ist beim Zuzug und Wie­der­zu­zug eines Bür­gers von sei­nen Anga­ben abhän­gig.

Kom­men seit dem Start der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer-Daten­bank im Jahr 2007 Daten einer wei­te­ren Per­son hin­zu, wer­den die­se mit dem schon vor­han­de­nen Per­so­nen­be­stand ver­gli­chen. Gesucht wird nach vor­han­den Per­so­nen­da­ten­sät­zen, die dem neu­en Daten­Satz so ähn­lich sind, dass nicht aus­zu­schlie­ßen ist, dass Per­so­nen­iden­ti­tät besteht. Wird eine erheb­li­che Ähn­lich­keit fest­ge­stellt, wird die für die hin­zu­kom­men­de Per­son zustän­di­ge Mel­de­be­hör­de auf­ge­for­dert zu klä­ren, ob es sich um zwei ver­schie­de­ne Per­so­nen oder um die­sel­be Per­son han­delt. Die ent­spre­chen­de Nach­richt beinhal­tet die Infor­ma­tio­nen über die zur Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer-Daten­bank hin­zu­kom­men­de Per­son als auch Daten der mög­li­cher­wei­se iden­ti­schen Per­so­nen und Hin­wei­se auf die für die­se Per­so­nen zustän­di­gen Mel­de­be­hör­den. Mit die­sen Hin­wei­sen kann die Mel­de­be­hör­de den Sach­ver­halt prü­fen. Bestä­tigt die für die hin­zu­kom­men­de Per­son zustän­di­ge Mel­de­be­hör­de, dass kei­ne Per­so­nen­iden­ti­tät mit dem vor­han­de­nen Daten­be­stand der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer-Daten­bank besteht, wird eine neue Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zuge­ord­net.

Wird aus steu­er­li­chen Grün­den die Ver­ga­be einer Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer für nicht mel­de­pflich­ti­ge Bür­ger erfor­der­lich, wird der hier­zu erfor­der­li­che Ver­wal­tungs­vor­gang durch das Finanz­amt ange­sto­ßen. Die Mit­ar­bei­ter in den Finanz­äm­tern sind eben­so ver­pflich­tet, vor­ab durch eine Recher­che in der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer- Daten­bank fest­zu­stel­len, ob einem Steu­er­pflich­ti­gen bereits eine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zuge­ord­net wor­den ist. Nur wenn das nicht der Fall ist, darf ein Hin­weis an das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern für den Bedarf nach Zuord­nung einer Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer erfol­gen.

Erfolgt die Neu­an­la­ge des Per­so­nen­da­ten­sat­zes auf­grund eines Hin­wei­ses eines Drit­ten oder des Steu­er­pflich­ti­gen an das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern, wer­den eben­falls vor­ab ent­spre­chen­de auto­ma­ti­sier­te und manu­el­le Recher­chen durch­ge­führt.

Löschung einer Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer[↑]

Bei dem Begriff „Löschung“ ist zu unter­schei­den zwi­schen der tat­säch­li­chen phy­si­ka­li­schen Löschung, der Löschung nach § 4 der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer­ver­ord­nung und der Still­le­gung einer Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer.

Eine phy­si­ka­li­sche Löschung bedeu­tet eine voll­stän­di­ge phy­si­ka­li­sche Ent­fer­nung der Daten aus der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer-Daten­bank ohne Pro­to­kol­lie­rung. Aus die­sem Grund kön­nen hier­zu kei­ne Anga­ben ermit­telt wer­den. Eine Löschung nach § 4 der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer­ver­ord­nung kam bis­her nicht vor, da die zu einer Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer gespei­cher­ten Daten grund­sätz­lich erst 20 Jah­re nach Ablauf des Kalen­der­jah­res zu löschen sind, in dem der Steu­er­pflich­ti­ge ver­stor­ben ist.

