Steu­er­li­cher Schutz gegen Mobil­funk­wel­len

Die Kos­ten, die ein Steu­er­pflich­ti­ger für Abschirm­maß­nah­men an einem Haus gegen Mobil­funk­strah­len auf­wen­det, stel­len nach einem jetzt bekannt gewor­de­nen Urteil des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz kei­ne außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung dar, auch nicht bei einer? MCS-Vor­er­kran­kung. In dem jetzt vom FG ent­schie­de­nen Streit­fall mach­te die KLä­ge­rin im Rah­men ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2002 für Abschirm­maß­nah­men gegen eine Mobil­funk­an­la­ge in Höhe von rd. 38.500.- ? bei den außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tun­gen gel­tend. Die an MCS (Mul­ti­ple Che­mi­cal Sen­si­ti­vi­ty) erkrank­te und des­we­gen zu einem Grad von 70% behin­der­te Klä­ge­rin hat­te zunächst ver­geb­lich recht­li­che Schrit­te zur Ver­hin­de­rung einer Mobil­funk­an­la­ge unter­nom­men.

Steu­er­li­cher Schutz gegen Mobil­funk­wel­len

Nach­dem im Jah­re 2002 in der Nähe ihres Wohn­hau­ses (ca. 70m Ent­fer­nung) die Mobil­funk­an­la­ge in Betrieb gegan­gen war und sie und ihre Fami­lie das sofort hef­tig gespürt hät­ten (Magen-Darm-Pro­ble­me, Schlaf­stö­run­gen und Kopf­schmer­zen etc), wur­de ein Bau­bio­lo­ge und Umwelt­ana­ly­ti­ker mit Mes­sun­gen beauf­tragt. Auf der Basis eines bau­bio­lo­gi­schen Gut­ach­tens wur­den dann pro­fes­sio­nel­le Abschirm­maß­nah­men am Hau­se durch­ge­führt. Nach Been­di­gung der Arbei­ten sei der tech­ni­sche Erfolg der Abschirm­maß­nah­men in einer erneu­ten bau­bio­lo­gi­schen Mes­sung fest­ge­hal­ten wor­den. Der Antrag auf steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung bei den außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tun­gen wur­de u.a. unter Vor­la­ge eines Gut­ach­tens der Haus­ärz­tin damit begrün­det, dass die Klä­ge­rin unter MCS ? einer weit über das nor­ma­le Maß hin­aus­ge­hen­den Emp­find­lich­keit gegen­über exter­nen Ein­flüs­sen ? lei­de und dass es bei ihr zu einer Blut­druck­kri­se und einer aku­ten Bin­de­haut­ent­zün­dung mit exter­ner Ursa­che gekom­men sei, nach­dem in der Nähe ihres Wohn­hau­ses ein Funk­mast in Betrieb genom­men wor­den sei.

Das vom Finanz­amt ein­ge­schal­te­te Gesund­heits­amt ver­trat dage­gen die Ansicht, dass bei der Ein­hal­tung der gel­ten­den Grenz­wer­te nach dem Bun­des­im­mis­si­ons­schutz­ge­setz kei­ne gesund­heit­li­chen Gefah­ren zu befürch­ten sei­en. Spä­ter schal­te­te das Finanz­amt auch noch das Lan­des­amt für Umwelt­schutz und Gewer­be­auf­sicht zu der Fra­ge ein, ob die Abschirm­maß­nah­men auf­grund der Erkran­kung der Klä­ge­rin not­wen­dig und ange­mes­sen gewe­sen sei­en. Nach der Mes­sung in der Umge­bung des Hau­ses der Klä­ge­rin konn­te ein Zusam­men­hang zwi­schen der Erkran­kung der von der Klä­ge­rin geschil­der­ten Art und elek­tro­ma­gne­ti­schen Fel­dern nach Ansicht des Lan­des­am­tes nicht nach­ge­wie­sen wer­den.

