Betrieb­li­cher Schuld­zin­sen­ab­zug

Durch das Steu­er­be­rei­ni­gungs­ge­setz 1999 hat der Gesetz­ge­ber den betrieb­li­chen Schuld­zin­sen­ab­zug ab dem Wirt­schafts­jahr 1999 bzw. 1998/​1999 in § 4 Abs. 4a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) neu gere­gelt. Schuld­zin­sen, die auf Über­ent­nah­men des Betriebs­in­ha­bers beru­hen, sind seit­her nicht mehr abzieh­bar. Von einer Über­ent­nah­me ist nach der gesetz­li­chen Bestim­mung dann aus­zu­ge­hen, wenn der Betriebs­in­ha­ber dem Betrieb liqui­de Mit­tel ent­nimmt, die die Sum­me der erziel­ten Gewin­ne und getä­tig­ten Ein­la­gen über­stei­gen. Zu die­sem Pro­blem­kreis muss­te nun der Bun­des­fi­nanz­hof in zwei Urteil Stel­lung neh­men:

Betrieb­li­cher Schuld­zin­sen­ab­zug

In dem ers­ten Urteil hat der Bun­des­fi­nanz­hof nun ent­schie­den, dass der Schuld­zin­sen­ab­zug ab dem Wirt­schafts­jahr 1999 bzw. 1998/​1999 zwei­stu­fig zu prü­fen ist. Zunächst ist zu klä­ren, ob der betref­fen­de Kre­dit nach den von der Recht­spre­chung schon vor Jah­ren auf­ge­stell­ten Grund­sät­zen zum Mehr­kon­ten­mo­dell eine betrieb­li­che oder pri­va­te Schuld ist. Ent­fal­len die Schuld­zin­sen auf einen pri­vat ver­an­lass­ten Kre­dit, schei­det der Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug aus. Ergibt die Prü­fung, dass der Kre­dit betrieb­lich ver­an­lasst war, ist dann in einem wei­te­ren Schritt zu prü­fen, ob die betrieb­lich ver­an­lass­ten Schuld­zin­sen auf Über­ent­nah­men beru­hen. Ist dies der Fall, sind die nicht durch einen Inves­ti­ti­ons­kre­dit ver­ur­sach­ten betrieb­li­chen Schuld­zin­sen ggf. bis auf einen Sockel­be­trag von 2050 ? nicht als Betriebs­aus­ga­ben abzieh­bar.

Nach Ein­füh­rung des § 4 Abs. 4a EStG i.d.F. des StBereinG 1999 vom 22. Dezem­ber 1999 (BGBl I 1999, 2601) ist der Schuld­zin­sen­ab­zug zwei­stu­fig zu prü­fen.

Es ist zunächst zu klä­ren, ob der betref­fen­de Kre­dit nach den von der Recht­spre­chung auf­ge­stell­ten Grund­sät­zen (vgl. ins­be­son­de­re Beschluss des Gro­ßen Senats des BFH vom 8. Dezem­ber 1997 GrS 1-2/​95, BFHE 184, 7, BSt­Bl II 1998, 193) eine betrieb­li­che oder pri­va­te Schuld ist.

Sodann ist zu prü­fen, ob und in wel­chem Umfang die betrieb­lich ver­an­lass­ten Schuld­zin­sen nach § 4 Abs. 4a EStG i.d.F. des StBereinG 1999 abzieh­bar sind.

Pri­va­te Ver­bind­lich­kei­ten, deren Zin­sen nach § 4 Abs. 4 EStG nicht betrieb­lich ver­an­lasst sind, sind bei der Ermitt­lung der Ent­nah­men i.S. des § 4 Abs. 4a EStG nicht zu berück­sich­ti­gen (vgl. BMF-Schrei­ben vom 22. Mai 2000 IV C 2 ‑S 2144- 60/​00, BSt­Bl I 2000, 588 Tz. 6 und 7).

Wer­den ein­ge­hen­de Betriebs­ein­nah­men zur Til­gung eines Soll­sal­dos ver­wen­det, der auf­grund pri­va­ter Zah­lungs­vor­gän­ge ent­stan­den ist oder sich dadurch erhöht hat, liegt hier­in im Zeit­punkt der Gut­schrift eine Ent­nah­me, die bei der Ermitt­lung der Über­ent­nah­men i.S. des § 4 Abs. 4a EStG i.d.F. des StBereinG 1999 zu berück­sich­ti­gen ist.

In einem wei­te­ren Urteil hat der BFH sodann ent­ge­gen der Ansicht des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums und der bis­he­ri­gen Pra­xis der Finanz­ver­wal­tung fest­ge­stellt, dass Unter­ent­nah­men aus Wirt­schafts­jah­ren, die vor dem 1. Janu­ar 1999 geen­det haben, bei der Ermitt­lung der nicht abzieh­ba­ren Schuld­zin­sen nach § 4 Abs. 4a EStG zu berück­sich­ti­gen sind. Im kon­kre­ten Fall ging es dar­um, dass der Steu­er­pflich­ti­ge in der Schluss­bi­lanz zum 31. Dezem­ber 1998 ein posi­ti­ves Kapi­tal­kon­to hat­te, die Finanz­ver­wal­tung dies jedoch bei der Berech­nung der Über­ent­nah­men im anschlie­ßen­den Wirt­schafts­jahr 1999 zum Nach­teil des Steu­er­pflich­ti­gen nicht berück­sich­tigt hat. Der BFH hat nun erkannt, dass auch Gewin­ne und Ein­la­gen, die in den vor dem 1. Janu­ar 1999 enden­den Wirt­schafts­jah­ren erzielt oder geleis­tet wur­den, vom Steu­er­pflich­ti­gen ent­nom­men wer­den kön­nen, ohne dass dies sei­nen betrieb­li­chen Schuld­zin­sen­ab­zug nega­tiv beein­flusst. Dies soll zumin­dest für die Wirt­schafts­jah­re 1999 und 2000 gel­ten.

Bei der Ermitt­lung der nicht abzieh­ba­ren Schuld­zin­sen nach § 4 Abs. 4a Satz 4 EStG i.d.F. des StBereinG 1999 sind –jeden­falls in den Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men 1999 und 2000– auch Unter­ent­nah­men aus Wirt­schafts­jah­ren, die vor dem 1. Janu­ar 1999 geen­det haben, zu berück­sich­ti­gen (gegen BMF-Schrei­ben vom 22. Mai 2000 IV C 2 ‑S 2144- 60/​00, BSt­Bl I 2000, 588 Tz. 36).

BFH, Urtei­le vom 21. Sep­tem­ber 2005 – X R 46/​04 und X R 47/​03

  1. BFH, Urteil vom 22.09.2011 – IV R 33/​08, BSt­Bl 2012 II S. 10[]