Pol­ni­sches oder deut­sches Kin­der­geld?

Nach § 62 Abs. 1 EStG hat für Kin­der i.S. des § 63 EStG Anspruch auf Kin­der­geld u.a., wer im Inland einen Wohn­sitz oder sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat (Nr. 1) oder nach § 1 Abs. 3 EStG als unbe­schränkt ein­kom­men­steu­er­pflich­tig behan­delt wird (Nr. 2 Buchst. b).

Pol­ni­sches oder deut­sches Kin­der­geld?

Ein Kin­der­geld­an­spruch nach §§ 62 f. EStG kann auch im Fal­le einer durch Art. 14 Nr. 1 Buchst. a VO Nr. 1408/​71 begrün­de­ten Anwend­bar­keit pol­ni­schen Rechts ent­ste­hen.

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof im Anschluss an die Ent­schei­dun­gen des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 1 ent­schie­den hat, ent­fal­ten die Zustän­dig­keits­re­ge­lun­gen der Art. 13 ff. VO Nr. 1408/​71 kei­ne Sperr­wir­kung gegen­über der Anwen­dung des natio­na­len Rechts 2.

Nach § 62 Abs. 1 EStG hat für Kin­der i.S. des § 63 EStG Anspruch auf Kin­der­geld u.a., wer im Inland einen Wohn­sitz oder sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat (Nr. 1) oder nach § 1 Abs. 3 EStG als unbe­schränkt ein­kom­men­steu­er­pflich­tig behan­delt wird (Nr. 2 Buchst. b). Soweit danach die Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen der §§ 62 f. EStG erfüllt sind, ist zu prü­fen, wie das Kon­kur­renz­ver­hält­nis zu etwai­gen dem Kin­der­geld ver­gleich­ba­ren Leis­tun­gen in Polen auf­zu­lö­sen ist.

Inso­weit ver­weist der Bun­des­fi­nanz­hof dar­auf, dass das Kon­kur­renz-ver­hält­nis nach natio­na­lem Recht zu lösen ist, wenn Deutsch­land nach den Bestim­mun­gen der Art. 13 ff. VO Nr. 1408/​71 der nicht zustän­di­ge Mit­glied­staat und auch nicht der Wohn­mit­glied­staat des betref­fen­den Kin­des ist 3.

Im Fal­le der Anwend­bar­keit des § 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG wäre das Finanz­ge­richt im Grund­satz ver­pflich­tet, eine eige­ne Ent­schei­dung dar­über zu tref­fen, ob für ein Kind ein Anspruch auf Gewäh­rung von dem Kin­der­geld ver­gleich­ba­ren Leis­tun­gen nach aus­län­di­schem Recht besteht 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 5. Febru­ar 2015 – III R 29/​14

  1. EuGH, Urteil Bos­mann, – C‑352/​06, EU:C:2008:290, sowie Urteil Hud­zin­ski und Wawr­zy­ni­ak, – C‑611/​10 und – C‑612/​10, EU:C:2012:339
  2. s. im Ein­zel­nen z.B. BFH, Urtei­le vom 16.05.2013 – III R 8/​11, BFHE 241, 511, BSt­Bl II 2013, 1040, Rz 12 ff.; vom 14.11.2013 – III R 12/​11, BFH/​NV 2014, 506, Rz 12 ff.; und vom 13.11.2014 – III R 18/​14, BFH/​NV 2015, 331, Rz 13
  3. s. im Ein­zel­nen BFH, Urteil in BFHE 241, 511, BSt­Bl II 2013, 1040, Rz 28
  4. s. im Ein­zel­nen BFH, Urtei­le vom 13.06.2013 – III R 63/​11, BFHE 242, 34, BSt­Bl II 2014, 711, Rz 17 ff.; und vom 13.06.2013 – III R 10/​11, BFHE 241, 562, BSt­Bl II 2014, 706, Rz 20 ff.