Die Min­der­heits­be­tei­li­gung an der Kom­ple­men­tär-GmbH – das das not­wen­di­ge Son­der­be­triebs­ver­mö­gen

Die Min­der­heits­be­tei­li­gung des Kom­man­di­tis­ten an der geschäfts­füh­rungs­be­fug­ten Kom­ple­men­tär-GmbH von weni­ger als 10 % ist nicht dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II zuzu­ord­nen, wenn ‑aus­ge­hend vom gesetz­lich nor­mier­ten Regel­fall- in den Ange­le­gen­hei­ten der Gesell­schaft die Abstim­mung nach der Mehr­heit der abge­ge­be­nen Stim­men erfolgt. Dies gilt auch, wenn die Kom­ple­men­tär-GmbH außer­ge­wöhn­lich hoch am Gewinn der KG betei­ligt ist.

Die Min­der­heits­be­tei­li­gung an der Kom­ple­men­tär-GmbH – das das not­wen­di­ge Son­der­be­triebs­ver­mö­gen

Offen­ge­las­sen hat der Bun­des­fi­nanz­hof im hier ent­schie­de­nen Fall dage­gen noch, ob eine Zuord­nung der Gesell­schafts­an­tei­le zum Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II gebo­ten ist, wenn die Betei­li­gung 10–25 % beträgt, weil einem so betei­lig­ten Gesell­schaf­ter gewis­se Min­der­hei­ten­rech­te zuste­hen, oder ob von einer Ein­fluss­nah­me (wenn über­haupt) erst bei einer Betei­li­gung von mehr als 25 % (sog. Sperr­mi­no­ri­tät) die Rede sein kann.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Urteils­fall hat­te ein Kom­man­di­tist sei­ne Betei­li­gung an einer GmbH & Co. KG ver­äu­ßert, und zwar sowohl sei­nen Kom­man­dit­an­teil als auch den Anteil an der Kom­ple­men­tär-GmbH. An bei­den Gesell­schaf­ten war er mit jeweils 5 % betei­ligt. Das Finanz­amt war der Mei­nung, der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung des GmbH-Anteils sei in den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn des KG-Anteils ein­zu­be­zie­hen, obwohl der Gesell­schaf­ter sei­nen GmbH-Anteil als Pri­vat­ver­mö­gen behan­delt hat­te.

Der Bun­des­fi­nanz­hof gab der Kla­ge statt und nahm den Fall zum Anlass, sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zu prä­zi­sie­ren und den Umfang des soge­nann­ten Son­der­be­triebs­ver­mö­gens II ein­zu­en­gen. Dabei han­delt es sich um Wirt­schafts­gü­ter, die der Betei­li­gung des Gesell­schaf­ters an der Per­so­nen­ge­sell­schaft die­nen und die des­halb dem Betriebs­ver­mö­gen zuge­ord­net wer­den.

Nach den jetzt auf­ge­stell­ten Grund­sät­zen ist die Betei­li­gung des Kom­man­di­tis­ten an der Kom­ple­men­tär-GmbH nur dann dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II zuzu­ord­nen, wenn er als grund­sätz­lich nicht an der Geschäfts­füh­rung betei­lig­ter Gesell­schaf­ter auf Grund der Betei­li­gung an der geschäfts­füh­ren­den Kom­ple­men­tär-GmbH mit­tel­bar Ein­fluss auf die Geschäfts­füh­rung der Per­so­nen­ge­sell­schaft erhält. Dar­an fehlt es nach Mei­nung des Bun­des­fi­nanz­hofs jeden­falls dann, wenn der Kom­man­di­tist weni­ger als 10 % der Geschäfts­an­tei­le der Kom­ple­men­tär-GmbH hält. Eine der­ar­ti­ge Min­der­heits­be­tei­li­gung lag im Urteils­fall vor, sie war daher dem Pri­vat­ver­mö­gen des Kom­man­di­tis­ten zuzu­ord­nen. Dabei spiel­te es nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hof auch kei­ne Rol­le, dass die GmbH in erheb­li­chem Umfang an dem Gewinn der Mit­un­ter­neh­mer­schaft betei­ligt war.