Mehr­fach­ver­ga­be einer Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­nuzmmer[↑]

Der Sach­ver­halt, dass eine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer aus dem Pool der noch nicht beleg­ten Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern im Wege der Erst­ver­ga­be meh­re­ren Steu­er­pflich­ti­gen zuge­ord­net wur­de, ist soft­ware­sei­tig aus­ge­schlos­sen. Daher waren zu ent­spre­chen­den Sach­ver­hal­ten, die umgangs­sprach­lich auch als Mehr­fach­ver­ga­ben bezeich­net wer­den, kei­ne Still­le­gun­gen erfor­der­lich. Von der Erst­ver­ga­be ist die soge­nann­te Daten­ver­mi­schung zu unter­schei­den.

Hier­un­ter ist der Sach­ver­halt zu ver­ste­hen, dass zu einer Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer die Daten zu mehr als einem Steu­er­pflich­ti­gen gespei­chert sind. Hier­zu lie­gen cir­ca 2 500 Hin­wei­se vor. Davon sind cir­ca 440 Hin­wei­se auf­ge­klärt. Die Berei­ni­gung erfolgt, indem die von der Daten­ver­mi­schung betrof­fe­ne Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer still­ge­legt wird und den betrof­fe­nen Steu­er­pflich­ti­gen neue Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern zuge­ord­net wer­den.

Zusätz­lich ist zur Erst­ver­ga­be und der Daten­ver­mi­schung die Mehr­fach­er­fas­sung zu dif­fe­ren­zie­ren. Hier­un­ter wird der Sach­ver­halt ver­stan­den, in dem einem Steu­er­pflich­ti­gen mehr als eine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zuge­ord­net wor­den ist. Nach § 139a der Abga­ben­ord­nung ist jedem Steu­er­pflich­ti­gen genau eine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zuzu­ord­nen. Um die Ein­deu­tig­keit der Zuord­nung zu gewähr­leis­ten, wird eine Mehr­fach­er­fas­sung in der Wei­se berei­nigt, dass die über­zäh­li­gen Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern still­ge­legt wer­den, so dass für den Steu­er­pflich­ti­gen nur eine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer besteht.

Ins­ge­samt sind auf­grund von Mehr­fach­er­fas­sun­gen von Steu­er­pflich­ti­gen bis Ende Novem­ber 2013 106.029 Still­le­gun­gen erfolgt.

Die Zuord­nung einer Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zu meh­re­ren Per­so­nen ist soft­ware­tech­nisch aus­ge­schlos­sen. Mehr­fach­er­fas­sun­gen wird dadurch begeg­net, dass ähn­li­che und damit zu ver­glei­chen­de Per­so­nen auto­ma­ti­siert mit­tels einer feh­ler­to­le­ran­ten pho­ne­ti­schen Suche ermit­telt wer­den. Dabei han­delt es sich um einen vor­de­fi­nier­ten Rah­men, inner­halb des­sen Namen mit ähn­lich Lau­ten gesucht wer­den. Daten­ver­mi­schun­gen wird durch eine stän­di­ge Plau­si­bi­li­täts­prü­fung auf das Geburts­da­tum begeg­net.

Hin­wei­se auf Mehr­fach­ver­ga­ben erhält das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern übri­gens nur in einem Drit­tel der Fäl­le durch die Finanz­äm­ter:

  • Cir­ca 40 Pro­zent der Hin­wei­se wur­den von Mel­de­be­hör­den an das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern über­mit­telt.
  • Cir­ca 32 Pro­zent der Hin­wei­se erfolg­ten durch Finanz­äm­ter.
  • Cir­ca 18 Pro­zent der Hin­wei­se wur­den von Drit­ten über­mit­telt, die zur Abga­be einer steu­er­li­chen Beschei­ni­gung oder Kon­troll­mit­tei­lung ver­pflich­tet sind, und dafür die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer als Ord­nungs­kri­te­ri­um der Über­mitt­lung nut­zen.
  • Cir­ca 9 Pro­zent der Hin­wei­se erfolg­ten durch die Steu­er­pflich­ti­gen.
  • Cir­ca 1 Pro­zent der Hin­wei­se erfolg­ten aus dem im Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern zustän­di­gen Fach­be­reich her­aus, wenn in der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer- Daten­bank über die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer recher­chiert wer­den muss.

