Der Tele­ar­beits­platz im häus­li­chen Arbeits­zim­mer

Auch ein Raum, in dem ein Steu­er­pflich­ti­ger zuhau­se einen Tele­ar­beits­platz unter­hält, kann dem Typus des häus­li­chen Arbeits­zim­mers ent­spre­chen.

Der Tele­ar­beits­platz im häus­li­chen Arbeits­zim­mer

Der hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­ne Streit­fall betraf einen Klä­ger, der sich in sei­nem häus­li­chen Arbeits­zim­mer einen sog. Tele­ar­beits­platz ein­ge­rich­tet hat­te, in dem er gemäß einer Ver­ein­ba­rung mit sei­nem Dienst­herrn an bestimm­ten Wochen­ta­gen (Mon­tag und Frei­tag) sei­ne Arbeits­leis­tung erbrach­te. Das Finanz­amt ver­sag­te den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug für das häus­li­che Arbeits­zim­mer.

Der Bun­des­fi­nanz­hof gab dem Finanz­amt Recht und wies die Kla­ge ab: Der vom Klä­ger genutz­te Tele­ar­beits­platz ent­sprach grund­sätz­lich dem Typus des häus­li­chen Arbeits­zim­mers und dem Klä­ger stand an der Dienst­stel­le auch ein ande­rer Arbeits­platz "zur Ver­fü­gung". Denn dem Klä­ger war es weder unter­sagt, sei­nen dienst­li­chen Arbeits­platz jeder­zeit und damit auch an den eigent­lich häus­li­chen Arbeits­ta­gen zu nut­zen, noch war die Nut­zung des dienst­li­chen Arbeits­plat­zes in tat­säch­li­cher Hin­sicht in irgend­ei­ner Wei­se ein­ge­schränkt.

Gemäß § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG kann ein Steu­er­pflich­ti­ger Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nicht als Wer­bungs­kos­ten abzie­hen. Dies gilt nicht, wenn für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG). In die­sem Fall wird die Höhe der abzieh­ba­ren Auf­wen­dun­gen auf 1.250 EUR begrenzt; die Beschrän­kung der Höhe nach gilt nicht, wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­det (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG). Die genann­te Rege­lung kommt auch im Streit­fall zur Anwen­dung. Denn gemäß § 52 Abs. 12 Satz 9 EStG gilt sie für alle offe­nen Fäl­le ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2007.

Der im Gesetz nicht näher bestimm­te Begriff des häus­li­chen Arbeits­zim­mers erfasst nach der mitt­ler­wei­le stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) das häus­li­che Büro, d.h. einen Arbeits­raum, der sei­ner Lage, Funk­ti­on und Aus­stat­tung nach in die häus­li­che Sphä­re des Steu­er­pflich­ti­gen ein­ge­bun­den ist und vor­wie­gend der Erle­di­gung gedank­li­cher, schrift­li­cher oder ver­wal­tungs­tech­ni­scher Arbei­ten dient1 Der Nut­zung ent­spre­chend ist das häus­li­che Arbeits­zim­mer typi­scher­wei­se mit Büro­mö­beln ein­ge­rich­tet, wobei der Schreib­tisch regel­mä­ßig das zen­tra­le Möbel­stück dar­stellt2.

Ande­res gilt für Räum­lich­kei­ten, die ihrer Aus­stat­tung und Funk­ti­on nach nicht einem Büro ent­spre­chen. Sol­che Räu­me sind nicht dem Typus des häus­li­chen Arbeits­zim­mers zuzu­ord­nen. Dies gilt auch dann, wenn sie nach ihrer Lage mit dem Wohn­raum des Steu­er­pflich­ti­gen ver­bun­den und des­we­gen in des­sen häus­li­che Sphä­re ein­ge­bun­den sind. Von der Recht­spre­chung dazu bis­her ent­schie­de­ne Fäl­le betra­fen Lager, Werk­stät­ten, Arzt­pra­xen oder Aus­stel­lungs­räu­me3. Im Ein­zel­fall ist das häus­li­che Arbeits­zim­mer von ande­ren beruf­lich oder betrieb­lich genutz­ten Zim­mern im häus­li­chen Bereich auf­grund einer Gesamt­wür­di­gung der Umstän­de des Ein­zel­falls abzu­gren­zen4. Ist eine Zuord­nung zum Typus des häus­li­chen Arbeits­zim­mers nicht mög­lich, so sind die durch die beruf­li­che Nut­zung ver­an­lass­ten Auf­wen­dun­gen grund­sätz­lich unbe­schränkt als Wer­bungs­kos­ten gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG abzieh­bar, sofern die betref­fen­den Räum­lich­kei­ten nahe­zu aus­schließ­lich beruf­lich genutzt wer­den5.