Zum not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gen einer gewerb­lich täti­gen Per­so­nen­ge­sell­schaft gehö­ren nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 i.V.m. § 4 Abs. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) zusätz­lich zu den im Gesamt­hand­s­ei­gen­tum der Mit­un­ter­neh­mer ste­hen­den Wirt­schafts­gü­tern auch sol­che Wirt­schafts­gü­ter, die einem Mit­un­ter­neh­mer gehö­ren, wenn sie geeig­net und bestimmt sind, dem Betrieb der Per­so­nen­ge­sell­schaft (Son­der­be­triebs­ver­mö­gen I) oder der Betei­li­gung des Gesell­schaf­ters an der Per­so­nen­ge­sell­schaft (Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II) zu die­nen [1].

Der Bun­des­fi­nanz­hof hält an der stän­di­gen Recht­spre­chung fest, dass Wirt­schafts­gü­ter, die einem Mit­un­ter­neh­mer gehö­ren und aus­schließ­lich der Betei­li­gung des Gesell­schaf­ters an der Per­so­nen­ge­sell­schaft die­nen, dem Betriebs­ver­mö­gen der Per­so­nen­ge­sell­schaft als sog. Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II zuzu­ord­nen sind [2]. Die Ein­be­zie­hung des Son­der­be­triebs­ver­mö­gens II in die Gewinn­ermitt­lung der Mit­un­ter­neh­mer­schaft beruht auf einer Aus­le­gung von § 2 Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. §§ 4 ff. und § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG [3] und bewegt sich inner­halb der Gren­zen ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­si­ger rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung [4]. Der BFH hat sich mit den vom Kom­man­di­tis­ten unter Beru­fung auf die ein­schlä­gi­ge Kom­men­tar­li­te­ra­tur gegen die­se Recht­spre­chung vor­ge­brach­ten Argu­men­ten [5] bereits aus­führ­lich aus­ein­an­der­ge­setzt. Der Bun­des­fi­nanz­hof kann dem Vor­brin­gen auch kei­ne neu­en recht­li­chen Gesichts­punk­te ent­neh­men, die eine Auf­ga­be der gefes­tig­ten Recht­spre­chung recht­fer­ti­gen könn­ten [6].

Not­wen­di­ges Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II ist anzu­neh­men, wenn die dem Mit­un­ter­neh­mer gehö­ren­den Wirt­schafts­gü­ter zur Begrün­dung oder Stär­kung sei­ner Betei­li­gung ein­ge­setzt wer­den. Ein sol­ches Wirt­schafts­gut kann auch die Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft sein [7].

Da die Betei­li­gung des Kom­man­di­tis­ten an der H‑GmbH ersicht­lich nicht der Begrün­dung sei­ner Mit­un­ter­neh­merstel­lung an der R‑KG gedient hat, kann im Streit­fall eine Zuord­nung der Betei­li­gung zum Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II nur dann in Betracht kom­men, wenn durch die Betei­li­gung des Kom­man­di­tis­ten an der H‑GmbH des­sen Mit­un­ter­neh­merstel­lung in der R‑KG gestärkt wor­den ist.

Die Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft kann die Betei­li­gung des Gesell­schaf­ters an der Per­so­nen­ge­sell­schaft sowohl dadurch stär­ken, dass sie für das Unter­neh­men der Per­so­nen­ge­sell­schaft wirt­schaft­lich vor­teil­haft ist [8], als auch dadurch, dass sie der Mit­un­ter­neh­merstel­lung selbst dient, weil durch die Betei­li­gung an der Kapi­tal­ge­sell­schaft der Ein­fluss des Gesell­schaf­ters in der Per­so­nen­ge­sell­schaft steigt bzw. gestärkt wird [9].

