Regel­mä­ßi­ge Arbeits­stät­te eines Feu­er­wehr­manns

Nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf hat ein Feu­er­wehr­mann, der an 77 Tagen im Jahr als Fah­rer eines Not­ein­satz­fahr­zeu­ges des Kran­ken­hau­ses Bereit­schafts­dienst leis­tet und dem im Kran­ken­haus hier­zu ein Dienst­zim­mer zur Ver­fü­gung steht, nicht nur in der Feu­er­wa­che, son­dern auch im Kran­ken­haus eine regel­mä­ßi­ge Arbeits­stät­te. Eine Aus­wärts­tä­tig­keit und die Mög­lich­keit, Pausch­be­trä­ge wegen Mehr­auf­wan­des an Ver­pfle­gung gel­tend zu machen, sei damit nicht gege­ben. Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf bil­lig­te damit, dass das Finanz­amt die bean­trag­ten Ver­pfle­gungs­pau­scha­len nicht als Wer­bungs­kos­ten des Klä­gers berück­sich­tigt hat.

Regel­mä­ßi­ge Arbeits­stät­te eines Feu­er­wehr­manns

Nach §§ 9 Abs. 5 EStG i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 EStG wird ein erwerbs­be­ding­ter Mehr­auf­wand an Ver­pfle­gung typi­sie­rend in Form gestaf­fel­ter Pausch­be­trä­ge und ledig­lich unter der Vor­aus­set­zung steu­er­lich berück­sich­tigt, dass der Arbeit­neh­mer sich aus beruf­li­chen Grün­den auf einer Aus­wärts­tä­tig­keit befun­den hat. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs (vgl. BFH, Urtei­le vom 11.05.2005 – VI R 16/​04 BFHE 209, BSt­Bl II 2005,789; und vom 18.06.2009 – VI R 61/​06 BSt­Bl II 2010,564)) ist eine Aus­wärts­tä­tig­keit dadurch gekenn­zeich­net, dass der Arbeit­neh­mer ent­we­der vor­über­ge­hend von sei­ner Woh­nung und dem orts­ge­bun­de­nen Mit­tel­punkt sei­ner dau­er­haft ange­leg­ten beruf­li­chen Tätig­keit (Tätig­keits­mit­tel­punkt) ent­fernt beruf­lich tätig wird oder dass der Arbeit­neh­mer typi­scher­wei­se nur an stän­dig wech­seln­den Tätig­keits­stät­ten oder auf einem Fahr­zeug ein­ge­setzt wird und damit über einen dau­er­haft ange­leg­ten orts­ge­bun­de­nen Bezugs­punkt sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit nicht ver­fügt. Ist der Arbeit­neh­mer hin­ge­gen an sei­nem orts­ge­bun­de­nen Tätig­keits­mit­tel­punkt tätig, liegt eine zum Ansatz der Ver­pfle­gungs­pau­scha­len berech­ti­gen­de Aus­wärts­tä­tig­keit nicht vor. Unter dem Begriff des Tätig­keits­mit­tel­punkts im Sin­ne des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 Satz 2 EStG ist – eben­so wie unter dem Begriff der (regel­mä­ßi­gen) Arbeits­stät­te i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG – jede dau­er­haf­te betrieb­li­che Ein­rich­tung des Arbeit­ge­bers zu ver­ste­hen, der der Arbeit­neh­mer zuge­ord­net ist und die er nach­hal­tig, fort­dau­ernd und immer wie­der auf­sucht; dies ist regel­mä­ßig der Betrieb des Arbeit­ge­bers oder ein Zweig­be­trieb 1.

Wer­den Diens­te an unter­schied­li­chen Tätig­keits­stel­len erbracht, ist eine Aus­wärts­tä­tig­keit anzu­neh­men, wenn der vor­über­ge­hend auf­ge­such­ten eine regel­mä­ßi­ge Arbeits­stät­te gegen­über­steht, die der erst­ge­nann­ten gegen­über als dau­er­haf­ter Mit­tel­punkt der beruf­li­chen Tätig­keit erscheint. Anhalts­punk­te für einen sol­chen Mit­tel­punkt sind neben der Dau­er der dort geleis­te­ten Diens­te und dem Umstand, dass der Arbeit­neh­mer an die­sen Ort immer wie­der zurück­kehrt, die mit den Vor­stel­lun­gen der Betei­lig­ten über­ein­stim­men­de Ver­kehrs­an­schau­ung, wobei die Beur­tei­lung als dienst­li­cher Mit­tel­punkt unter Wür­di­gung aller Umstän­de des Ein­zel­fal­les erfolgt (BFH, Urtei­le vom 04.05.1990 – VI R 144/​85, BFHE 160, 532, BSt­Bl II 1990, 856; und vom 07.07.2004 – VI R 11/​04 BSt­Bl II 2004, 1004)). Ein Berufs­feu­er­wehr­mann, der wäh­rend der Dienst­zeit grund­sätz­lich in der Feu­er­wa­che anwe­send sein muss, dort stets Arbei­ten zu ver­rich­ten hat und nach jedem Ein­satz dort­hin zurück­kehrt, hat nach der Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 7. Juli 2004 2 dort sei­ne regel­mä­ßi­ge Arbeits­stät­te.