Prü­fung der Per­so­nen­iden­ti­tät bei der Ver­ga­ben einer Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer[↑]

Die Prü­fung der Per­so­nen­iden­ti­tät ist essen­ti­ell für die Daten­qua­li­tät in der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer-Daten­bank. Es sind daher seit Beginn des Ver­fah­rens meh­re­re Maß­nah­men ergrif­fen wor­den. Den Mel­de­be­hör­den sind vom Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern – neben der tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­ti­on für den Aus­tausch von Daten zwi­schen den Mel­de­be­hör­den und dem Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern – auch häu­fig gestell­te Fra­gen (FAQ) zur Ver­fü­gung gestellt wor­den. Dar­in kön­nen sich die Mel­de­be­hör­den über die Prü­fung der Per­so­nen­iden­ti­tät und die dar­aus fol­gen­den Kon­se­quen­zen für die Zuord­nung der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer infor­mie­ren. Die FAQ des Bun­des­zen­tral­am­tes für Steu­ern wer­den auf www.bzst.de unter Steu­ern national/​Steueridentifikationsnummer/​Fra­gen & Ant­wor­ten ver­öf­fent­licht. Die Mel­de­be­hör­den haben dar­über hin­aus die Mög­lich­keit, sich durch Mit­ar­bei­ter des Bun­des­zen­tral­am­tes für Steu­ern an einer spe­zi­ell für die Mel­de­be­hör­den ein­ge­rich­te­ten Hot­line Hil­fe­stel­lung geben zu las­sen. Wei­ter­ge­hend sind spe­zi­el­le Hand­rei­chun­gen zur Prü­fung der Per­so­nen­iden­ti­tät erstellt und an Mel­de­be­hör­den ver­teilt wor­den.

Es kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass es bei der Prü­fung der Per­so­nen­iden­ti­tät zu indi­vi­du­el­len Sach­be­ar­bei­tungs­feh­lern kommt. Außer­dem kann die Ähn­lich­keits­su­che in Ein­zel­fäl­len unzu­tref­fen­de Ergeb­nis­se lie­fern. Des­halb ist von Sei­ten der Finanz­ver­wal­tung geplant, regel­mä­ßig Such­läu­fe in der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer-Daten­bank zu ver­an­las­sen, um Hin­wei­se auf mög­li­che Mehr­fach­er­fas­sun­gen vor­beu­gend zu iden­ti­fi­zie­ren.

Wird einer Mel­de­be­hör­de ange­zeigt, dass eine neu zum Daten­be­stand in der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer-Daten­bank hin­zu­kom­men­de Per­son einer schon vor­han­de­nen Per­son so sehr ähnelt, dass eine Per­so­nen­iden­ti­tät nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, sind indi­vi­du­el­le Sach­be­ar­bei­tungs­feh­ler nicht aus­ge­schlos­sen. Die Mel­de­be­hör­de ist gehal­ten, mit der für die ähn­li­che Per­son zustän­di­gen Mel­de­be­hör­de zu klä­ren, ob eine Per­so­nen­iden­ti­tät tat­säch­lich vor­liegt. Gehen die Mit­ar­bei­ter fälsch­li­cher­wei­se davon aus, dass kei­ne Per­so­nen­iden­ti­tät vor­liegt, obwohl es sich um ein und die­sel­be Per­son han­delt, wird der „neu­en“ Per­son eine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zuge­ord­net. Tat­säch­lich kommt es somit zur Mehr­fach­er­fas­sung einer Per­son.

Gehen die Mit­ar­bei­ter fälsch­li­cher­wei­se davon aus, dass Per­so­nen­iden­ti­tät vor­liegt, obwohl es sich um zwei Per­so­nen han­delt, wer­den die Daten der „neu­en“ Per­son den Daten der schon vor­han­de­nen Per­son hin­zu­ge­spei­chert. Es kommt zu einer Daten­ver­mi­schung.