Ein wirt­schaft­li­cher Vor­teil der Kapi­tal­be­tei­li­gung für das Unter­neh­men der Per­so­nen­ge­sell­schaft wird nach der Recht­spre­chung regel­mä­ßig nur dann bejaht, wenn zwi­schen dem Unter­neh­men der Per­so­nen­ge­sell­schaft und dem­je­ni­gen der Kapi­tal­ge­sell­schaft eine enge wirt­schaft­li­che Ver­flech­tung besteht, der Mit­un­ter­neh­mer der Per­so­nen­ge­sell­schaft ‑ggf. zusam­men mit ande­ren Mit­un­ter­neh­mern- die Kapi­tal­ge­sell­schaft beherrscht und die Kapi­tal­ge­sell­schaft neben ihren geschäft­li­chen Bezie­hun­gen zur Per­so­nen­ge­sell­schaft kei­nen ande­ren eige­nen Geschäfts­be­trieb von nicht ganz unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung unter­hält [10]. In einem beson­de­ren Aus­nah­me­fall hat die Recht­spre­chung die Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II zuge­ord­net, obwohl durch die dort in Streit ste­hen­de Betei­li­gung in Höhe von 25 % kein beherr­schen­der Ein­fluss auf die Kapi­tal­ge­sell­schaft ver­mit­telt wur­de [11]. Die die­nen­de Funk­ti­on der Betei­li­gung an der Kapi­tal­ge­sell­schaft für den Kom­man­di­tis­ten wur­de jedoch dar­aus abge­lei­tet, dass die Kapi­tal­ge­sell­schaft, die kei­nen eige­nen Geschäfts­be­trieb unter­hielt, ihrer­seits als Kom­man­di­tis­tin mit 50 % an dem Fest­ka­pi­tal der Per­so­nen­ge­sell­schaft betei­ligt war und durch deren Haft­ein­la­ge die Finanz­kraft der Per­so­nen­ge­sell­schaft gestärkt wor­den sei. Der Kom­man­di­tist habe daher statt durch Erhö­hung sei­ner Kom­man­dit­ein­la­ge mit der Betei­li­gung an der Kapi­tal­ge­sell­schaft mit­tel­bar einen Bei­trag zur Errei­chung des Gesell­schafts­zwecks der Per­so­nen­ge­sell­schaft erbracht [12].

Unter dem Gesichts­punkt der Stär­kung der Mit­un­ter­neh­merstel­lung des Gesell­schaf­ters ist das Vor­lie­gen von Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II ins­be­son­de­re dann bejaht wor­den, wenn sich der Kom­man­di­tist einer GmbH & Co. KG an der Kom­ple­men­tär-GmbH betei­ligt, es sei denn, dass die Kom­ple­men­tär-GmbH außer ihrer Geschäfts­füh­rer­tä­tig­keit für die KG noch einen eige­nen Geschäfts­be­trieb von nicht ganz unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung aus­übt. Der BFH hat die Zuord­nung der Antei­le an der Kom­ple­men­tär-GmbH zum Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II maß­geb­lich damit begrün­det, dass die­se Betei­li­gung die Stel­lung des Kom­man­di­tis­ten als Mit­un­ter­neh­mer bei der GmbH & Co. KG stär­ke, weil er durch die Wahr­neh­mung sei­ner Rech­te aus der Betei­li­gung an der Kom­ple­men­tär-GmbH die Mög­lich­kei­ten sei­ner Ein­fluss­nah­me auf die GmbH & Co. KG erwei­te­re [13]. Dem Kom­man­di­tis­ten, der grund­sätz­lich von der Füh­rung der Geschäf­te bei der GmbH & Co. KG aus­ge­schlos­sen sei, eröff­ne sich näm­lich auf Grund sei­ner Stel­lung als Anteils­eig­ner der geschäfts­füh­ren­den GmbH die Mög­lich­keit, über die­se Betei­li­gung auf die Geschäfts­füh­rung der KG einen beson­de­ren Ein­fluss aus­zu­üben und die­se letzt­lich mit­zu­be­stim­men [14].

Unge­ach­tet der von der Recht­spre­chung gefor­der­ten Ein­fluss­nah­me des Gesell­schaf­ters auf die Kom­ple­men­tär-GmbH wur­de die Höhe der Betei­li­gungs­quo­te regel­mä­ßig nicht wei­ter the­ma­ti­siert, ent­we­der des­halb nicht, weil die Gesell­schaf­ter der Per­so­nen­ge­sell­schaft in ihrer Gesamt­heit die wesent­li­chen Antei­le an der Kom­ple­men­tär-GmbH hiel­ten, oder aber weil der Anteil an der Kom­ple­men­tär-GmbH jeden­falls über 20 % lag [15]. Soweit in jün­ge­ren Ent­schei­dun­gen des BFH aus­ge­führt wird, dass die Betei­li­gung an der Kom­ple­men­tär-GmbH (stets) zu dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II des Kom­man­di­tis­ten der GmbH & Co. KG gehö­re, wenn sich die Geschäfts­tä­tig­keit der GmbH auf die Geschäfts­füh­rung der KG beschrän­ke oder dane­ben ein eige­ner Geschäfts­be­trieb der GmbH von ganz unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung bestehe [16], waren die­se Aus­füh­run­gen nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Die­se Recht­spre­chung wird ganz über­wie­gend von der Lite­ra­tur [17] und der Finanz­ver­wal­tung [18] geteilt.

