Weg­fall der Arbeit­su­chend­mel­dung des Kin­des – und der Kin­der­geld­an­spruch

Nach § 62 Abs. 1, § 63 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 EStG wird ein Kind, das das 18. Lebens­jahr voll­endet hat, beim Kin­der­geld berück­sich­tigt, wenn es noch nicht das 21. Lebens­jahr voll­endet hat, nicht in einem Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis steht und bei einer Agen­tur für Arbeit im Inland als Arbeit­su­chen­der gemel­det ist.

Weg­fall der Arbeit­su­chend­mel­dung des Kin­des – und der Kin­der­geld­an­spruch

Ob der Sta­tus als Arbeit­su­chen­de besteht, rich­tet sich nach den Vor­schrif­ten des Sozi­al­rechts, hier ins­be­son­de­re nach § 38 SGB III 1.

Zwar ist die Ein­stel­lungs­ver­fü­gung der Arbeits­agen­tur ein Ver­wal­tungs­akt i.S. des § 31 SGB X 2. Den­noch setzt der Weg­fall der Arbeit­su­chend­mel­dung nicht kon­sti­tu­tiv die wirk­sa­me Bekannt­ga­be der Ein­stel­lungs­ver­fü­gung nach § 38 Abs. 3 Satz 2 SGB III vor­aus. Ist ‑wie im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall- das arbeit­su­chen­de Kind tat­säch­lich aus der Ver­mitt­lung abge­mel­det, fehlt es aber an einer wirk­sam bekannt­ge­ge­be­nen Ein­stel­lungs­ver­fü­gung, hängt der Fort­be­stand der Arbeit­su­chend­mel­dung davon ab, ob das arbeit­su­chen­de Kind eine Pflicht­ver­let­zung began­gen hat, die die Agen­tur für Arbeit nach § 38 Abs. 3 Satz 2 SGB III zur Ein­stel­lung der Ver­mitt­lung berech­tigt 3.

Aller­dings kommt danach eine Ein­stel­lung der Ver­mitt­lung nicht bei jeg­li­cher Form einer nicht aus­rei­chen­den Mit­wir­kung in Betracht. Erfor­der­lich ist gemäß § 38 Abs. 3 Satz 2 SGB III, dass ein Ver­stoß gegen § 38 Abs. 2 SGB III, gegen die Ein­glie­de­rungs­ver­ein­ba­rung oder gegen den Ver­wal­tungs­akt nach § 37 Abs. 3 Satz 4 SGB III vor­liegt.

Wenn sich die Fami­li­en­kas­se inso­weit auf das Vor­lie­gen einer beacht­li­chen Pflicht­ver­let­zung des arbeits­su­chen­den Kin­des beruft, trägt sie die Fest­stel­lungs­last dafür, dass dem arbeit­su­chen­den Kind eine ent­spre­chen­de Pflicht oble­gen hat. Umge­kehrt trägt der Kin­der­geld­be­rech­tig­te die Fest­stel­lungs­last dafür, dass das Kind die ihm oblie­gen­den Pflich­ten erfüllt oder nur auf­grund des Vor­lie­gens eines wich­ti­gen Grun­des ver­letzt hat 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 23. Okto­ber 2014 – V R 24/​14

  1. BFH, Urtei­le vom 10.04.2014 – III R 19/​12, BFHE 245, 200; vom 10.04.2014 – III R 37/​12, BFH/​NV 2014, 1726[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 245, 200[]
  3. BFH, Urtei­le in BFHE 245, 200; in BFH/​NV 2014, 1726[]
  4. BFH, Urteil in BFH/​NV 2014, 1726, Rz 17[]
  5. BGBl I 2008, 2917[]