Bewir­tungs­auf­wen­dun­gen bei Kaf­fee­fahr­ten

Stel­len die Bewir­tungs­auf­wen­dun­gen bei Kaf­fee­fahr­ten für den Unter­neh­mer absetz­ba­re Betriebs­aus­ga­ben dar? Mit die­ser Fra­ge muss­te sich jetzt der Bun­des­fi­nanz­hof befas­sen:

Bewir­tungs­auf­wen­dun­gen bei Kaf­fee­fahr­ten

Im vor­lie­gend vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall bestand die Tätig­keit des Klä­gers aus der Durch­füh­rung von Ver­kaufs­ver­an­stal­tun­gen ent­we­der in Loka­len, zu denen die Teil­neh­mer selbst anreis­ten („Stadt­saal­ver­an­stal­tun­gen”) oder im Rah­men von Aus­flugs­fahr­ten, bei denen die Teil­neh­mer mit einem Bus zu einem Ver­an­stal­tungs­ort gebracht wur­den („Kaf­fee­fahr­ten”). In bei­den Fäl­len wur­de unab­hän­gig vom Kauf von Waren jeweils ein Essen oder Kaf­fee und Kuchen gereicht. Die Teil­neh­mer der sog. Kaf­fee­fahr­ten hat­ten für die Ver­an­stal­tung ein ‑wenn auch gerin­ges- Ent­gelt zu ent­rich­ten.

In der Regel orga­ni­sier­ten hier­auf spe­zia­li­sier­te Unter­neh­men (sog. Pla­nungs­bü­ros) die­se Ver­kaufs­ver­an­stal­tun­gen. Mit dem Gast­wirt ver­ein­bar­ten sie den Preis der aus­zu­ge­ben­den Essen sowie die Min­dest­ab­nah­me­men­ge und eine ‑nur in Ein­zel­fäl­len- anfal­len­de Saal­mie­te.

Der Klä­ger setz­te sich tele­fo­nisch mit den Pla­nungs­bü­ros in Ver­bin­dung, um zu erfah­ren, bei wel­chen Ver­an­stal­tun­gen er auf­tre­ten konn­te. Dort bot er Pro­duk­te ‑über­wie­gend Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel, ortho­pä­di­sche Matrat­zen und Strah­len­schutz­mat­ten- an und erhielt, soweit er die­se nicht in eige­nem Namen ver­kauf­te; vom Her­stel­ler eine Ver­kaufs­pro­vi­si­on. Auf­wen­dun­gen für Essen bzw. Kaf­fee und Kuchen sowie die Saal­mie­te muss­te der Klä­ger tra­gen. Die vor­lie­gen­den Rech­nun­gen und Quit­tun­gen erfül­len ‑was zwi­schen den Betei­lig­ten unstrei­tig ist- die im Rah­men des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 Sät­ze 2 und 3 EStG a.F. gefor­der­ten Anga­ben nicht. Die Auf­wen­dun­gen für Essen bzw. Kaf­fee und Kuchen sowie Saal­mie­te behan­del­te der Klä­ger als unein­ge­schränkt abzieh­ba­re Betriebs­aus­ga­ben.

Im Anschluss an eine steu­er­li­che Außen­prü­fung sah das Finanz­amt die frag­li­chen Ver­an­stal­tungs­kos­ten, soweit sie nicht die geson­dert aus­ge­wie­se­nen Saal­mie­ten betra­fen, als Bewir­tungs­auf­wen­dun­gen i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 EStG a.F. an und ließ sie auf­grund der nicht erfüll­ten Auf­zeich­nungs­pflich­ten aus § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 Sät­ze 2 und 3 EStG a.F. nicht als Betriebs­aus­ga­ben zum Abzug zu. Dem­ge­gen­über ver­trat der Klä­ger die Ansicht, die Bewir­tun­gen sei­en nicht kos­ten­los erfolgt, da die Teil­neh­mer bei den Bus­fahr­ten für die Fahrt ein­schließ­lich Bewir­tung einen Teil­neh­mer­be­trag bezahlt hät­ten.

Der Bun­des­fi­nanz­hof betont zunächst, dass die Auf­wen­dun­gen für die Kaf­fee­fahr­ten und die Stadt­saal­ver­an­stal­tun­gen nicht schon des­halb nicht als Bewir­tungs­auf­wen­dun­gen ange­se­hen wer­den kön­nen, weil aus sei­ner Sicht der Klä­ger nicht die bewir­ten­de Per­son gewe­sen sei. Denn für § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 EStG a.F. ist es uner­heb­lich, wer aus der Sicht des Gas­tes der Bewir­ten­de ist.

Nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 EStG a.F. (i.V.m. § 7 Satz 1 GewStG) sind Auf­wen­dun­gen für die Bewir­tung aus geschäft­li­chem Anlass nicht abzugs­fä­hig, soweit sie 80 % der Auf­wen­dun­gen über­stei­gen, die nach der all­ge­mei­nen Ver­kehrs­auf­fas­sung als ange­mes­sen anzu­se­hen und deren Höhe und betrieb­li­che Ver­an­las­sung nach­ge­wie­sen sind.

Der Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug setzt vor­aus, dass der Steu­er­pflich­ti­ge die betref­fen­den Auf­wen­dun­gen getra­gen hat. Eine Beschrän­kung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG a.F. auf die Per­son des Bewir­ten­den ist dem Wort­laut der Vor­schrift nicht zu ent­neh­men, da die­se Vor­schrift viel­mehr an die Exis­tenz von Bewir­tungs­auf­wen­dun­gen anknüpft. Der Steu­er­pflich­ti­ge, der die­se Auf­wen­dun­gen als Betriebs­aus­ga­ben abset­zen darf, muss nicht unbe­dingt der­je­ni­ge sein, der vor Ort die Rech­nung begleicht oder sich vor Ort als Gast­ge­ber geriert. Ob der Bewir­te­te weiß, wer die Kos­ten tat­säch­lich trägt, ist für die Fra­ge, wem die Betriebs­aus­ga­ben zuste­hen, nicht von Belang. Folg­lich darf es auch für die Ein­schrän­kung des Betriebs­aus­ga­ben­ab­zugs kei­ne Rol­le spie­len.

Etwas ande­res ergibt sich auch nicht aus der Ent­schei­dung des VI. Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 19. Juni 2008 1. Aus­drück­lich geht die­se Ent­schei­dung eben­falls davon aus, dass im betrieb­li­chen Bereich die Mög­lich­keit einer „mit­tel­ba­ren” Bewir­tung aus­schei­det, „weil Auf­wen­dun­gen für die Bewir­tung durch einen Drit­ten nur dann betrieb­lich ver­an­lasst sind, wenn die Bewir­tung im Auf­trag des Steu­er­pflich­ti­gen erfolgt”.

Der Bun­des­fi­nanz­hof kann nicht abschlie­ßend beur­tei­len, ob die strei­ti­gen Ver­an­stal­tungs­kos­ten des Klä­gers die wei­te­ren sach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Abzugs­be­schrän­kung nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 EStG a.F. erfül­len. Ist das der Fall, dür­fen sie als Bewir­tungs­auf­wen­dun­gen den Gewinn nicht min­dern, da die Auf­zeich­nungs­pflich­ten des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG a.F. unstrei­tig nicht erfüllt sind.

Bewir­tung” im Sin­ne die­ser Rege­lung ist jede unent­gelt­li­che Über­las­sung oder Ver­schaf­fung von Spei­sen, Geträn­ken oder sons­ti­gen Genuss­mit­teln zum sofor­ti­gen Ver­zehr 2. Es kommt nicht dar­auf an, ob die Bekös­ti­gung der bewir­ten­den Per­son im Vor­der­grund steht oder die Bewir­tung (aus Sicht der Bewir­ten­den) „auch” bzw. „in ers­ter Linie” der Wer­bung oder der Reprä­sen­ta­ti­on dient 3.

Das Abzugs­ver­bot des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG a.F. gilt nicht, wenn und soweit die Bewir­tung Gegen­stand eines Aus­tausch­ver­hält­nis­ses im Sin­ne eines Leis­tungs­aus­tau­sches ist 4. So gehö­ren Bewir­tungs­auf­wen­dun­gen, die im Leis­tungs­aus­tausch ver­gü­tet wer­den, nicht zu den in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG a.F. gemein­ten Auf­wen­dun­gen, was etwa der Fall ist, wenn die­se Bewir­tungs­auf­wen­dun­gen in Teil­neh­mer­ge­büh­ren wie etwa Semi­nar­ge­büh­ren ein­ge­rech­net wor­den sind 5. Soweit der I. Senat des BFH in sei­nem Beschluss vom 12.05.2003 – I B 157/​02 6 aus­ge­führt hat, eine in Gewinn­ab­sicht aus­ge­üb­te Bewir­tung läge auch dann nicht vor, wenn ‑was das Finanz­ge­richt nicht aus­drück­lich fest­ge­stellt habe- die Klä­ge­rin anläss­lich der Ver­kaufs­ver­an­stal­tun­gen von den Teil­neh­mern eine pau­scha­le Kos­ten­be­tei­li­gung erho­ben oder die­se Kos­ten bei der Kal­ku­la­ti­on der Ver­kaufs­prei­se ihrer eige­nen Pro­duk­te berück­sich­tigt hät­te, bezog sich dies auf die Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Abs. 5 Satz 2 EStG a.F., die im Streit­fall nicht in Rede ste­hen.