Unter Her­an­zie­hung der oben dar­ge­leg­ten Grund­sät­ze ist eine Betei­li­gung des Kom­man­di­tis­ten an der geschäfts­füh­rungs­be­fug­ten Kom­ple­men­tär-GmbH grund­sätz­lich nicht dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II zuzu­ord­nen, wenn er auf Grund der Höhe der Betei­li­gung nicht in der Lage ist, über die­se Ein­fluss auf die Geschäfts­füh­rung der KG zu neh­men. Eine sol­che Ein­fluss­nah­me ist jeden­falls bei einem Gesell­schaf­ter, des­sen Geschäfts­an­teil an der Kom­ple­men­tär-GmbH unter 10 % liegt, regel­mä­ßig aus­ge­schlos­sen. In die­sem Fall ist es, aus­ge­hend von dem in § 47 Abs. 1 GmbHG gesetz­lich nor­mier­ten Regel­fall, wonach die Abstim­mung in der Gesell­schaft nach der Mehr­heit der abge­ge­be­nen Stim­men erfolgt (zu dem aty­pi­schen Fall, dass Beschlüs­se ein­stim­mig gefasst wer­den müs­sen, sie­he unten), dem Gesell­schaf­ter unter kei­nem denk­ba­ren Gesichts­punkt mög­lich, auf die Geschäfts­füh­rung der Kom­ple­men­tär-GmbH und damit mit­tel­bar auf deren Geschäfts­füh­rungs­tä­tig­keit in der KG Ein­fluss zu neh­men.

Die Geschäfts­füh­rung in der GmbH obliegt aus­schließ­lich dem oder den Geschäftsführer(n) (§ 6 GmbHG). Die Bestel­lung der Geschäfts­füh­rer ist zu jeder Zeit wider­ruf­lich (§ 38 Abs. 1 GmbHG). Den Gesell­schaf­tern obliegt die Bestel­lung, die Abbe­ru­fung und die Ent­las­tung der Geschäfts­füh­rer (§ 46 Nr. 5 GmbHG) sowie die Bestim­mung der Maß­re­geln zur Prü­fung und Über­wa­chung der Geschäfts­füh­rung (§ 46 Nr. 6 GmbHG). Durch die­se den Gesell­schaf­tern der GmbH ein­ge­räum­ten Rech­te und Befug­nis­se wird sicher­ge­stellt, dass die­se maß­geb­li­chen Ein­fluss auf die Geschäfts­füh­rung aus­üben und ihren geschäft­li­chen Wil­len auch durch­set­zen kön­nen. Ihre Rech­te und Befug­nis­se gegen­über der Geschäfts­füh­rung neh­men die Gesell­schaf­ter, aus­ge­hend von dem in § 47 Abs. 1 GmbHG gesetz­lich nor­mier­ten Regel­fall, durch Beschluss­fas­sung nach der Mehr­heit der abge­ge­be­nen Stim­men und gemäß § 48 Abs. 1 GmbHG im Rah­men der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung wahr. Die Stimm­rech­te fol­gen gemäß § 47 Abs. 2 GmbHG der Sum­me des Geschäfts­an­teils. Will der Gesell­schaf­ter Ein­fluss auf die Geschäfts­füh­rung neh­men, muss grund­sätz­lich die Mehr­heit der Geschäfts­an­tei­le in einer Hand ver­eint sein. Ein Min­der­heits­ge­sell­schaf­ter, der weni­ger als 10 % der Geschäfts­an­tei­le hält, kann danach regel­mä­ßig kei­nen Ein­fluss auf die Geschäfts­füh­rung aus­üben, was des­halb einer Zuord­nung die­ser Geschäfts­an­tei­le zum Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II die­ses Gesell­schaf­ters bei der GmbH & Co. KG ent­ge­gen­steht.

