Kir­chen­ein­kom­men­steu­er in sog. glau­bens­ver­schie­de­nen Ehen

§ 19 Abs. 4 KiStG BW ver­stößt nicht gegen das Gebot der Fol­ge­rich­tig­keit und damit gegen das Gleich­heits­ge­bot in Art. 3 GG, indem es in glau­bens­ver­schie­de­nen Ehen bei der Anteils­be­mes­sung der Kir­chen­ein­kom­men­steu­er der Lebens­füh­rungs­auf­wand des nicht-ver­die­nen­den Ehe­gat­ten (Nicht-Kir­chen­mit­glied) beim allein­ver­die­nen­den Ehe­gat­ten (Kir­chen­mit­glied) nicht berück­sich­tigt wird, im umge­kehr­ten Fall aber (Allein­ver­die­ner ist Nicht-Kir­chen­mit­glied und nicht-ver­die­nen­der Ehe­gat­te ist Kir­chen­mit­glied) das beson­de­re Kirch­geld vom nicht-ver­die­nen­den Ehe­gat­ten als Kir­chen­mit­glied erho­ben wird und sich typi­sie­rend an des­sen Lebens­füh­rungs­auf­wand bemisst.

Kir­chen­ein­kom­men­steu­er in sog. glau­bens­ver­schie­de­nen Ehen

Die im Wesent­li­chen maß­geb­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­gen sind bereits durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts [1] und des Bun­des­fi­nanz­hofs [2] geklärt. So hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt her­vor­ge­ho­ben, dass zwar nicht das ein­kom­men­steu­er­recht­lich ermit­tel­te Ein­kom­men des nicht einer Kir­che ange­hö­ren­den Ehe­gat­ten, wohl aber der Lebens­füh­rungs­auf­wand des kir­chen­an­ge­hö­ri­gen Ehe­gat­ten den Gegen­stand der Besteue­rung bil­den kann [3]. Wenn ange­sichts der Schwie­rig­kei­ten der Bestim­mung des Lebens­füh­rungs­auf­wan­des als Indi­ka­tor der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit des kir­chen­an­ge­hö­ri­gen Ehe­part­ners die­ser Auf­wand nach dem gemein­sa­men Ein­kom­men der Ehe­gat­ten bemes­sen wird, ist hier­ge­gen ver­fas­sungs­recht­lich nichts ein­zu­wen­den [4].

Die­se Aus­füh­run­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bezie­hen sich aller­dings auf das beson­de­re Kirch­geld, das im Gegen­satz zu Kir­chen­steu­ern, die als Zuschlag­steu­er zur Ein­kom­men­steu­er erho­ben wer­den (Kir­chen­ein­kom­men­steu­er), als eine eigen­stän­di­ge Steu­er, die auf einem kir­chen­ei­ge­nen Steu­er­ta­rif beruht, erho­ben wird [5]. Den Aus­füh­run­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts liegt damit erkenn­bar die Grund­an­nah­me einer strik­ten Tren­nung zwi­schen der Kir­chen­ein­kom­men­steu­er als Annex­steu­er und dem beson­de­ren Kirch­geld als eigen­stän­di­ge Steu­er zugrun­de.

Ein „Kor­re­spon­denz­prin­zip“ liegt ihnen erkenn­bar nicht zugrun­de. Denn mit dem beson­de­ren Kirch­geld sol­len Kir­chen­an­ge­hö­ri­ge, deren wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit sich durch eine Ehe­schlie­ßung im Hin­blick auf das Ein­kom­men des –kon­fes­si­ons­lo­sen– Ehe­gat­ten erhöht hat, und die man­gels eige­nen Ein­kom­mens im Sin­ne des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes kir­chen­steu­er­frei blei­ben wür­den, einer ange­mes­se­nen Besteue­rung unter­wor­fen wer­den. Nur für die­se Fall­kon­stel­la­ti­on ori­en­tiert sich das beson­de­re Kirch­geld als eigen­stän­di­ge Steu­er der Höhe nach an dem tat­säch­li­chen Lebens­zu­schnitt des kir­chen­steu­er­pflich­ti­gen Ehe­gat­ten und nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts als unbe­denk­li­ches Besteue­rungs­merk­mal am „Lebens­füh­rungs­auf­wand“ des kir­chen­an­ge­hö­ri­gen Ehe­gat­ten [6].

Dies bedeu­tet, dass es jeden­falls ver­fas­sungs­recht­lich nicht gebo­ten ist, den für das beson­de­re Kirch­geld her­an­ge­zo­ge­nen Besteue­rungs­maß­stab des Lebens­füh­rungs­auf­wan­des „kor­re­spon­die­rend“ auch auf die Kir­chen­ein­kom­men­steu­er zu über­tra­gen. Dies ins­be­son­de­re auch des­halb nicht, weil sich im Fall der Zusam­men­ver­an­la­gung von Ehe­gat­ten nach §§ 26, 26b EStG 2002 die Bemes­sungs­grund­la­ge der Kir­chen­ein­kom­men­steu­er bereits durch die Anwen­dung des Split­ting-Ver­fah­rens nach § 32a Abs. 5 EStG 2002 ver­min­dert hat und hier­durch inner­halb der Erwerbs‑, aber auch Ver­brauchs­ge­mein­schaft der Ehe­gat­ten im Ergeb­nis auch die gegen­sei­ti­gen Unter­halts­pflich­ten abge­bil­det wer­den. Die zusätz­li­che Berück­sich­ti­gung eines „Lebens­füh­rungs­auf­wan­des“ wür­de dem­ge­gen­über den „Son­der­fall“ der glau­bens­ver­schie­de­nen Ehe in der Kon­stel­la­ti­on des Streit­falls gegen­über kon­fes­si­ons­glei­chen und kon­fes­si­ons­ver­schie­de­nen Ehen bes­ser stel­len.