Im Ein­kom­men­steu­er­be­scheid 2002 berück­sich­tig­te das Finanz­amt den gel­tend gemach­ten Betrag von rd. 38.500.- ? nicht bei den außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tun­gen. In dem umfang­rei­chen wei­te­ren Ver­fah­ren bei dem Finanz­amt, in dem die Klä­ge­rin u.a. vor­ge­tra­gen hat­te, wegen ihrer poly­va­len­ten All­er­gie reagie­re sie mit schwer­wie­gen­den sogar lebens­be­dro­hen­den Stö­run­gen, auch wenn die Grenz­wer­te in ihrem Haus nicht über­schrit­ten wür­den, wur­de das Gesund­heits­amt erneut um eine Stel­lung­nah­me gebe­ten. Es führ­te u.a. aus, das typi­sche Beschwer­de­bild von MCS Pati­en­ten und die Tat­sa­che, dass MCS-Beschwer­den nur durch che­mi­sche Ein­flüs­se aus­ge­löst wür­den, lie­ßen im Fal­le der Klä­ge­rin einen Zusam­men­hang mit den aus­schließ­lich phy­si­ka­li­schen Ein­flüs­sen durch die Funk­an­ten­ne nicht erken­nen, es gäbe auch die inter­na­tio­nal for­mu­lier­te Hypo­the­se, wonach schon der Stress durch die Besorg­nis einer Gefahr zu kör­per­li­chen Beschwer­den füh­re (Noce­bo-Effekt). Auch in einem sol­chen Fal­le kön­ne eine Abschir­m­aß­nah­me zu einer Lin­de­rung füh­ren, ohne dass eine Not­wen­dig­keit im Sin­ne eines Strah­len­schut­zes bestan­den hät­te.

Die vor dem FG Rhein­land-Pfalz ange­streng­te Kla­ge hat­te kei­nen Erfolg. Nach Ansicht des FG sind Auf­wen­dun­gen im Zusam­men­hang mit einer MCS-Erkran­kung nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen zu berück­sich­ti­gen, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge sei­ne Beschwer­den nicht durch ein amts­ärzt­li­ches Gut­ach­ten nach­wei­se. Gera­de wegen der im Streit­fall bestehen­den und zwi­schen den Betei­lig­ten nicht strei­ti­gen Schwie­rig­kei­ten bei der Fest­stel­lung der Ursäch­lich­keit sei der Nach­weis in die­ser qua­li­fi­zier­ten Wei­se zu füh­ren uner­läss­lich, um die Inan­spruch­nah­me unge­recht­fer­tig­ter Steu­er­vor­tei­le zu Las­ten der All­ge­mein­heit zu ver­hin­dern. Die­sen Nach­weis habe die Klä­ge­rin nicht geführt. Die Beden­ken der Klä­ge­rin, ein Amts­arzt sei nicht ein­schlä­gig spe­zia­li­siert, wür­den nicht durch­grei­fen, denn der ein­ge­schal­te­te Amts­arzt kön­ne sich ggf. durch Nach­fra­ge bei ande­ren Stel­len ein eige­nes medi­zi­ni­sches Urteil bil­den. Das FG geht in die­sem Zusam­men­hang, solan­ge kei­ne gegen­tei­li­gen wis­sen­schaft­lich gesi­cher­ten aktu­el­len Erkennt­nis­se vor­lä­gen, mit der oberst­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung von BGH und BVerfG davon aus, dass bei Ein­hal­tung der Grenz­wer­te der 26. Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des Bun­des­im­mis­si­ons­schutz­ge­set­zes eine Gesund­heits­ge­fähr­dung durch Mobil­funk­wel­len nicht unter­stellt wer­den kön­ne. Die wei­ter­ge­hen­den Beweis­an­trä­ge der Klä­ge­rin wur­den abge­lehnt, da der Senat kei­nen Anlass sah, den Amts­arzt erneut zu bemü­hen, eine amts­ärzt­li­che Stel­lung­nah­me lie­ge bereits vor. Außer­dem feh­le es an der Zwangs­läu­fig­keit der Auf­wen­dun­gen i.S. einer außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tung. Die Klä­ge­rin habe näm­lich selbst vor­ge­tra­gen, trotz der Reduk­ti­on der Strah­len­be­las­tung sei ihr ein völ­lig beschwer­de­frei­es Leben nicht mög­lich gewe­sen; des­we­gen sei sie im Sep­tem­ber 2003 aus dem Haus aus­ge­zo­gen und habe eine neue Woh­nung bezo­gen. Dar­aus fol­ger­te das FG Rhein­land-Pfalz, dass bereits zu Beginn der Abschirm­maß­nah­men klar gewe­sen sei, dass eine Abschir­mung des gesam­ten Anwe­sens ? also auch der Außen­flä­chen ? nicht mög­lich gewe­sen sei. Aus der Sicht der Klä­ge­rin sei­en damit die Auf­wen­dun­gen im Ergeb­nis von vor­ne­her­ein nicht sinn­voll und damit nicht not­wen­dig gewe­sen, weil sie die gewünsch­te Nut­zung des gesam­ten Anwe­sens nicht hät­ten ermög­li­chen kön­nen. Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 16. Janu­ar 2007 – 2 K 1047/​05