Grenz­über­schrei­ten­de dop­pel­stö­cki­ge Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten – und die steu­er­li­chen Fest­stel­lun­gen

Nach § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a i.V.m. § 179 Abs. 1 der Abga­ben­ord­nung (AO) sind die ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­gen und kör­per­schaft­steu­er­pflich­ti­gen Ein­künf­te und die mit ihnen im Zusam­men­hang ste­hen­den ande­ren Besteue­rungs­grund­la­gen ein­heit­lich und geson­dert fest­zu­stel­len, wenn an den Ein­künf­ten meh­re­re Per­so­nen betei­ligt sind.

Grenz­über­schrei­ten­de dop­pel­stö­cki­ge Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten – und die steu­er­li­chen Fest­stel­lun­gen

Fehlt es hier­an des­halb, weil die im Aus­land erziel­ten Ein­künf­te ‑wie im Streit­fall die in den USA erziel­ten Betriebs­stät­ten­ein­künf­te- nach dem ein­schlä­gi­gen Abkom­men zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung (DBA) von der inlän­di­schen Ertrags­be­steue­rung frei­ge­stellt und nur im Rah­men der Bestim­mung des Steu­er­sat­zes anzu­set­zen sind, so sieht § 180 Abs. 5 Nr. 1 AO ein beson­de­res Fest­stel­lungs­ver­fah­ren vor, für das die Rege­lun­gen des § 180 Abs. 1 (Satz 1) Nr. 2 (hier: Buchst. a) AO ent­spre­chend anzu­wen­den sind. Letz­te­res umfasst auch die Fest­stel­lung der mit den steu­er­be­frei­ten Ein­künf­ten im Zusam­men­hang ste­hen­den Besteue­rungs­grund­la­gen. Bei den Fest­stel­lun­gen nach § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst a. AO einer­seits sowie nach § 180 Abs. 5 Nr. 1 AO ande­rer­seits han­delt es sich zwar um eigen­stän­di­ge Ver­wal­tungs­ak­te (Rege­lun­gen). Lie­gen jedoch die Vor­aus­set­zun­gen bei­der Ver­fah­ren vor, kön­nen die Fest­stel­lun­gen mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den [1].

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung sind die vor­ge­nann­ten Grund­sät­ze auch bei sog. dop­pel­stö­cki­gen Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten mit der Fol­ge zu beach­ten, dass die gegen­über den Gesell­schaf­tern (Mit­un­ter­neh­mern) der Unter­per­so­nen­ge­sell­schaft zu tref­fen­den Fest­stel­lun­gen Bin­dungs­wir­kung für das auf der Stu­fe der Ober­per­so­nen­ge­sell­schaft durch­zu­füh­ren­de und inhalt­lich an deren Gesell­schaf­ter (Mit­un­ter­neh­mer) gerich­te­te Fest­stel­lungs­ver­fah­ren ent­fal­tet (§ 182 Abs. 1 Satz 1 AO). Glei­ches gilt, wenn es sich bei der Unter­per­so­nen­ge­sell­schaft um eine aus­län­di­sche Per­so­nen­ge­sell­schaft han­delt, vor­aus­ge­setzt, dass ‑wor­an vor­lie­gend kein Zwei­fel besteht- an die­ser Gesell­schaft (hier: X‑LP) neben der Ober­per­so­nen­ge­sell­schaft (Klä­ge­rin) zumin­dest eine wei­te­re im Inland steu­er­pflich­ti­ge Per­son betei­ligt ist (vgl. § 180 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 AO; BFH, Urteil vom 24.07.2013 – I R 57/​11, BFHE 243, 102, m.w.N.). Nichts ande­res gilt fer­ner, wenn es um die Fest­stel­lung gemäß § 180 Abs. 5 Nr. 1 AO geht; auch inso­weit ist ‑unter den beschrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen- ein zwei­stu­fi­ges Fest­stel­lungs­ver­fah­ren mit der Fol­ge durch­zu­füh­ren, dass die bei der Unter­per­so­nen­ge­sell­schaft getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen ohne wei­te­re Prü­fung in das Fest­stel­lungs­ver­fah­ren bei der Ober­per­so­nen­ge­sell­schaft ein­ge­hen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 2. Dezem­ber 2015 – I R 13/​14

  1. BFH, Urteil vom 20.05.2015 – I R 75/​14, BFH/​NV 2015, 1687[]