Der vom Klä­ger genutz­te Raum ent­spricht grund­sätz­lich dem Typus des häus­li­chen Arbeits­zim­mers.

Hin­sicht­lich der Fra­ge, ob die Abzugs­be­schrän­kun­gen für das häus­li­che Arbeits­zim­mer ohne wei­te­res auf Auf­wen­dun­gen eines Arbeit­neh­mers für einen häus­li­chen Tele­ar­beits­platz über­tra­gen wer­den kön­nen, ist zwar grund­sätz­lich auf das Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 23.05.20066 zu ver­wei­sen. Danach kön­nen Auf­wen­dun­gen eines Steu­er­pflich­ti­gen für einen Tele­ar­beits­platz der­art zwangs­läu­fig durch die Erwerbs­tä­tig­keit ver­an­lasst sein, dass bereits zwei­fel­haft sein kann, ob der Anwen­dungs­be­reich der Vor­schrift über­haupt eröff­net ist. In der genann­ten Ent­schei­dung hat der Bun­des­fi­nanz­hof aller­dings auch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es die unter­schied­lichs­ten For­men der Tele­ar­beit gibt. Ins­be­son­de­re ist das Urteil nicht dahin­ge­hend zu ver­ste­hen, dass der Tat­be­stand des häus­li­chen Arbeits­zim­mers stets schon dann aus­ge­schlos­sen ist, wenn der Arbeit­neh­mer zuhau­se über einen Tele­ar­beits­platz ver­fügt.

Im hier vor­lie­gen­den Streit­fall tra­gen des­sen Fest­stel­lun­gen über die Ver­ein­ba­run­gen hin­sicht­lich der Ein­rich­tung des Tele­ar­beits­plat­zes nicht des­sen Wür­di­gung, dass der vom Klä­ger genutz­te Raum schon prin­zi­pi­ell nicht dem Typus des häus­li­chen Arbeits­zim­mers ent­spre­che. Denn der Raum wird vom Klä­ger im Sin­ne der vor­ge­nann­ten Rechts­grund­sät­ze büro­mä­ßig genutzt und dient der Erle­di­gung gedank­li­cher, schrift­li­cher und ver­wal­tungs­tech­ni­scher Arbei­ten. Der als Arbeits­zim­mer genutz­te Raum zuhau­se weist auch ansons­ten kei­ne Beson­der­hei­ten auf, die den Raum nicht als typi­sches häus­li­ches Arbeits­zim­mer erschei­nen lie­ßen. Auch mit Blick auf den Arbeits­platz in der Dienst­stel­le folgt nichts ande­res. Denn nach den Fest­stel­lun­gen war es dem Klä­ger weder unter­sagt, sei­nen Arbeits­platz dort auch an den eigent­li­chen häus­li­chen Arbeits­ta­gen zu nut­zen, noch war der in der Dienst­stel­le zur Ver­fü­gung gestell­te Arbeits­platz hin­sicht­lich der Nut­zung ein­ge­schränkt. Dem­entspre­chend war der Arbeit­ge­ber nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt auch nicht bereit, für steu­er­li­che Zwe­cke eine Bestä­ti­gung dar­über zu ertei­len, dass der Klä­ger an sei­nen Tele­ar­beits­ta­gen kein Büro zur Ver­fü­gung habe.

Ange­sichts des­sen kommt es nicht dar­auf an, dass nach den arbeits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen der Klä­ger an zwei Tagen in der Woche zuhau­se arbei­ten und dafür einen Raum vor­hal­ten soll­te. Denn allein eine Ver­ein­ba­rung dar­über, in wel­chem Umfang das häus­li­che Arbeits­zim­mer genutzt wer­den kann oder genutzt wer­den soll, lässt den Tat­be­stand des häus­li­chen Arbeits­zim­mers nicht ent­fal­len. Ent­spre­chen­des gilt für den auf unter­schied­lichs­ten Moti­ven beru­hen­den Umstand, dass der Arbeit­ge­ber die im Zusam­men­hang mit dem Arbeits­zim­mer ent­ste­hen­den Kos­ten für Kom­mu­ni­ka­ti­on und Möblie­rung über­nimmt. Ande­res mag gel­ten, wenn der Arbeit­ge­ber für den Arbeit­neh­mer schon kei­nen Arbeits­platz vor­hält. Davon kann im Streit­fall indes­sen, wie dar­ge­legt, nicht aus­ge­gan­gen wer­den.

