Unter­halts­auf­wen­dun­gen an im Aus­land leben­de Eltern

Erwach­sen einem Steu­er­pflich­ti­gen Auf­wen­dun­gen für den Unter­halt einer ihm oder sei­nem Ehe­gat­ten gegen­über gesetz­lich unter­halts­be­rech­tig­ten Per­son, so wird auf Antrag die Ein­kom­men­steu­er dadurch ermä­ßigt, dass die Auf­wen­dun­gen bis zu 7.188 € (im Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2003) bzw. 7.680 € (im Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2004) im Kalen­der­jahr vom Gesamt­be­trag der Ein­künf­te abge­zo­gen wer­den (§ 33a Abs. 1 Satz 1 EStG in der jeweils für 2003 und 2004 gel­ten­den Fas­sung)). Eine zumut­ba­re Belas­tung im Sin­ne des § 33 Abs. 3 EStG wird nicht ange­rech­net 1. Denn § 33a EStG stellt gegen­über der all­ge­mei­nen Rege­lung des § 33 EStG eine Son­der­vor­schrift dar 2.

Unter­halts­auf­wen­dun­gen an im Aus­land leben­de Eltern

Der Abzug von Unter­halts­auf­wen­dun­gen an im Aus­land leben­de Eltern als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung ent­fällt trotz ent­spre­chen­der amt­li­cher Unter­halts­be­schei­ni­gung, wenn die Unter­halts­be­dürf­tig­keit der Eltern nicht glaub­haft ist.

Rei­chen die vom Steu­er­pflich­ti­gen, der angibt, ein­zi­ger Unter­halts­zah­ler zu sein, gezahl­ten Beträ­ge nicht aus, um den gesam­ten Lebens­be­darf der Eltern zu decken, müs­sen die­se noch über ande­re Ein­nah­men ver­fü­gen, die sie ver­schwie­gen haben. Damit ent­fällt die Glaub­wür­dig­keit der Unter­halts­be­schei­ni­gun­gen.

Zah­lun­gen, die zum Jah­res­en­de geleis­tet wor­den sind, dür­fen zwar wegen des Prin­zips der Abschnitts­be­steue­rung den Gesamt­be­trag der Ein­künf­te die­ses Jah­res nur antei­lig min­dern 3. Sie ste­hen jedoch im Fol­ge­jahr zur Deckung des Lebens­be­darfs zur Ver­fü­gung. Denn Unter­halts­leis­tun­gen kön­nen nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht auf Mona­te vor ihrer Zah­lung zurück­be­zo­gen wer­den 4.

In die­sem Zusam­men­hang ist jedoch auch zu prü­fen, ob der Steu­er­pflich­ti­ge einen Anspruch dar­auf hat, dass in den Streit­jah­ren ihm gegen­über die im dama­li­gen Schrei­ben des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums vom 15. Sep­tem­ber 1997 5 nor­mier­te Regel zur Anwen­dung kommt. Danach kön­nen aus Ver­ein­fa­chungs­grün­den vier­tel­jähr­li­che Unter­halts­zah­lun­gen auch in Vor­mo­na­ten Berück­sich­ti­gung fin­den. Nor­min­ter­pre­tie­ren­de Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen, die die gleich­mä­ßi­ge Aus­le­gung und Anwen­dung des Rechts sichern sol­len, kön­nen im All­ge­mei­nen zwar weder eine einer Rechts­norm ver­gleich­ba­re Bin­dung aller Rechts­an­wen­der noch eine Bin­dung nach dem Grund­satz von Treu und Glau­ben her­bei­füh­ren. Eine von den Gerich­ten zu beach­ten­de Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung besteht aller­dings als Aus­fluss von Art. 3 Abs. 1 GG aus­nahms­wei­se in dem Bereich der der Ver­wal­tung vom Gesetz ein­ge­räum­ten Ent­schei­dungs­frei­heit, also im Bereich des Ermes­sens, der Bil­lig­keit und der Typi­sie­rung oder Pau­scha­lie­rung 6.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Novem­ber 2010 – VI R 16/​09

  1. Mel­ling­hoff in Kirch­hof, EStG, 9. Aufl., § 33a Rz 2[]
  2. Kanz­ler in HHR, § 33a EStG Rz 10[]
  3. Anschluss an BFH, Urteil vom 05.05.2010 – VI R 40/​09, BFHE 230, 123[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 230, 123, m.w.N.[]
  5. BMF, Schrei­ben vom 15.09.1997, BSt­Bl I 1997, 826, Tz. 8.3[]
  6. BFH, Urtei­le vom 26.04.1995 – XI R 81/​93, BFHE 178, 4, BSt­Bl II 1995, 754; vom 07.12.2005 – I R 123/​04, BFH/​NV 2006, 1097; vom 04.02.2010 – II R 1/​09, BFH/​NV 2010, 1244[]