Dem kann nach Auf­fas­sung des Bunds­fi­nanz­hofs nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, dass im Kir­chen­steu­er­recht die glau­bens­ver­schie­de­ne Ehe nicht als „Leis­tungs­fä­hig­keits­ge­mein­schaft“ zu ver­ste­hen sei. Die­se Betrach­tung mag –obwohl wie aus­ge­führt die Anwen­dung des Split­ting-Ver­fah­rens die Bemes­sungs­grund­la­ge ver­min­dert hat– zutref­fend sein, da sich der Gesetz­ge­ber bei der Bemes­sungs­grund­la­ge für glau­bens­ver­schie­de­ne Ehen im Fal­le der Zusam­men­ver­an­la­gung für das Indi­vi­dua­li­sie­rungs­prin­zip ent­schie­den hat und gera­de nicht jedem Ehe­gat­ten die Hälf­te des gemein­sa­men Ein­kom­mens bzw. der Ein­kom­men­steu­er zurech­net, dies hat jedoch nicht die vom Klä­ger begehr­te Rechts­fol­ge zur Kon­se­quenz, dass eine Berück­sich­ti­gung des „Lebens­füh­rungs­auf­wan­des“ auch bei der Kir­chen­ein­kom­men­steu­er ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten ist.

Ver­gleicht man die Kir­chen­steu­er­be­las­tung kon­fes­si­ons­glei­cher und kon­fes­si­ons­ver­schie­de­ner Ehen einer­seits und die glau­bens­ver­schie­de­ner Ehen ande­rer­seits, so ist eine Ungleich­be­hand­lung der Ehe als Leis­tungs­fä­hig­keits­ge­mein­schaft nicht fest­zu­stel­len. Sowohl die kon­fes­si­ons­glei­che oder kon­fes­si­ons­ver­schie­de­ne Ehe als auch die glau­bens­ver­schie­de­ne Ehe ist, sofern nur ein Ehe­gat­te Ein­künf­te bezieht, mit Kir­chen­steu­er in Höhe von 8% bzw. 9% der gemein­sa­men Ein­kom­men­steu­er belas­tet [7]. Im Grun­de möch­te der Klä­ger als ver­hei­ra­te­tes Kir­chen­mit­glied bes­ser als der Ehe­part­ner einer kon­fes­si­ons­glei­chen oder kon­fes­si­ons­ver­schie­de­nen Ehe gestellt wer­den. Ver­fas­sungs­recht­lich besteht hier­für kei­ne Hand­ha­be.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 8. Okto­ber 2013 – I B 109/​12

  1. vgl. ins­be­son­de­re BVerfG, Beschluss vom 28.10.2010 – 2 BvR 591/​06, 2 BvR 1689/​09, 2 BvR 2698/​09, 2 BvR 2715/​09, 2 BvR 148/​10, 2 BvR 816/​10, HFR 2011, 98, m.w.N. aus der Recht­spre­chung des BVerfG[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 19.10.2005 – I R 76/​04, BFHE 211, 90, BStBl II 2006, 274, m.w.N.[]
  3. vgl. BVerfG, Urteil vom 14.12.1965 – 1 BvR 606/​60, BVerfGE 19, 268, BStBl I 1966, 196[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss in HFR 2011, 98; unter Hin­weis auf BFH, Urteil in BFHE 211, 90, BStBl II 2006, 274[]
  5. vgl. hier­zu: Mar­ré in Listl/​Pirson, Hand­buch des Staats­kir­chen­rechts der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Bd. I, S. 1135; v. Cam­pen­hau­sen in v. Mangoldt/​Klein/​Starck, Das Bon­ner Grund­ge­setz, Kom­men­tar, 6. Aufl., Art. 137 WRV Rz 541; Ham­mer, Rechts­fra­gen der Kir­chen­steu­er, 2002, S. 327 ff. und 473 ff., m.w.N.[]
  6. BVerfG, Urteil in BVerfGE 19, 268, BStBl I 1966, 196; eben­so: BVerwG, Urteil vom 18.02.1977 – VII C 48.73, BVerw­GE 52, 104; BFH, Beschluss vom 22.01.2012 – I B 18/​01, BFH/​NV 2002, 674, m.w.N.[]
  7. vgl. inso­weit auch BFH, Urteil vom 08.04.1997 – I R 68/​96, BFHE 183, 107, BStBl II 1997, 545[]