Bei einem Zuzug inner­halb Deutsch­lands erhebt die Mel­de­be­hör­de eben­so wie bei einem Zuzug aus dem Aus­land die Daten des Steu­er­pflich­ti­gen. Kommt es im Aus­tausch der Mel­de­be­hör­den unter­ein­an­der zu Sach­be­ar­bei­tungs­feh­lern, wird die schon zuge­ord­ne­te Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer nicht von einer Mel­de­be­hör­de zur ande­ren über­tra­gen, so dass eine Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer erneut ange­for­dert wird. Der dabei ent­ste­hen­de Hin­weis auf die mög­li­che Per­so­nen­iden­ti­tät birgt dann wie­der­um das Risi­ko der Falsch­be­ant­wor­tung.

Eben­so kann es bei der Erhe­bung der Daten zu Pro­ble­men kom­men. Wei­chen die aktu­ell erho­be­nen Daten von den bereits für den Steu­er­pflich­ti­gen gespei­cher­ten Daten erheb­lich ab, erkennt die auto­ma­ti­sier­te Ähn­lich­keits­su­che, den neu­en und den bereits vor­han­de­nen Daten­satz nicht als aus­rei­chend ähn­lich, um den Klä­rungs­pro­zess zu ver­an­las­sen. Es kommt zu einer Mehr­fach­er­fas­sung.

Prüf­zif­fer in der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer[↑]

Die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer ent­hält eine Prüf­zif­fer, die nach einem kom­bi­nier­ten Modu­lo-Ver­fah­ren (Rest­wert­be­rech­nung mit ganz­zah­li­ger Divi­si­on durch 10 und 11) berech­net wird. Die­ses Vor­ge­hen ist ein welt­wei­ter mathe­ma­ti­scher Stan­dard zur Berech­nung von Prüf­zif­fern.

Neu­ver­ga­be einer Steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer[↑]

Da die zu einer Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer gespei­cher­ten Daten nach § 4 der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer­ver­ord­nung grund­sätz­lich erst 20 Jah­re nach Ablauf des Kalen­der­jah­res zu löschen sind, in dem der Steu­er­pflich­ti­ge ver­stor­ben ist, kam der Fall der Löschung der zu einer Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer gespei­cher­ten Daten bis­her noch nicht vor. Auch wur­de bis­her kei­ne still­ge­leg­te Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer neu ver­ge­ben. Auf­grund eines aus­rei­chen­den Vor­rats an „frei­en“ Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern ist der­zeit eine „Wie­der­ver­wen­dung“ nicht vor­ge­se­hen.

Wel­che Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer und wel­che Elek­tro­ni­schen Lohn­steu­er­ab­zugs­merk­ma­le (ELS­tAM) habe ich?[↑]

Es gibt kein Ver­fah­ren, bei dem die Steu­er­pflich­ti­gen online zeit­nah ihre Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer sel­ber ein­se­hen kön­nen. Ein sol­ches Ver­fah­ren wird von der Finanz­ver­wal­tung auch nicht für erfor­der­lich gehal­ten, da die Steu­er­pflich­ti­gen über die Zuord­nung der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer nach § 6 Absatz 1 der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer­ver­ord­nung unver­züg­lich schrift­lich unter­rich­tet wer­den.