Ob die Zuord­nung der Geschäfts­an­tei­le zum Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II bei einem Min­der­heits­ge­sell­schaf­ter, der min­des­tens 10 % der Geschäfts­an­tei­le hält, gerecht­fer­tigt ist, weil ihm die beson­de­ren Min­der­hei­ten­rech­te gemäß § 50 Abs. 1, § 61 Abs. 2 Satz 2, § 66 Abs. 2 GmbHG zuste­hen, oder ob dies (erst) bei einem Gesell­schaf­ter zu beja­hen ist, der mehr als 25 % der Geschäfts­an­tei­le hält und damit über eine Sperr­mi­no­ri­tät i.S. des § 53 Abs. 2 GmbHG ver­fügt, braucht der Bun­des­fi­nanz­hof im Streit­fall nicht zu ent­schei­den.

Die Antei­le an der Kom­ple­men­tär-GmbH sind bei einem Gesell­schaf­ter, der weni­ger als 10 % der Geschäfts­an­tei­le hält, auch dann nicht dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II bei der GmbH & Co. KG zuzu­ord­nen, wenn die Kom­ple­men­tär-GmbH am Gewinn der KG betei­ligt ist. Ver­mit­telt die Betei­li­gung an der Kom­ple­men­tär-GmbH kei­nen Ein­fluss auf die Geschäfts­füh­rung der KG, kann allein der Umstand, dass der Kom­man­di­tist mit­tel­bar über die Kom­ple­men­tär-GmbH am Gewinn der KG betei­ligt ist, sei­ne Mit­un­ter­neh­merstel­lung nicht stär­ken. Die mit­tel­ba­re Gesell­schaf­ter­stel­lung über die am Gewinn betei­lig­te Kom­ple­men­tär-GmbH kann auch nicht im Wege einer wirt­schaft­li­chen Betrach­tung als eine Erwei­te­rung der bestehen­den Kom­man­dit­be­tei­li­gung ver­stan­den und des­halb dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II der KG zuge­ord­net wer­den [19]. Eine sol­che Betrach­tung wür­de die die­nen­de Funk­ti­on der Betei­li­gung an der Kapi­tal­ge­sell­schaft für die Mit­un­ter­neh­merstel­lung des Kom­man­di­tis­ten völ­lig außer Acht las­sen und die Abschirm­wir­kung negie­ren, die eine Kapi­tal­ge­sell­schaft als selb­stän­di­ges Steu­er­sub­jekt ent­fal­tet [20]. Die Min­der­heits­be­tei­li­gung an der am Gewinn betei­lig­ten Kom­ple­men­tär-GmbH dient daher regel­mä­ßig dem Anla­ge­in­ter­es­se des Kom­man­di­tis­ten der GmbH & Co. KG und ist des­sen Pri­vat­ver­mö­gen zuzu­ord­nen. Dass der Aspekt der Kapi­tal­an­la­ge in den Vor­der­grund der Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dung des Kom­man­di­tis­ten tritt, wird umso deut­li­cher, wenn ‑wie im Streit­fall- die ope­ra­ti­ven Gewin­ne aus der GmbH & Co. KG dem Kom­man­di­tis­ten nahe­zu voll­stän­dig über die Gewinn­aus­schüt­tun­gen der Kom­ple­men­tär-GmbH zuflie­ßen (hier Gewinn­be­tei­li­gung der Kom­ple­men­tär-GmbH in Höhe von 99 %).