Im hier vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Streit­fall hat der Klä­ger auf Wei­sung sei­nes Arbeit­ge­bers im Jahr 2007 77 Tage, im Jahr 2008 85 Tage sei­nen Dienst als Feu­er­wehr­mann durch Wahr­neh­mung des 24stündigen Bereit­schafts­diens­tes im Kran­ken­haus aus­ge­übt. An die­sen Tagen hat­te er im Kran­ken­haus anwe­send zu sein, von dort sei­nen Ein­sät­zen auf dem Ret­tungs­wa­gen nach­zu­ge­hen und nach jedem Ein­satz dort­hin zurück­zu­keh­ren. An 96 Tagen in 2007 bzw. 104 Tagen in 2008 war er dem­ge­gen­über in der Feu­er­wa­che ein­ge­setzt. Schon aus dem Ver­gleich der Anzahl der Arbeits­ta­ge ergibt sich, dass es sich bei dem Kran­ken­haus um eine zwei­te regel­mä­ßi­ge Arbeits­stät­te des Klä­gers han­del­te, der er zuge­ord­net war und die er nach­hal­tig, fort­dau­ernd und immer wie­der auf­ge­sucht hat. Er hat­te dort eben­so wie in der Feu­er­wa­che anwe­send zu sein, Ein­sät­ze abzu­war­ten, von dort Fahr­ten zu Ein­satz­stel­len durch­zu­füh­ren und dort­hin zurück­zu­keh­ren. Eine Aus­wärts­tä­tig­keit ist von daher nicht gege­ben.

Von daher kann dahin­ste­hen, ob es jeden­falls des­halb an einer Aus­wärts­tä­tig­keit fehlt, weil das gesam­te Stadt­ge­biet, für wel­ches die Feu­er­wa­che zustän­dig ist, als Tätig­keits­mit­tel­punkt in Betracht kommt. Auch ein grö­ße­res, räum­lich geschlos­se­nes Gebiet kann näm­lich einen Tätig­keits­mit­tel­punkt­dar­stel­len, wenn es sich um ein zusam­men­hän­gen­des Gelän­de des Arbeit­ge­bers han­delt, auf dem der Arbeit­neh­mer auf Dau­er und mit einer gewis­sen Nach­hal­tig­keit tätig wird 3. So kann nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs z.B. ein Wald­ge­biet eine groß­räu­mi­ge (regel­mä­ßi­ge) Arbeits­stät­te bzw. einen Tätig­keits­mit­tel­punkt dar­stel­len 4, letz­te­res jeden­falls dann, wenn sich dort eine orts­fes­te betrieb­li­che Ein­rich­tung des Arbeit­ge­bers befin­det (BFH, Urteil vom 17.06.2010 – VI R 20/​09)), was hier der Fall ist.

Auf das Vor­brin­gen der Betei­lig­ten zu der kon­kre­ten Ver­pfle­gungs­si­tua­ti­on kommt es vor­lie­gend nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 5 nicht an.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 24. Novem­ber 2010 – 7 K 1574/​10 E

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 18.12.2008 – VI R 39/​07, BFHE 224, 111, BSt­Bl II 2009, 475, m.w.N.; und vom 18.06.2009 – VI R 61/​06 BSt­Bl II 2010,564[]
  2. BFH, aaO.[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 05.08.2004 – VI R 40/​03, BFHE 207, 225, BSt­Bl II 2004, 1074; und vom 10.04.2002 – VI R 154/​00, BFHE 198, 559, BSt­Bl II 2002, 779[]
  4. BFH, Urteil vom 18.06.2009 – VI R 61/​06 BSt­Bl II 2010,564[]
  5. BFH, Urteil vom 17.02.2009 – VIII R 21/​08 BFH/​NV 2009,1172[]