Rück­nah­me und Wider­ruf in der Kin­der­geld­fest­set­zung

Die Vor­schrif­ten des Sozi­al­ver­wal­tungs­ver­fah­rens über Rück­nah­me und Wider­ruf von Ver­wal­tungs­ak­ten fin­den auf die Kin­der­geld­fest­set­zung nach dem Ein­kom­men­steu­er­ge­setz kei­ne Anwen­dung. Dies gilt auch für die Rege­lung des § 44 SGB X, wonach ein rechts­wid­ri­ger Ver­wal­tungs­akt, auf Grund des­sen eine Sozi­al­leis­tung zu Unrecht nicht erbracht wur­de, auch nach­dem er unan­fecht­bar gewor­den ist, mit Wir­kung für die Ver­gan­gen­heit zurück­zu­neh­men ist.

Rück­nah­me und Wider­ruf in der Kin­der­geld­fest­set­zung

So geht der Bun­des­fi­nanz­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung davon aus, dass auf das nach dem EStG zu gewäh­ren­de Kin­der­geld die Vor­schrif­ten der Abga­ben­ord­nung anzu­wen­den sind und die die­sen gegen­über güns­ti­ge­ren Bestim­mun­gen der §§ 44 ff. SGB X auch nicht ana­log her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen [1]. Auch nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts [2] ver­stößt die ver­fah­rens­recht­li­che Schlech­ter­stel­lung bei der Gewäh­rung von Kin­der­geld nach dem EStG gegen­über einer Kin­der­geld­leis­tung nach dem Bun­des­kin­der­geld­ge­setz nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG, da sie durch Prak­ti­ka­bi­li­täts­er­wä­gun­gen sach­lich gerecht­fer­tigt ist. Die­se spre­chen dafür, für das nach dem EStG fest­zu­set­zen­de Kin­der­geld die Anwen­dung des steu­er­li­chen Ver­fah­rens­rechts der Abga­ben­ord­nung vor­zu­schrei­ben, denn die für die Strei­tig­kei­ten aus dem Ein­kom­men­steu­er­ge­setz zustän­di­gen Finanz­ge­rich­te sind mit der Anwen­dung die­ses Ver­fah­rens­rechts beson­ders ver­traut.

Nichts ande­res ergibt sich inso­weit dar­aus, dass das Kin­der­geld nach den §§ 62 ff. EStG als Fami­li­en­leis­tung i.S. des Art. 1 Buchst. u Ziff. i der VO Nr. 1408/​71 gemäß Art. 4 Abs. 1 Buchst. h die­ser Ver­ord­nung ihrem sach­li­chen Gel­tungs­be­reich unter­fällt. Denn die VO Nr. 1408/​71 ent­hält kei­ne Bestim­mun­gen dar­über, wel­che natio­na­len Ver­fah­rens­vor­schrif­ten auf die vom jewei­li­gen Mit­glied­staat gewähr­ten Fami­li­en­leis­tun­gen Anwen­dung zu fin­den haben. Dies bestimmt sich nach den natio­na­len Vor­schrif­ten, mit­hin hier nach § 31 Satz 3 EStG, §§ 1 Abs. 1 Satz 1, 155 Abs. 4 AO.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 6. März 2013 – III B 113/​12

  1. z.B. BFH, Urteil vom 19.11.2008 – III R 108/​06, BFH/​NV 2009, 357, m.w.N.[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 06.04.2011 – 1 BvR 1765/​09, zu § 44 SGB X, BFH/​NV 2011, 1277[]