Monats­prin­zip bei der Kin­der­geld­be­rech­ti­gung von auf Antrag unbe­schränkt Ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­gen

Nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 EStG hat Anspruch auf Kin­der­geld für Kin­der i.S. des § 63 EStG, wer im Inland einen Wohn­sitz oder sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat. Der Kin­der­geld­an­spruch rich­tet sich ‑dem Monats­prin­zip nach § 66 Abs. 2 EStG fol­gend- danach, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von Kin­der­geld im jewei­li­gen Monat vor­lie­gen. Beim Wech­sel von der beschränk­ten zur unbe­schränk­ten Steu­er­pflicht und umge­kehrt kann Kin­der­geld daher nur vom Beginn des Monats, in dem ein inlän­di­scher Wohn­sitz oder gewöhn­li­cher Auf­ent­halt begrün­det wird, bis zum Ablauf des Monats, in dem die­ser auf­ge­ge­ben wird, gewährt wer­den 1. Vor Begrün­dung und nach Auf­ga­be des inlän­di­schen Wohn­sit­zes oder gewöhn­li­chen Auf­ent­halts besteht daher nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 EStG kein Anspruch auf Kin­der­geld 2.

Monats­prin­zip bei der Kin­der­geld­be­rech­ti­gung von auf Antrag unbe­schränkt Ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­gen

Ein Eltern­teil ist nach § 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG kin­der­geld­be­rech­tigt, soweit er nach § 1 Abs. 3 EStG auf­grund inlän­di­scher Ein­künf­te i.S. des § 49 EStG als unbe­schränkt ein­kom­men­steu­er­pflich­tig behan­delt wor­den ist.

Für Kin­der i.S. des § 63 EStG hat nach § 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG Anspruch auf Kin­der­geld, wer ohne Wohn­sitz oder gewöhn­li­chen Auf­ent­halt im Inland nach § 1 Abs. 3 EStG "als unbe­schränkt ein­kom­men­steu­er­pflich­tig behan­delt" wird.

Nach § 1 Abs. 3 EStG wer­den auf Antrag auch natür­li­che Per­so­nen als unbe­schränkt ein­kom­men­steu­er­pflich­tig behan­delt, die im Inland weder einen Wohn­sitz noch ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt haben, soweit sie inlän­di­sche Ein­künf­te i.S. des § 49 EStG erzie­len. Dies gilt nur, wenn ihre Ein­künf­te im Kalen­der­jahr zu min­des­tens 90 % der deut­schen Ein­kom­men­steu­er unter­lie­gen oder die nicht der deut­schen Ein­kom­men­steu­er unter­lie­gen­den Ein­künf­te den Grund­frei­be­trag nach § 32a Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG nicht über­stei­gen. Vor­aus­set­zung ist wei­ter u.a., dass die Höhe der nicht der deut­schen Ein­kom­men­steu­er unter­lie­gen­den Ein­künf­te durch eine Beschei­ni­gung der zustän­di­gen aus­län­di­schen Steu­er­be­hör­de nach­ge­wie­sen wird.

Die Kin­der­geld­be­rech­ti­gung nach § 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG ist ‑anders als die nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 Buchst. a EStG- von der ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Behand­lung des Antrag­stel­lers abhän­gig. Eine Kin­der­geld­be­rech­ti­gung nach § 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG setzt vor­aus, dass der Antrag­stel­ler auf­grund eines ent­spre­chen­den Antrags vom Finanz­amt nach § 1 Abs. 3 EStG als unbe­schränkt ein­kom­men­steu­er­pflich­tig behan­delt wird 3.

Eine Kin­der­geld­be­rech­ti­gung ist in den Fäl­len des § 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG nicht für das gesam­te Kalen­der­jahr gege­ben, auch wenn die Ein­kom­men­steu­er eine Jah­res­steu­er ist (§ 2 Abs. 7 Satz 1 EStG).

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat bereits in stän­di­ger Recht­spre­chung ent­schie­den, dass eine Kin­der­geld­be­rech­ti­gung nach § 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG nur in den Mona­ten des betref­fen­den Kalen­der­jahrs besteht, in denen der Anspruchs­be­rech­tig­te inlän­di­sche Ein­künf­te i.S. des § 49 EStG erzielt, und die­se ein­schrän­ken­de Aus­le­gung der Anspruchs­norm auch im Ein­klang mit dem Uni­ons­recht steht 4.

Die­se Recht­spre­chung bestä­tigt der Bun­des­fi­nanz­hof 5.

Die hier­ge­gen erho­be­nen Ein­wen­dun­gen grei­fen nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht durch:

Soweit vor­ge­bracht wird, dass es nicht mög­lich sei, allein auf die Mona­te der Erzie­lung inlän­di­scher Ein­künf­te abzu­stel­len, da weder die nach § 1 Abs. 3 EStG erge­hen­den Ein­kom­men­steu­er­be­schei­de noch die Beschei­ni­gung EU/​EWR die kon­kre­ten Zeit­räu­me, in denen jeweils die der Besteue­rung zugrun­de geleg­ten Ein­künf­te erzielt wor­den sei­en, nicht expli­zit auf­führ­ten, ver­mag der Bun­des­fi­nanz­hof dem nicht zu fol­gen. Denn die Fami­li­en­kas­sen und Finanz­ge­rich­te haben den Sach­ver­halt von Amts wegen zu ermit­teln (§ 88 AO, § 76 FGO)). Dabei sind die Betei­lig­ten zur Mit­wir­kung ver­pflich­tet ((§ 90 AO, § 76 Abs. 1 Sät­ze 2 bis 4 FGO).

Eben­so wenig ver­mag sich der Bun­des­fi­nanz­hof die­sen Argu­men­ten dar­in anzu­schlie­ßen, dass die im Zusam­men­hang mit der Erzie­lung inlän­di­scher Ein­künf­te i.S. des § 1 Abs. 3 EStG ver­bun­de­ne Prü­fung und Bewer­tung ein­kom­men­steu­er­recht­li­cher Sach­ver­hal­te zu einem nach Ansicht des Gesetz­ge­bers zu ver­mei­den­den Ver­wal­tungs­mehr­auf­wand füh­ren wür­de. Die Gewähr­leis­tung des Monats­prin­zips auch bei den Fäl­len des § 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG ent­spricht dem Sinn und Zweck die­ser Vor­schrift und mit­hin der Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. Juli 2013 – XI R 8/​12

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 20.11.2008 – III R 53/​05, BFH/​NV 2009, 564; vom 24.10.2012 – V R 43/​11, BFHE 239, 327, BSt­Bl II 2013, 491[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFHE 239, 327, BSt­Bl II 2013, 491[]
  3. vgl. dazu BFH, Urtei­le vom 24.05.2012 – III R 14/​10, BFHE 237, 239, BSt­Bl II 2012, 897; vom 18.07.2013 – III R 59/​11, BFHE 242, 228[]
  4. vgl. dazu BFH, Urtei­le in BFHE 239, 327, BSt­Bl II 2013, 491; vom 18.04.2013 – VI R 70/​11, BFH/​NV 2013, 1554; in BFHE 242, 228[]
  5. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 239, 327, BSt­Bl II 2013, 491, in BFH/​NV 2013, 1554 und in BFHE 242, 228[]