Eben­falls nicht erfasst sind Auf­wen­dun­gen bei bran­chen­üb­li­chen Pro­dukt- oder Waren­ver­kos­tun­gen oder sog. „Kund­schaft­s­trin­ken” („Wer­be­be­wir­tung”) 7. Dies setzt aber vor­aus, dar­auf ver­weist das Finanz­ge­richt zutref­fend, dass Her­stel­ler oder Ver­trei­ber von Spei­sen und Geträn­ken für die eige­nen Pro­duk­te wer­ben, die auch Gegen­stand der Bewir­tung sind 8. „Übli­che Ges­ten der Höf­lich­keit” wer­den aus dem Begriff der Bewir­tung aus­ge­schlos­sen, was sich auf die Gewäh­rung von Auf­merk­sam­kei­ten in gerin­gem Umfang (wie Kaf­fee, Tee, Gebäck) bezieht 9.

Der Bun­des­fi­nanz­hof kann selbst nicht beur­tei­len, ob Bewir­tungs­auf­wen­dun­gen i.S. von § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG a.F. vor­lie­gen, da die Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt teil­wei­se unklar sind, teil­wei­se ‑fol­ge­rich­tig- feh­len.

Unklar ist bereits, inwie­weit die Teil­neh­mer auch für das Essen bzw. Kaf­fee und Kuchen ein ‑wenn auch ggf. gerin­ges- Ent­gelt im Rah­men des even­tu­ell anfal­len­den Teil­neh­mer­be­tra­ges leis­te­ten und inwie­weit dadurch die Auf­wen­dun­gen des Klä­gers gemin­dert wur­den.

Zudem sind Fest­stel­lun­gen dazu zu tref­fen, ob etwa sog. Annehm­lich­kei­ten vor­lie­gen, weil bei ein­zel­nen Ver­an­stal­tun­gen nur Kaf­fee und ggf. Gebäck gereicht wor­den ist. Auch ist zu prü­fen, inwie­weit noch Auf­wen­dun­gen für die Saal­mie­te in den vom Finanz­amt nicht zum Abzug zuge­las­se­nen Auf­wen­dun­gen ent­hal­ten sind. Zwar hat das Finanz­amt die sepa­rat aus­ge­wie­se­nen Auf­wen­dun­gen für die Saal­mie­te nicht als Bewir­tungs­auf­wen­dun­gen gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 EStG a.F. ange­se­hen. Aus­weis­lich der Akten sind die­se Auf­wen­dun­gen aber nicht in jedem Ein­zel­fall sepa­rat aus­ge­wie­sen wor­den.

Der Bun­des­fi­nanz­hof weist dar­auf hin, dass den Klä­ger die Fest­stel­lungs­last für den Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug trifft 10.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Juli 2013 – X R 37/​10

  1. BFH, Urteil vom 19.06.2008 – VI R 48/​07, BFHE 222, 363, BSt­Bl II 2008, 870
  2. BFH, Urteil vom 18.09.2007 – I R 75/​06, BFHE 219, 78, BSt­Bl II 2008, 116
  3. so BFH, Urteil vom 07.09.2011 – I R 12/​11, BFHE 235, 225, BSt­Bl II 2012, 194, m.w.N.
  4. vgl. Söhn, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 4 Rz H 240
  5. aus­drück­lich auch: Nacke in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, §§ 4, 5 Rz 1684; auch Pohl in Bordewin/​Brandt, § 4 EStG Rz 2549
  6. BFH/​NV 2003, 1314
  7. z.B. FG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 09.11.2000 – 6 K 1867/​98, EFG 2001, 420
  8. vgl. auch BFH, Urteil in BFHE 235, 225, BSt­Bl II 2012, 194
  9. vgl. R 4.10 Abs. 5 Satz 9 Nr. 1 EStR 2008
  10. BFH, Urteil vom 21.01.1999 – IV R 15/​98, BFH/​NV 1999, 919, unter 3.; vgl. dazu auch BFH, Urteil vom 15.02.1989 – X R 16/​86, BFHE 156, 38, BSt­Bl II 1989, 462, unter 4.