Der Wer­bungs­kos­ten­ab­zug lässt sich auch nicht unmit­tel­bar auf § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Sät­ze 2, 3 EStG mit der Annah­me stüt­zen, dass dem Klä­ger ein ande­rer Arbeits­platz im Sin­ne die­ser Vor­schrift nicht zur Ver­fü­gung gestan­den habe. Denn ein sol­cher "ande­rer Arbeits­platz" ist grund­sätz­lich jeder Arbeits­platz, sofern er zur Erle­di­gung büro­mä­ßi­ger Arbei­ten geeig­net ist7. Dazu muss die­ser ande­re Arbeits­platz aller­dings so beschaf­fen sein, dass der Steu­er­pflich­ti­ge auf das häus­li­che Arbeits­zim­mer nicht ange­wie­sen ist. Des­halb steht der ande­re Arbeits­platz nur dann "für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit … zur Ver­fü­gung", wenn ihn der Steu­er­pflich­ti­ge in dem kon­kret erfor­der­li­chen Umfang und in der kon­kret erfor­der­li­chen Art und Wei­se tat­säch­lich nut­zen kann8.

Dar­an gemes­sen tra­gen die Dienst­ver­ein­ba­run­gen über die Ein­rich­tung des Tele­ar­beits­plat­zes weder nach ihrem unmit­tel­ba­ren Wort­laut noch nach ihrem Sinn und Zweck die Annah­me, dass dem Klä­ger am Dienst­sitz kein ande­rer Arbeits­platz im vor­ge­nann­ten Sin­ne zur Ver­fü­gung gestan­den habe. Denn die­ser Annah­me ste­hen die Fest­stel­lun­gen ent­ge­gen, dass es dem Klä­ger nicht unter­sagt war, sei­nen dienst­li­chen Arbeits­platz auch an den häus­li­chen Arbeits­ta­gen wei­ter­hin zu nut­zen, dass der dienst­li­che Arbeits­platz hin­sicht­lich des­sen Nut­zung nicht ein­ge­schränkt war und der Arbeit­ge­ber Gegen­tei­li­ges auch nicht bestä­ti­gen konn­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Febru­ar 2014 – VI R 40/​12

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urteil vom 08.12 2011 – VI R 13/​11, BFHE 236, 92, BSt­Bl II 2012, 236, m.w.N. []
  2. BFH, Urtei­le vom 16.10.2002 – XI R 89/​00, BFHE 201, 27, BSt­Bl II 2003, 185; vom 20.11.2003 – IV R 3/​02, BFHE 205, 46, BSt­Bl II 2005, 203 []
  3. BFH, Urtei­le vom 19.03.2003 – VI R 40/​01, BFH/​NV 2003, 1163; vom 19.09.2002 – VI R 70/​01, BFHE 200, 336, BSt­Bl II 2003, 139; in BFHE 205, 46, BSt­Bl II 2005, 203; vom 05.12 2002 – IV R 7/​01, BFHE 201, 166, BSt­Bl II 2003, 463; vom 26.06.2003 – VI R 10/​02, BFH/​NV 2003, 1560; in BFHE 201, 27, BSt­Bl II 2003, 185; vom 20.11.2003 – IV R 30/​03, BFHE 204, 176, BSt­Bl II 2004, 775 []
  4. BFH, Urteil in BFHE 201, 27, BSt­Bl II 2003, 185 []
  5. BFH, Urtei­le in BFHE 205, 46, BSt­Bl II 2005, 203; vom 22.11.2006 – X R 1/​05, BFHE 216, 110, BSt­Bl II 2007, 304 []
  6. BFH, Urteil vom 23.05.2006 – VI R 21/​03, BFHE 214, 158, BSt­Bl II 2006, 600 []
  7. vgl. BFH, Urteil vom 07.08.2003 – VI R 17/​01, BFHE 203, 130, BSt­Bl II 2004, 78 []
  8. vgl. BFH, Urteil in BFHE 203, 130, BSt­Bl II 2004, 78 []