Und wenn ich mei­ne Steu­er­iden­ti­fi­ka­t­ins­num­mer ver­ges­sen haben? Dann bleibt dem Steu­er­pflich­ti­gen nur, beim Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern einen Aus­kunfts­an­trag nach § 19 BDSG zu stel­len. Dem Steu­er­pflich­ti­gen steht nach § 19 BDSG das Recht zu, Aus­kunft über die über ihn gespei­cher­ten Daten zu ver­lan­gen. Dies gilt auch gegen­über der Finanz­ver­wal­tung. Dabei muss aber sicher­ge­stellt sein, dass die Aus­kunft nur dem tat­säch­lich Berech­tig­ten erteilt wird. Stellt der Steu­er­pflich­ti­ge fest, dass die zu sei­ner Per­son gespei­cher­ten Daten unzu­tref­fend sind, steht ihm nach § 20 BDSG ein Anspruch auf Berich­ti­gung zu. Anders sieht das für die Elek­tro­ni­schen Lohn­steu­er­ab­zugs­merk­ma­le (ELS­tAM) aus: Hier kann jeder Steu­er­pflich­ti­ge die für ihn gebil­de­ten aktu­el­len Elek­tro­ni­schen Lohn­steu­er­ab­zugs­merk­ma­le über das Els­te­rOn­line-Por­tal ein­se­hen. Dazu ist aller­dings eine kos­ten­freie Regis­trie­rung unter Ver­wen­dung der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer im Els­te­rOn­line-Por­tal not­wen­dig.

Ver­gleich­ba­re Ansprü­che bestehen auch für die Erben eines ver­stor­be­nen Steu­er­pflich­ti­gen: Die Erben des Steu­er­pflich­ti­gen sind im Besteue­rungs­ver­fah­ren Gesamt­rechts­nach­fol­ger i. S. d. § 45 AO. Sie tre­ten inso­weit in die Recht­stel­lung des ver­stor­be­nen Steu­er­pflich­ti­gen ein. Der Aus­kunfts­an­spruch des Steu­er­pflich­ti­gen nach § 19 BDSG sowie der Kor­rek­tur­an­spruch des Steu­er­pflich­ti­gen nach § 20 des BDSG steht den Erben als Gesamt­recht­nach­fol­ger anlog zu. Wird daher eine Aus­kunft zur Klä­rung eines steu­er­li­chen Sach­ver­hal­tes benö­tigt, muss die Aus­kunft erteilt wer­den.

Kor­rek­tur­mög­lich­kei­ten für den Steu­er­pflich­ti­gen[↑]

Sofern der Steu­er­pflich­ti­ge fest­stellt, dass sei­ne Lohn­steu­er­ab­zugs­merk­ma­le feh­ler­haft sind, kann er sich an sein Finanz­amt wen­den und die Daten kor­ri­gie­ren las­sen. Nach der Kor­rek­tur wer­den dem Arbeit­ge­ber des Steu­er­pflich­ti­gen die kor­ri­gier­ten Elek­tro­ni­schen Lohn­steu­er­ab­zugs­merk­ma­le zum Abruf zur Ver­fü­gung gestellt. Soweit der Feh­ler vom Finanz­amt auf­grund der Mel­de­da­ten tech­nisch nicht rich­tig gestellt wer­den kann, stellt das Finanz­amt des Steu­er­pflich­ti­gen eine Beschei­ni­gung für den Lohn­steu­er­ab­zug zur Vor­la­ge bei sei­nem Arbeit­ge­ber aus und sperrt die elek­tro­ni­sche Abruf­mög­lich­keit des Arbeit­ge­bers. Damit ist bis zur Besei­ti­gung des tech­ni­schen Pro­blems der rich­ti­ge Lohn­steu­er­ab­zug gewähr­leis­tet.

Stellt der Steu­er­pflich­ti­ge fest, dass sei­ne Daten zur Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer feh­ler­haft sind, kann er sich auch direkt an das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern wen­den.

Ver­wen­dungs­mög­lich­kei­ten der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer[↑]

Bei der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer han­delt es sich um ein bereichs­spe­zi­fi­sches Ord­nungs­merk­mal für Zwe­cke des Besteue­rungs­ver­fah­rens. Als sol­ches ist die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs mit dem Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ver­ein­bar [1]. Es ist jedoch nicht zuläs­sig, die Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer für wei­te­re Zwe­cke neben dem Besteue­rungs­ver­fah­ren ein­zu­set­zen.

  1. BFH, Urteil vom 18.01.2012 – II R 49/​10[]