Dem­ge­gen­über ist eine Min­der­heits­be­tei­li­gung stets dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II zuzu­ord­nen, wenn eine Beschluss­fas­sung nur unter Mit­wir­kung des Min­der­heits­ge­sell­schaf­ters mög­lich ist. Dazu kommt es, wenn der Gesell­schafts­ver­trag abwei­chend von dem in § 47 Abs. 1 GmbHG gere­gel­ten Prin­zip der ein­fa­chen Mehr­heit für die Aus­übung der Rech­te und Befug­nis­se der Gesell­schaf­ter nach § 46 Nrn. 5 und 6 GmbHG eine Mehr­heit von Stim­men ver­langt, die nur unter Ein­schluss der Stim­men des Min­der­heits­ge­sell­schaf­ters erreicht wer­den kann, oder sogar Ein­stim­mig­keit vor­schreibt. In die­sem Fall ver­mit­telt die Min­der­heits­be­tei­li­gung des Kom­man­di­tis­ten an der Kom­ple­men­tär-GmbH einen erheb­li­chen Ein­fluss auf deren Geschäfts­füh­rung und damit mit­tel­bar auf die Geschäfts­füh­rung der GmbH & Co. KG. Da die Mit­un­ter­neh­merstel­lung des Kom­man­di­tis­ten in der KG in die­sem Fall durch die Betei­li­gung an der Kom­ple­men­tär-GmbH gestärkt wird, ist die Betei­li­gung dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II zuzu­ord­nen. Dies gilt auch dann, wenn die Kom­ple­men­tär-GmbH an dem Gewinn der KG betei­ligt ist. Die dann gebo­te­ne vor­ran­gi­ge Zuord­nung des Anteils an der Kom­ple­men­tär-GmbH zum Betriebs­ver­mö­gen der KG steht einer Zuord­nung die­ser Betei­li­gung zum Pri­vat­ver­mö­gen ent­ge­gen. Eine antei­li­ge Zuord­nung der Betei­li­gung zum Betriebs- und zum Pri­vat­ver­mö­gen kommt nicht in Betracht.

Anders als das Finanz­amt sieht der Bun­des­fi­nanz­hof auch in der im Streit­fall vor­lie­gen­den aty­pi­schen Gewinn­ver­tei­lungs­ab­re­de kei­nen Miss­brauch von recht­li­chen Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten i.S. des § 42 AO, der es recht­fer­ti­gen könn­te, die hier in Streit ste­hen­den Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne nach einer ande­ren Quo­te auf die Gesell­schaf­ter zu ver­tei­len. Im Übri­gen wäre dem Bun­des­fi­nanz­hof eine dies­be­züg­li­che Ent­schei­dung auch ver­wehrt, da Gegen­stand des Recht­streits nur die Fest­stel­lung des tarif­be­güns­tig­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­winns des Kom­man­di­tis­ten ist. Die Gewinn­ver­tei­lung als selb­stän­di­ge Besteue­rungs­grund­la­ge ist damit bestands­kräf­tig fest­ge­stellt und in dem vor­lie­gen­den Ver­fah­ren zu Grun­de zu legen [21].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. April 2015 – IV R 1/​12

