Durch­lauf­s­pen­den

Eine "Durch­lauf­s­pen­de" ist nach einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs grund­sätz­lich nur dann steu­er­lich abzieh­bar, wenn der Letzt­emp­fän­ger im Zeit­punkt der Hin­ga­be des Spen­den­be­trags durch den Spen­der wegen Gemein­nüt­zig­keit von der Kör­per­schaft­steu­er befreit ist.

Durch­lauf­s­pen­den

Spen­den an gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tun­gen kön­nen bis zu bestimm­ten Höchst­be­trä­gen als Betriebs­aus­ga­ben oder Son­der­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den. Dabei hing u.a. bei Spen­den an Sport­ver­ei­ne in der Ver­gan­gen­heit (bis ein­schließ­lich 1999) die Abzieh­bar­keit davon ab, dass der Spen­den­be­trag an eine öffent­li­che Stel­le – z.B. eine Gemein­de – geleis­tet wur­de, die ihn dann an den begüns­tig­ten Ver­ein (Letzt­emp­fän­ger) wei­ter­lei­te­te. Die­ses "Durch­lauf­s­pen­den­ver­fah­ren" ist heu­te nicht mehr not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung des Spen­den­ab­zugs, wird aber wei­ter­hin prak­ti­ziert und von den Finanz­be­hör­den aner­kannt.

Im Urteils­fall hat­te eine GmbH im Dezem­ber 1995 einer Gemein­de einen Spen­den­scheck zu Guns­ten des ört­li­chen Sport­ver­eins über­ge­ben. Zu die­sem Zeit­punkt erfüll­te die Sat­zung des begüns­tig­ten Ver­eins nicht die Vor­aus­set­zun­gen für die Aner­ken­nung der Gemein­nüt­zig­keit. Des­halb lei­te­te die Gemein­de den Scheck erst wei­ter, nach­dem die Ver­eins­sat­zung im Juni 1996 an die dafür maß­geb­li­chen Bestim­mun­gen ange­passt wor­den war. Das Finanz­amt ver­sag­te der GmbH dar­auf­hin den gel­tend gemach­ten Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug mit dem Argu­ment, dass der Ver­ein im Zeit­punkt der Bege­bung der Spen­de noch nicht gemein­nüt­zig gewe­sen sei. Die­se Hand­ha­bung hat der BFH bestä­tigt. Zur Begrün­dung hat er vor allem dar­auf ver­wie­sen, dass bei einer Durch­lauf­s­pen­de die Gemein­de nicht eigen­stän­dig über die Ver­wen­dung des Spen­den­be­trags ent­schei­den kön­ne, son­dern inso­weit an die Bestim­mung des Spen­ders gebun­den sei; aus wirt­schaft­li­cher Sicht sei mit­hin "Emp­fän­ger" der Spen­de der Ver­ein, wes­halb bei der Beur­tei­lung der Vor­aus­set­zun­gen des Spen­den­ab­zugs auf die bei ihm gege­be­nen Ver­hält­nis­se abge­stellt wer­den müs­se. Zudem wür­den ande­ren­falls "Durch­lauf­s­pen­den" gegen­über "Direkt­spen­den" (unmit­tel­bar an den Letzt­emp­fän­ger geleis­te­te Spen­den) bevor­zugt, bei denen zwei­fels­frei der Abzug von der Gemein­nüt­zig­keit des Emp­fän­gers im Zeit­punkt der Spen­den­leis­tung abhän­ge.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 5. April 2006 – I R 20/​05