Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und sei­ne selb­stän­dig anfecht­ba­ren Fest­stel­lun­gen

Ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid kann eine Viel­zahl selb­stän­di­ger und damit auch selb­stän­dig anfecht­ba­rer Fest­stel­lun­gen ent­hal­ten, die eigen­stän­dig in Bestands­kraft erwach­sen und des­halb für die in dem näm­li­chen Bescheid getrof­fe­nen und recht­lich nach­ge­la­ger­ten Fest­stel­lun­gen Bin­dungs­wir­kung ent­fal­ten kön­nen 1.

Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid – und sei­ne selb­stän­dig anfecht­ba­ren Fest­stel­lun­gen

Selb­stän­dig anfecht­bar ist auch die Fest­stel­lung eines Ver­äu­ße­rungs- oder Auf­ga­be­ge­winns jeden­falls des ein­zel­nen Mit­un­ter­neh­mers 2.

Davon zu unter­schei­den ist ‑als wei­te­re selb­stän­di­ge Fest­stel­lung- die Qua­li­fi­ka­ti­on des Auf­ga­be- oder Ver­äu­ße­rungs­ge­winns (sowohl der Gesamt­hand als auch des ein­zel­nen Mit­un­ter­neh­mers) als Bestand­teil der außer­or­dent­li­chen Ein­künf­te i.S. des § 34 Abs. 2 Nr. 1 EStG 3.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall ging der Bun­des­fi­nanz­hof mit den Betei­lig­ten davon aus, dass in dem Fest­stel­lungs­be­scheid der Gesell­schaft für 2001 für den Gesell­schaf­ter ein Gewinn aus der Auf­lö­sung der Gesell­schaft fest­ge­stellt ist, den das Finanz­amt in der Annah­me eines Ver­äu­ße­rungs­vor­gan­ges ent­spre­chend der Fik­ti­on des § 16 Abs. 2 Satz 3 EStG als lau­fen­den Gewinn qua­li­fi­ziert hat 4.

Aus­weis­lich der Kla­ge­be­grün­dung, die zur Bestim­mung des Kla­ge­be­geh­rens maß­geb­lich ist, hat der Gesell­schaf­ter den Fest­stel­lungs­be­scheid der Sozie­tät ledig­lich inso­weit ange­foch­ten, als ihm in Bezug auf den ihm zuge­rech­ne­ten Anteil am Auf­lö­sungs­ge­winn in Höhe von 425.573, 37 DM die Tarif­be­güns­ti­gung des § 34 Abs. 2 Nr. 1 EStG nicht gewährt wor­den ist. Gegen­stand des Revi­si­ons­ver­fah­rens ist dem­entspre­chend allein die Fra­ge der Zuord­nung des Gewin­nes zu den außer­or­dent­li­chen Ein­künf­ten gemäß § 34 Abs. 2 Nr. 1 EStG.

Vor die­sem Hin­ter­grund war im hier ent­schie­de­nen Fall eine von Amts wegen zu prü­fen­de Bei­la­dung der ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter der Sozie­tät gemäß § 60 Abs. 3 FGO nicht gebo­ten 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. Janu­ar 2019 – VIII R 24/​15

  1. z.B. BFH, Urtei­le vom 16.03.2017 – IV R 31/​14, BFHE 257, 292, BSt­Bl II 2019, 24; vom 01.03.2018 – IV R 38/​15, BFHE 260, 543, BSt­Bl II 2018, 587, m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Urtei­le in BFHE 260, 543, BSt­Bl II 2018, 587; vom 19.07.2011 – IV R 42/​10, BFHE 234, 226, BSt­Bl II 2011, 878[]
  3. z.B. BFH, Urtei­le in BFHE 260, 543, BSt­Bl II 2018, 587; in BFHE 257, 292, BSt­Bl II 2019, 24; vom 17.12 2014 – IV R 57/​11, BFHE 248, 66, BSt­Bl II 2015, 536; und vom 28.05.2015 – IV R 26/​12, BFHE 249, 536, BSt­Bl II 2015, 797[]
  4. vgl. zur Fest­stel­lung eines fik­ti­ven Ver­äu­ße­rungs-/Auf­ga­be­ge­winns BFH, Urtei­le in BFHE 260, 543, BSt­Bl II 2018, 587; vom 20.08.2015 – IV R 34/​12, BFH/​NV 2016, 41[]
  5. vgl. z.B. BFH, Urteil in BFHE 249, 536, BSt­Bl II 2015, 797[]