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Urteil vom 24.02.2005 – IV R 12/​03, BFHE 209, 262, BStBl II 2006, 361, unter I. 1. der Grün­de, m.w.N.[]
  2. vgl. u.a. BFH, Urtei­le vom 15.10.1975 – I R 16/​73, BFHE 117, 164, BStBl II 1976, 188; vom 06.02.1976 – III R 93/​74, BFHE 118, 475, BStBl II 1976, 412; vom 12.11.1985 – VIII R 286/​81, BFHE 145, 62, BStBl II 1986, 55; vom 06.07.1989 – IV R 62/​86, BFHE 157, 551, BStBl II 1989, 890; zuletzt vom 23.02.2012 – IV R 13/​08, BFH/​NV 2012, 1112; mit umfang­rei­chen Nach­wei­sen zur Recht­spre­chung[]
  3. vgl. u.a. BFH, Urtei­le vom 05.12 1979 – I R 184/​76, BFHE 129, 169 , BStBl II 1980, 119; in BFHE 157, 551, BStBl II 1989, 890[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 22.12 1992 – 1 BvR 1333/​89, DStR 1993, 603[]
  5. u.a. Knob­be-Keuk, Fest­schrift für Hugo von Wal­lis, 1985, 373; Schön, DStR 1993, 185; Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II nur, soweit Son­der­ver­gü­tung vor­liegt: Bitz in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 15 Rz 73[]
  6. vgl. aus jün­ge­rer Zeit u.a. BFH, Urtei­le vom 25.11.2009 – I R 72/​08, BFHE 227, 445, BStBl II 2010, 471; vom 17.11.2011 – IV R 51/​08, BFH/​NV 2012, 723, und in BFH/​NV 2012, 1112[]
  7. BFH, Urteil in BFH/​NV 2012, 1112, Rz 53 ff., m.w.N.[]
  8. BFH, Urtei­le in BFHE 209, 262, BStBl II 2006, 361, unter I. 2. der Grün­de, und in BFH/​NV 2012, 1112, Rz 54 ff., m.w.N.[]
  9. BFH, Urtei­le vom 13.05.1976 – IV R 4/​75, BFHE 119, 256, BStBl II 1976, 617, und in BFH/​NV 2012, 1112, Rz 62, m.w.N.[]
  10. BFH, Urtei­le vom 23.01.2001 – VIII R 12/​99, BFHE 194, 397, BStBl II 2001, 825; in BFH/​NV 2012, 723, und in BFH/​NV 2012, 1112, jeweils mit umfang­rei­chen Recht­spre­chungs­nach­wei­sen[]
  11. BFH, Urteil in BFHE 194, 397, BStBl II 2001, 825[]
  12. BFH, Urteil in BFHE 194, 397, BStBl II 2001, 825, unter 2.c aa der Grün­de[]
  13. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 31.10.1989 – VIII R 374/​83, BFHE 159, 434, BStBl II 1990, 677, m.w.N., unter 1. der Grün­de; und vom 15.10.1998 – IV R 18/​98, BFHE 187, 250, BStBl II 1999, 286[]
  14. BFH, Urtei­le in BFHE 129, 169, BStBl II 1980, 119; und vom 11.12 1990 – VIII R 14/​87 BFHE 164, 20, BStBl II 1991, 510[]
  15. BFH, Urtei­le in BFHE 117, 164, BStBl II 1976, 188; in BFHE 118, 475, BStBl II 1976, 412; in BFHE 129, 169, BStBl II 1980, 119; in BFHE 194, 397, BStBl II 2001, 825, und in BFHE 187, 250, BStBl II 1999, 286, zu dem inso­weit ver­gleich­ba­ren Fall der Ein­be­zie­hung der GmbH-Betei­li­gung zum Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II bei einer aty­pisch stil­len Betei­li­gung an einer GmbH[]
  16. vgl. u.a. BFH, Urtei­le in BFHE 187, 250, BStBl II 1999, 286; in BFHE 194, 397, BStBl II 2001, 825, und in BFHE 227, 445, BStBl II 2010, 471[]
  17. vgl. u.a. Blümich/​Bode, § 15 EStG Rz 461a; Schnei­der in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 15 EStG Rz 739; Schmidt/​Wacker, EStG, 34. Aufl., § 15 Rz 714; ande­rer Ansicht Bitz in Littmann/​Bitz/​Pust, a.a.O., § 15 Rz 73, sowie Knob­be-Keuk, Fest­schrift für Hugo von Wal­lis, 1985, 373; Schön, DStR 1993, 185, Letz­te­re die Zuord­nung von Wirt­schafts­gü­tern zum Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II grund­sätz­lich ableh­nend[]
  18. vgl. u.a. OFD Müns­ter, Schrei­ben vom 06.11.2008 – S 2242–21-St 12–33, GmbHR 2009, 108, unter I.; SenF­in Ber­lin vom 27.12 2010 – III B ‑S 2241- 3/​2003 unter 1.; OFD Rhein­land vom 23.03.2011, S 2242–25-St 111, FR 2011, 489, unter I.[]
  19. so aber bei der Ein­stu­fung der Kom­ple­men­tär-Betei­li­gung als funk­tio­nal wesent­li­che Betriebs­grund­la­ge: OFD Müns­ter in GmbHR 2009, 108, unter I.; SenF­in Ber­lin vom 27.12 2010 – III B ‑S 2241- 3/​2003 unter 1.; OFD Rhein­land in FR 2011, 489, unter I.; anders hin­ge­gen OFD Frank­furt am Main vom 13.02.2014 S 2134 A‑14-St 213 unter Rz 13 ff.[]
  20. BFH, Urteil vom 27.03.2007 – VIII R 64/​05, BFHE 217, 497, BStBl II 2007, 639[]
  21. vgl. zur Selb­stän­dig­keit der ein­zel­nen Besteue­rungs­grund­la­gen u.a. BFH, Urtei­le vom 09.02.2011 – IV R 15/​08, BFHE 233, 290, BStBl II 2011, 764; vom 19.07.2011 – IV R 42/​10, BFHE 234, 226, BStBl II 2011, 878; und vom 23.02.2012 – IV R 31/​09, BFH/​NV 2012, 1448[]