Die Spen­de an eine Pfarr­ge­mein­de – und die Fra­ge der Unent­gelt­lich­keit

Eine Spen­de muss ohne die Erwar­tung eines beson­de­ren Vor­teils gege­ben wer­den; die Spen­den­mo­ti­va­ti­on muss im Vor­der­grund ste­hen.

Die Spen­de an eine Pfarr­ge­mein­de – und die Fra­ge der Unent­gelt­lich­keit

Die Unent­gelt­lich­keit ist für die Spen­de und damit für den Spen­den­ab­zug kon­sti­tu­ti­ves Merk­mal. Die steu­er­li­che Ent­las­tung der Spen­de ist nur gerecht­fer­tigt, wenn sie weder pri­vat- noch grup­pen­nüt­zig, son­dern aus­schließ­lich fremd­nüt­zig, d.h. zur För­de­rung des Gemein­wohls ver­wen­det wird.

Ein Spen­den­ab­zug ist daher nicht nur aus­ge­schlos­sen, wenn die Aus­ga­ben zur Erlan­gung einer Gegen­leis­tung des Emp­fän­gers erbracht wer­den, son­dern schon dann, wenn die Zuwen­dun­gen an den Emp­fän­ger unmit­tel­bar und ursäch­lich mit einem von die­sem oder einem Drit­ten gewähr­ten Vor­teil zusam­men­hän­gen, ohne dass der Vor­teil unmit­tel­bar wirt­schaft­li­cher Natur sein muss 1.

Die Beur­tei­lung der Fra­ge, ob die Spen­de­rin die Zah­lung unent­gelt­lich i.S. von fremd­nüt­zig geleis­tet hat, gehört zum Bereich der Tat­sa­chen­wür­di­gung, die dem Finanz­ge­richt obliegt und damit der revi­si­ons­ge­richt­li­chen Kon­trol­le grund­sätz­lich ent­zo­gen ist. Nur wenn sie ver­fah­rens­recht­lich nicht ein­wand­frei zustan­de gekom­men ist, sie durch Denk­feh­ler oder die Ver­let­zung von Erfah­rungs­sät­zen beein­flusst wur­de, liegt ein die Revi­si­on begrün­den­der sach­lich-recht­li­cher Man­gel des Urteils vor 2.

Bei Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze ist für den Bun­des­fi­nanz­hof die Wür­di­gung des Finanz­ge­richts Köln 3, die von der Spen­de­rin an die Pfarr­ge­mein­de geleis­te­ten Zah­lun­gen sei­en Spen­den i.S. des § 10b Abs. 1 EStG, revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Die im Urteil des Finanz­ge­richts auf­ge­zähl­ten "Vor­tei­le" (Gra­vur des Namens in den Altar, Nen­nung in den Für­bit­ten und Ein­la­dung zu dem Wei­he­fest) sind auch nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs ledig­lich Aus­fluss der gemein­nüt­zi­gen Mit­tel­ver­ga­be 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. März 2018 – X R 5/​16

  1. BFH, Urteil vom 09.12 2014 – X R 4/​11, BFH/​NV 2015, 853, Rz 40, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil in BFH/​NV 2015, 853, Rz 42, m.w.N.[]
  3. FG Köln, Urteil vom 20.01.2016 – 9 K 3177/​14[]
  4. vgl. dazu Schmidt/​Heinicke, EStG 37. Aufl., § 10b Rz 15[]