Wer­bungs­kos­ten bei beruf­lich ver­an­lass­ten Krank­hei­ten

Auf­wen­dun­gen zur Wie­der­her­stel­lung der Gesund­heit kön­nen dann betrieb­lich oder beruf­lich ver­an­lasst sein, wenn es sich um eine typi­sche Berufs­krank­heit han­delt oder der Zusam­men­hang zwi­schen der Erkran­kung und dem Beruf ein­deu­tig fest­steht.

Wer­bungs­kos­ten bei beruf­lich ver­an­lass­ten Krank­hei­ten

Wer­bungs­kos­ten, näm­lich Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung der Ein­nah­men i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG, lie­gen vor, wenn sie durch den Beruf oder durch die Erzie­lung steu­er­pflich­ti­ger Ein­nah­men ver­an­lasst sind. Sie sind beruf­lich ver­an­lasst, wenn ein objek­ti­ver Zusam­men­hang mit dem Beruf besteht und die Auf­wen­dun­gen sub­jek­tiv zur För­de­rung des Berufs getä­tigt wer­den. Auch Auf­wen­dun­gen für berufs­be­zo­ge­ne Fort­bil­dungs­maß­nah­men kön­nen als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar sein, wenn die Auf­wen­dun­gen in einem hin­rei­chend kon­kre­ten, objek­tiv fest­stell­ba­ren Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang mit den ein­kom­men­steu­er­ba­ren Ein­nah­men ste­hen. Die­se Vor­aus­set­zun­gen kön­nen sogar bei Auf­wen­dun­gen für berufs­be­zo­ge­ne Bil­dungs­maß­nah­men erfüllt sein, die zur Erlan­gung eines künf­ti­gen Berufs getä­tigt wer­den 1. Dies gilt erst recht bei Auf­wen­dun­gen für einen schon gegen­wär­tig aus­ge­üb­ten Beruf.

Gemes­sen dar­an ist nicht ersicht­lich, auf Grund­la­ge wel­cher gesi­cher­ten Erkennt­nis­se das Finanz­amt und das Finanz­ge­richt die Dis­po­ki­ne­se nicht als beruf­lich ver­an­lass­te Fort­bil­dungs­maß­nah­me beur­tei­len konn­ten. Die Klä­ge­rin hat­te schon im Rah­men ihrer Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung gel­tend gemacht, dass die Auf­wen­dun­gen dafür Fort­bil­dungs­maß­nah­men sei­en. Im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren hat die Klä­ge­rin dies eben­falls vor­ge­bracht, es auch nicht bei der schlich­ten Behaup­tung belas­sen, son­dern umfas­send zu Sinn, Zweck und Ziel der Dis­po­ki­ne­se vor­ge­tra­gen und ergän­zend auch eine Beweis­erhe­bung durch Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens ange­regt. Das Finanz­ge­richt hat indes­sen den Sach­ver­halt dahin­ge­hend nicht wei­ter ermit­telt und auch kein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ein­ge­holt.

Unge­ach­tet der Fra­ge, ob die in ihrer ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Berück­sich­ti­gung strei­ti­gen Auf­wen­dun­gen als Fort­bil­dungs­maß­nah­men zu Wer­bungs­kos­ten füh­ren kön­nen, ent­spricht es auch der stän­di­gen und unver­än­dert fort­gel­ten­den Recht­spre­chung des erken­nen­den BFHs, dass Auf­wen­dun­gen zur Ver­min­de­rung oder Behe­bung gesund­heit­li­cher Stö­run­gen, die typi­scher­wei­se mit der betref­fen­den Berufs­tä­tig­keit ver­bun­den sind, Wer­bungs­kos­ten sein kön­nen, wenn es sich um typi­sche Berufs­krank­hei­ten han­delt oder der Zusam­men­hang zwi­schen der Erkran­kung und dem Beruf ein­deu­tig fest­steht 2. Die­se Rechts­grund­sät­ze hat etwa das Säch­si­sche Finanz­ge­richt in einem Urteil vom 26. Okto­ber 2010 3 in einem ver­gleich­ba­ren Fall ange­wandt, in dem eine Gei­ge­rin eben­falls Auf­wen­dun­gen für beruf­li­che Gym­nas­tik als Wer­bungs­kos­ten mit der Begrün­dung gel­tend gemacht hat­te, dass bei ihr eine musi­ker­spe­zi­fi­sche Erkran­kung vor­ge­le­gen habe.

Ange­sichts die­ser vor­ge­nann­ten Rechts­grund­sät­ze wird nun­mehr gege­be­nen­falls durch Ein­ho­lung eines ent­spre­chen­den Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zu prü­fen sein, ob die von der Klä­ge­rin in Anspruch genom­me­ne Unter­rich­tung in Dis­po­ki­ne­se als Fort­bil­dungs­maß­nah­me zu berück­sich­ti­gen ist. Gege­be­nen­falls wird auch zu prü­fen sein, ob ein Wer­bungs­kos­ten­ab­zug unter dem Gesichts­punkt der typi­schen Berufs­krank­heit oder eines ein­deu­tig fest­ste­hen­den Zusam­men­hangs zwi­schen Erkran­kung und Beruf in Betracht kommt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Juli 2013 – VI R 37/​12

  1. zuletzt BFH, Urtei­le vom 09.02.2012 – VI R 42/​11, BFHE 236, 439, BSt­Bl II 2013, 236; vom 27.10.2011 – VI R 52/​10, BFHE 235, 444, BSt­Bl II 2012, 825[]
  2. vgl. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 17.07.1992 – VI R 96/​88, BFH/​NV 1993, 19; vom 23.10.1992 – VI R 31/​92, BFHE 169, 350, BSt­Bl II 1993, 193; vom 09.02.1962 – VI 10/​61 U, BFHE 74, 632, BSt­Bl III 1962, 235; vom 22.04.2003 – VI B 275/​00, BFH/​NV 2003, 1052[]
  3. Sächs. FG, Urteil vom 26.10.2010 – 5 K 435/​06, mit umfas­sen­den Nach­wei­sen zur BFH-Recht­spre­chung[]